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Wird das Tapering verschärft?


28.10.21 08:45
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Wer heutzutage in Anleihen investiert, fühlt sich manchmal wie ein Jurist - die Wortwahl scheint immer mehr in den Vordergrund zu rücken, so Jim Cielinski, Global Head of Fixed Income bei Janus Henderson Investors.

Am deutlichsten lasse sich dies daran ablesen, wie der Markt jede Änderung eines Adjektivs oder einer Wortwendung der Zentralbanker analysiere.

Am deutlichsten werde dies bei der Deutung der Erklärungen und Reden von Vertretern der US-Notenbank (FED). Hier sei die Verantwortung angesichts des Einflusses der US-Geldpolitik und der Renditen von US-Staatsanleihen als Richtschnur für die Zinssätze auf globaler Ebene umso größer.

Die Anleihemärkte seien in den letzten Monaten beunruhigt gewesen über den sprachlichen Wandel der FED in Richtung "Tapering", wie beispielsweise die Reduzierung des Tempos der Wertpapierkäufe, im Rahmen ihres Programms zur quantitativen Lockerung (Quantative Easing = QE). Die aktuelle Phase des QE sei stets als politisches Instrument zur Bewältigung der Corona-Krise gedacht gewesen. Erfolgreiche Impfkampagnen würden eine Entspannung des Ausnahmezustands und eine Wiederbelebung der Wirtschaft bedeuten. Daher hätten die Märkte versucht zu erahnen, wann das QE enden werde.

Es gebe zwei Dinge, die man beachten sollte. Erstens habe die FED aus dem "Taper Tantrum" von 2013 gelernt ihre Absichten klar zu kommunizieren, nachdem der Markt (damals) das Tapering fälschlicherweise als unmittelbare Ankündigung eines Zinsanstiegs interpretiert habe. Jerome Powell, der derzeitige FED-Vorsitzende, habe immer wieder betont, dass es eine Pause zwischen dem Ende des Tapering und einem etwaigen Zinsanstieg geben werde. Mitte Oktober 2021 seien die Futures-Märkte davon ausgegangen, dass die Zinsen im Dezember 2022 steigen würden. Das deute auf eine sechsmonatige Verzögerung nach dem Ende des Tapering hin (unter der Annahme, dass es Ende 2021 beginne und Mitte 2022 ende). Im Vergleich dazu habe die Verzögerung in den Jahren 2014/15 14 Monate betragen. Der verkürzte Zeitraum lasse sich durch das derzeit relativ hohe Inflationsniveau erklären.

Zweitens sollte zwischen dem Tapering und einer reinen Bilanzverringerung unterschieden werden. Tapering sei immer noch geldpolitische Akkomodierung. Es werde immer noch mehr Geld in das System eingespeist, wenn auch in geringeren Mengen. Das allmähliche Tapering ermögliche es den Märkten also, sich darauf einzustellen, dass die FED nicht mehr regelmäßig Anleihen aufkaufe. Wenn die Vergangenheit ein Anhaltspunkt sei - was vielleicht nicht der Fall sei, aber man habe von der FED noch nichts Gegenteiliges gehört -, werde sie ihre Bilanz wahrscheinlich noch eine Weile auf dem aktuellen Niveau halten, wie zwischen Ende 2014 und Anfang 2018.

Letztendlich könnten das Tapering und die Aussicht auf Zinserhöhungen einen beruhigenden Effekt auf die Anleiherenditen haben, da sie die Inflationserwartungen dämpfen würden. Die Breakeven-Inflationsniveaus seien bemerkenswert konstant gewesen und hätten sich über weite Strecken des Jahres 2021 sowohl bei den Fünf- als auch bei den Zehn-Jahres-Breakeven um die 2,5% bewegt, obwohl es in letzter Zeit einen gewissen Aufwärtsdruck gegeben habe.

Im Jahr 2014 sei die Rendite der weithin beachteten zehnjährigen US-Staatsanleihe infolge des Tapering gesunken und auch nach der ersten Zinserhöhung weiter gefallen. Es möge weit hergeholt sein, dieses Mal dasselbe zu erwarten, wenn die Anleiherenditen auf einem niedrigeren Ausgangsniveau lägen und der Inflationsdruck groß sei. Die Lieferkettenprobleme würden länger andauern als ursprünglich erwartet, was sich auf die gesamte Wirtschaft auswirken könne. Hohe Preise könnten das Wirtschaftswachstum bremsen und würden im Wesentlichen als selbstkorrigierende Kraft wirken. Allerdings bestehe die Gefahr, dass die höheren Preise die Erwartungen an eine verankerte Inflation allmählich aufbrechen würden. Dies könnte zu einem dauerhaften inflationären Umfeld und letztlich zu höheren Anleiherenditen führen. (28.10.2021/alc/a/a)