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Wenn an den Bondmärkten die Bären erwachen
27.02.18 12:30
Janus Henderson Investors
London (www.anleihencheck.de) - Inzwischen vergeht kein Tag ohne einen weiteren Abgesang auf den seit 35 Jahren währenden Bullenmarkt bei Anleihen, so Jim Cielinski, Global Head of Fixed Income bei Janus Henderson Investors.
Könnte mit dem zuletzt rasanten Renditeanstieg der seit Langem befürchtete Bärenmarkt nun hereinbrechen? In den letzten fünf Monaten hätten die Renditen zehnjähriger Anleihen deutlich angezogen, angeführt von den USA und Europa, wo sie um 67 bzw. 36 Basispunkte (Bp) gestiegen seien.
Kaum ein Begriff wecke bei Anlegern mehr Emotionen als "Bärenmarkt", wobei zu klären wäre, was damit genau gemeint sei. Grundsätzlich sollten sich Anleger aber weniger über die begriffliche Definition als vielmehr darüber Gedanken machen, wie ein Umfeld mit steigenden Renditen aussehen, wie es sich auf die Anlageerträge auswirken und natürlich welche Anlagestrategie in diesem Fall die beste Aussicht auf Erfolg haben könnte.
Bei Lichte betrachtet, seien die möglichen Zinsszenarien jedenfalls nicht so unkalkulierbar wie viele befürchten würden. Ähnlich überraschend dürfte sein, dass eine "flexible Anlage"-Strategie vermutlich die beste Taktik sei - ob man es nun mit einem echten Bärenmarkt zu tun habe oder nicht.
Schon seit etwa 18 Monaten befinden wir uns in einer Art Baisse, denn seit Sommer 2016 steigen die Renditen von Staatsanleihen aus Industrieländern wieder, so die Experten von Janus Henderson Investors. Die Bedeutung dieses Augenblicks sei von den meisten jedoch unbemerkt geblieben, da Staatsanleihen sowohl 2016 wie auch 2017 positive Gesamterträge abgeworfen hätten. Ein klassischer Bärenmarkt sehe anders aus! Noch besser sei die Bilanz für Anleger ausgefallen, die Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen im Depot gehabt hätten. Und wer den volatilen, ungleichmäßigen Zinsanstieg geschickt umgeschifft habe, habe sogar mehr als ansehnliche Erträge einstreichen können.
Die strukturellen Gründe für das Niedrigzinsumfeld der letzten Jahre seien hinlänglich bekannt. Globalisierung, demografischer Wandel, nachlassende Produktivität und ein gigantischer Schuldenberg hätten den Gleichgewichtszinssatz unaufhörlich sinken lassen. Seit Jahrzehnten seien diese Kräfte nun schon am Werk und nichts deute darauf hin, dass sie sich in Luft auflösen könnten. Für ein anhaltend stärkeres Wachstum müssten daher schon deutlich mehr Kredite ausgereicht werden. Aber der vor und nach der Finanzkrise angehäufte Schuldenberg dürfte dem einen Riegel vorschieben.
Einmal mehr werde deutlich, wie wichtig der feine Unterschied zwischen niedrig bleibenden und nicht steigenden Renditen sei. Denn auf lange Sicht würden strukturelle Kräfte, die einen schwachen Preisauftrieb begünstigen würden, die Renditen niedrig halten. Gegenwärtig aber würden zyklische Faktoren, verbunden mit extrem niedrigen Ausgangsbewertungen, die Renditen nach oben treiben. Vermutlich habe man inzwischen jedoch den Punkt erreicht, an dem dieses Tauziehen in eine neue Phase eintrete, in der die Straffung der Geldpolitik unausweichlich und bereits weitgehend eingepreist sei und auch die Inflationserwartungen wieder steigen würden.
