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Wider den Crash-Propheten: Schuldenberg und Zinsanstieg


13.12.19 12:30
StarCapital

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - "Crash-Propheten" haben Hochkonjunktur, ihre Bücher werden zahlreich als Geschenke unterm Weihnachtsbaum liegen, so Dr. Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement von StarCapital.

Die populärsten Argumente würden eine kritische Betrachtung verdienen:

Schuldenberg und Zinsanstieg:

Die aggregierten Schulden von Staaten, Unternehmen, Banken und privaten Haushalten seien in den letzten zehn Jahren um fast 40% auf über 250 Billionen US-Dollar gestiegen. Dies entspreche 320% des globalen Bruttoinlandproduktes. Wenn nun Zinsen steigen würden, drohe der Crash - so die gängige Argumentation. Allerdings sei die Verschuldung der privaten Haushalte in den wichtigsten Industrieländern gesunken und in den USA und Europa sei sogar die Sparquote gestiegen. Gleichzeitig führe die Demographie über ein nachlassendes Wirtschaftswachstum zu einem langfristigen Rückgang der privaten Investitionen und einem Anstieg der Ersparnisse auf Unternehmensebene.

Die große Lücke, die sich dadurch zwischen den gesamten Ersparnissen der Privathaushalte und Unternehmen einerseits und den privaten Investitionen andererseits auftue, könnten viele Staaten für die Finanzierung öffentlicher Investitionen nutzen, ohne einen Anstieg der Zinsen befürchten zu müssen. Monetär souveräne Staaten, die sich nur in ihrer eigenen Währung und am besten bei ihrer eigenen Bevölkerung verschulden sowie flexible Wechselkurse zulassen würden, könnten nicht Bankrott gehen. Dieser Umstand erkläre auch warum Japan völlig problemlos ein Staatsdefizit von über 240% des BIP stemmen könne und im Gegensatz zu Deutschland über eine exzellente Infrastruktur verfüge.

Hohe Aktienmarktbewertungen:

Als Ursache für einen Markteinbruch werde auch gerne das Argument der hohen Bewertung herangezogen. Der Vergleich der Schiller-KGVs (Kurs in Relation zum Durchschnittsertrag der letzten zehn Jahre) zeige jedoch, dass das aktuelle Shiller-KGV in allen Regionen (außer der USA 2007) niedriger sei als vor den letzten Crashs bzw. Rezessionen der Jahre 2000 und 2007. Grundsätzlich löse allein eine hohe Bewertung ohne einen Katalysator wie beispielsweise steigende Zinsen keine Korrektur aus.

Machtkampf USA und China:

Der Handelskrieg mit China habe die Weltkonjunktur 2019 massiv geschwächt. Wir gehen davon aus, dass es zu einem "Waffenstillstand" bis zu den US-Präsidentschaftswahlen Ende nächsten Jahres kommen wird, so die Experten von StarCapital. Dennoch werde die Rivalität USA versus China in den nächsten Jahre viel Unsicherheit bringen. Aber erinnern wir uns: Deutschland stand noch bis vor 30 Jahren an der vordersten Front des Kalten Krieges zwischen den Atommächten USA und Sowjetunion, so die Experten von StarCapital.

Kommt der Crash? - Irgendwann ganz sicher!

Robert Shiller werde für seine Vorhersage des Börseneinbruchs von 2000 bis 2003 gefeiert. Seine Prognose habe jedoch von 1996 gestammt. Der Crash sei vier Jahre später gekommen - der US-Aktienmarkt sei noch über 100% gestiegen.

Abschließend möchte Dr. Manfred Schlumberger das Treiben der "Crash-Gurus" mit einem Zitat des Philosophen Bertrand Russel kommentieren: "Das Elend der Welt liegt hauptsächlich darin begründet, dass die Dummen so selbstsicher und die Klugen so voller Selbstzweifel sind!" (Ausgabe vom 12.12.2019) (13.12.2019/alc/a/a)