Bärenmarkt hin oder her: Mit einem steilen Renditeanstieg ausgehend von heutigen Niveaus sei kaum zu rechnen. Zyklische Kräfte dürften die Zinsen zwar anheizen. Starke strukturelle Faktoren würden ihren Anstieg aber im Zaum halten und verhindern, dass sie auf Vorkrisenniveaus zurückkehren würden. Mittlerweile würden sich die Gleichgewichtsrenditen im zehnjährigen Spektrum der 3-Prozent-Marke nähern. Damit sie diese jedoch übersteigen und Richtung 3,5 Prozent marschieren könnten, müsste sich die Lohninflation oder die Kreditvergabe schon spürbarer beschleunigen als zuletzt. Ein Anstieg gar auf 3,5 bis 4,0 Prozent in der Spätphase dieses Zyklus sei ohne einen weltweit starken Konjunkturaufschwung und einen Kurswechsel in der Fiskalpolitik nicht denkbar. Egal wie man es nenne, aber keines dieser Szenarien sei der Vorbote einer bevorstehenden Katastrophe. Denn ein Bärenmarkt bei Anleihen sei nicht das Gleiche wie ein Bärenmarkt bei Aktien.
An den Anleihemärkten rund um den Globus müssten Anleger zurzeit mit kräftigem Gegenwind in Form steigender Leitzinsen und gedrosselter Wertpapierkäufe der Zentralbanken zurechtkommen. Nach dem Ende der ultralockeren Geldpolitik würden sich viele nun fragen, wer künftig bei Anleihen als Grenzkäufer in die Bresche springe. Aber auch für die Geldpolitik gebe es Grenzen. So könne die Europäische Zentralbank beispielsweise die Zinszügel nicht zu kräftig anziehen, wenn sie nicht riskieren wolle, dass ein hochschnellender Euro den Exportmotor abwürge.
Fehlentscheidungen der Währungshüter könnten zudem die Stabilität an den Aktienmärkten und damit eine der wichtigsten Komponenten eines stabilen Finanzsystems gefährden. Außerdem seien die Zentralbanken bei ihren Entscheidungen von der Datenlage abhängig. Und die in dieser Hinsicht wichtigste Datenkomponente, nämlich die Kerninflation, trete weiter quasi auf der Stelle.
Von steigenden Zinsen seien nicht alle Anleihen gleichermaßen betroffen, sodass viele durchaus positive Gesamtrenditen abwerfen könnten. Unternehmens- und Schwellenländeranleihen könnten sich besser, aber auch schlechter als Staatsanleihen entwickeln. Und andere Anlageinstrumente wie variabel verzinsliche und inflationsgeschützte Anleihen könnten helfen, ein Portfolio gegen einen Inflationsanstieg zu wappnen. Zu guter Letzt könnten Anleihen in einem Umfeld mit höheren Zinsen dank ihrer besseren Performance in Zeiten mit wachsender Risikoscheu dazu beitragen, ein breiter aufgestelltes Portfolio zu diversifizieren.
Die Endphase des aktuellen Zyklus habe begonnen und zwinge viele, ihr Risiko zurückzufahren. Festverzinsliche Anlagen sollten jetzt eine zentrale Rolle spielen. Dass viele althergebrachte Anlageregeln nicht mehr gelten würden, stelle Anleger dabei vor große Herausforderungen. Wachstum bei Vollbeschäftigung heiße nicht mehr zwangsläufig, dass sich der Preisauftrieb beschleunige. Mit einer höheren Verschuldung der Unternehmen würden nicht länger automatisch mehr Zahlungsausfälle und weitere Spreads einhergehen. Und dann wären da noch die Zentralbanken, die mit ihrem Verhalten auch weiterhin die Märkte verzerren würden. Zur Lösung dieser Probleme würden sich benchmark-unabhängige Strategien anbieten, die zum Beispiel auf laufende Erträge, attraktive Renditen mit Verlustschutz oder ein niedriges Zinsrisiko abzielen würden.
Möglicherweise ist es unerheblich, ob wir es lediglich mit einer Korrektur oder mit einem Bärenmarkt zu tun haben - auch wenn es bei den Erträgen natürlich schon einen Unterschied macht, berichten die Experten von Janus Henderson Investors. Aber der richtige Ansatz für Anleger dürfte der gleiche sein. Ein nachhaltiger Inflationsanstieg werde die Weichen für eine Normalisierung der Geldpolitik und ein neues Zinsumfeld stellen. Das rufe nach einer flexiblen Anlagestrategie. Andererseits könnten wir uns dem oberen Ende der Zinsbandbreite nähern mit einer Teuerungsrate, die einmal mehr auf niedrigem Niveau verharrt, so die Experten von Janus Henderson Investors. Auch in diesem Fall seien Anleger mit einem flexiblen Ansatz gut beraten.
Die Bondmärkte seien nicht eben günstig und die Spreads eng. Anleger müssten daher abseits des Mainstreams nach Anlagechancen suchen, sich an die veränderten Bedingungen anpassen und bei Bedarf unter vielen Anlagemöglichkeiten umschichten können. Flexibilität sei heute mehr denn je eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg. (27.02.2018/alc/a/a)
Könnte mit dem zuletzt rasanten Renditeanstieg der seit Langem befürchtete Bärenmarkt nun hereinbrechen? In den letzten fünf Monaten hätten die Renditen zehnjähriger Anleihen deutlich angezogen, angeführt von den USA und Europa, wo sie um 67 bzw. 36 Basispunkte (Bp) gestiegen seien.
Kaum ein Begriff wecke bei Anlegern mehr Emotionen als "Bärenmarkt", wobei zu klären wäre, was damit genau gemeint sei. Grundsätzlich sollten sich Anleger aber weniger über die begriffliche Definition als vielmehr darüber Gedanken machen, wie ein Umfeld mit steigenden Renditen aussehen, wie es sich auf die Anlageerträge auswirken und natürlich welche Anlagestrategie in diesem Fall die beste Aussicht auf Erfolg haben könnte.
Bei Lichte betrachtet, seien die möglichen Zinsszenarien jedenfalls nicht so unkalkulierbar wie viele befürchten würden. Ähnlich überraschend dürfte sein, dass eine "flexible Anlage"-Strategie vermutlich die beste Taktik sei - ob man es nun mit einem echten Bärenmarkt zu tun habe oder nicht.
Schon seit etwa 18 Monaten befinden wir uns in einer Art Baisse, denn seit Sommer 2016 steigen die Renditen von Staatsanleihen aus Industrieländern wieder, so die Experten von Janus Henderson Investors. Die Bedeutung dieses Augenblicks sei von den meisten jedoch unbemerkt geblieben, da Staatsanleihen sowohl 2016 wie auch 2017 positive Gesamterträge abgeworfen hätten. Ein klassischer Bärenmarkt sehe anders aus! Noch besser sei die Bilanz für Anleger ausgefallen, die Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen im Depot gehabt hätten. Und wer den volatilen, ungleichmäßigen Zinsanstieg geschickt umgeschifft habe, habe sogar mehr als ansehnliche Erträge einstreichen können.
Die strukturellen Gründe für das Niedrigzinsumfeld der letzten Jahre seien hinlänglich bekannt. Globalisierung, demografischer Wandel, nachlassende Produktivität und ein gigantischer Schuldenberg hätten den Gleichgewichtszinssatz unaufhörlich sinken lassen. Seit Jahrzehnten seien diese Kräfte nun schon am Werk und nichts deute darauf hin, dass sie sich in Luft auflösen könnten. Für ein anhaltend stärkeres Wachstum müssten daher schon deutlich mehr Kredite ausgereicht werden. Aber der vor und nach der Finanzkrise angehäufte Schuldenberg dürfte dem einen Riegel vorschieben.
Bärenmarkt hin oder her: Mit einem steilen Renditeanstieg ausgehend von heutigen Niveaus sei kaum zu rechnen. Zyklische Kräfte dürften die Zinsen zwar anheizen. Starke strukturelle Faktoren würden ihren Anstieg aber im Zaum halten und verhindern, dass sie auf Vorkrisenniveaus zurückkehren würden. Mittlerweile würden sich die Gleichgewichtsrenditen im zehnjährigen Spektrum der 3-Prozent-Marke nähern. Damit sie diese jedoch übersteigen und Richtung 3,5 Prozent marschieren könnten, müsste sich die Lohninflation oder die Kreditvergabe schon spürbarer beschleunigen als zuletzt. Ein Anstieg gar auf 3,5 bis 4,0 Prozent in der Spätphase dieses Zyklus sei ohne einen weltweit starken Konjunkturaufschwung und einen Kurswechsel in der Fiskalpolitik nicht denkbar. Egal wie man es nenne, aber keines dieser Szenarien sei der Vorbote einer bevorstehenden Katastrophe. Denn ein Bärenmarkt bei Anleihen sei nicht das Gleiche wie ein Bärenmarkt bei Aktien.
An den Anleihemärkten rund um den Globus müssten Anleger zurzeit mit kräftigem Gegenwind in Form steigender Leitzinsen und gedrosselter Wertpapierkäufe der Zentralbanken zurechtkommen. Nach dem Ende der ultralockeren Geldpolitik würden sich viele nun fragen, wer künftig bei Anleihen als Grenzkäufer in die Bresche springe. Aber auch für die Geldpolitik gebe es Grenzen. So könne die Europäische Zentralbank beispielsweise die Zinszügel nicht zu kräftig anziehen, wenn sie nicht riskieren wolle, dass ein hochschnellender Euro den Exportmotor abwürge.
Fehlentscheidungen der Währungshüter könnten zudem die Stabilität an den Aktienmärkten und damit eine der wichtigsten Komponenten eines stabilen Finanzsystems gefährden. Außerdem seien die Zentralbanken bei ihren Entscheidungen von der Datenlage abhängig. Und die in dieser Hinsicht wichtigste Datenkomponente, nämlich die Kerninflation, trete weiter quasi auf der Stelle.
Von steigenden Zinsen seien nicht alle Anleihen gleichermaßen betroffen, sodass viele durchaus positive Gesamtrenditen abwerfen könnten. Unternehmens- und Schwellenländeranleihen könnten sich besser, aber auch schlechter als Staatsanleihen entwickeln. Und andere Anlageinstrumente wie variabel verzinsliche und inflationsgeschützte Anleihen könnten helfen, ein Portfolio gegen einen Inflationsanstieg zu wappnen. Zu guter Letzt könnten Anleihen in einem Umfeld mit höheren Zinsen dank ihrer besseren Performance in Zeiten mit wachsender Risikoscheu dazu beitragen, ein breiter aufgestelltes Portfolio zu diversifizieren.
Die Endphase des aktuellen Zyklus habe begonnen und zwinge viele, ihr Risiko zurückzufahren. Festverzinsliche Anlagen sollten jetzt eine zentrale Rolle spielen. Dass viele althergebrachte Anlageregeln nicht mehr gelten würden, stelle Anleger dabei vor große Herausforderungen. Wachstum bei Vollbeschäftigung heiße nicht mehr zwangsläufig, dass sich der Preisauftrieb beschleunige. Mit einer höheren Verschuldung der Unternehmen würden nicht länger automatisch mehr Zahlungsausfälle und weitere Spreads einhergehen. Und dann wären da noch die Zentralbanken, die mit ihrem Verhalten auch weiterhin die Märkte verzerren würden. Zur Lösung dieser Probleme würden sich benchmark-unabhängige Strategien anbieten, die zum Beispiel auf laufende Erträge, attraktive Renditen mit Verlustschutz oder ein niedriges Zinsrisiko abzielen würden.
Möglicherweise ist es unerheblich, ob wir es lediglich mit einer Korrektur oder mit einem Bärenmarkt zu tun haben - auch wenn es bei den Erträgen natürlich schon einen Unterschied macht, berichten die Experten von Janus Henderson Investors. Aber der richtige Ansatz für Anleger dürfte der gleiche sein. Ein nachhaltiger Inflationsanstieg werde die Weichen für eine Normalisierung der Geldpolitik und ein neues Zinsumfeld stellen. Das rufe nach einer flexiblen Anlagestrategie. Andererseits könnten wir uns dem oberen Ende der Zinsbandbreite nähern mit einer Teuerungsrate, die einmal mehr auf niedrigem Niveau verharrt, so die Experten von Janus Henderson Investors. Auch in diesem Fall seien Anleger mit einem flexiblen Ansatz gut beraten.
Die Bondmärkte seien nicht eben günstig und die Spreads eng. Anleger müssten daher abseits des Mainstreams nach Anlagechancen suchen, sich an die veränderten Bedingungen anpassen und bei Bedarf unter vielen Anlagemöglichkeiten umschichten können. Flexibilität sei heute mehr denn je eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg. (27.02.2018/alc/a/a)


