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Welche Anleihen dem Bond-Crash trotzten


12.04.23 12:48
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Bondmärkte brachen rund um den Globus ein, so die Experten von "FONDS professionell".

Als Risikostreuung seien Rentenpapiere damit weitgehend ausgefallen. Die Analysten von HQ Trust hätten die Entwicklung von Anleihen über die vergangenen Monate untersucht - und einzelne Bereiche mit einem immerhin nur geringen Minus gefunden.

Anleihen würden eigentlich als ausgleichendes Element im Portfolio dienen. Doch die steigenden Zinsen hätten in den vergangenen Monaten zu fallenden Anleihekursen geführt - bei zugleich einbrechenden Notierungen an den Aktienmärkten. Diese seltene Konstellation habe zahlreiche Portfolios empfindlich ins Minus gedrückt. Kapitalmarktanalyst Pascal Kielkopf von HQ Trust habe daher die Performance elf verschiedener Anleihesegmente untersucht und geprüft, welche Konstellationen eine bessere Risikostreuung ermöglicht hätten.

Dazu habe er die Entwicklung der Bondmärkte über die vergangenen eineinhalb Jahre in zwei Teile aufgeteilt. Die erste Phase zeige den Kursrutsch, die bis zum Tiefpunkt des globalen Anleihemarkts am 20. Oktober 2022 gereicht habe. Die zweite Phase spiegele die seitdem eingesetzte Erholung wider. Der Analyst habe dabei Bereiche wie Staatsanleihen verschiedener Laufzeiten untersucht, sowohl weltweit als auch von einzelnen Ländern, Unternehmensanleihen verschiedener Bonitäten und Schwellenländerpapiere in Hart- oder Lokalwährungen. Kielkopfs erster Schluss falle zunächst ernüchternd aus.

Geringeres Risiko mit kürzeren Laufzeiten

"Wer auf das Keep-it-simple-Prinzip gesetzt und nur langlaufende deutsche Staatsanleihen im Portfolio hatte, musste bis Oktober letzten Jahres erhebliche Einbußen hinnehmen und hat seitdem kaum von der Erholung profitiert", so der Kapitalmarktprofi. Doch schon die Streuung über verschiedene Laufzeiten hätte Bundesbondbesitzern ein anderes Ergebnis beschert. "Selbst die 'simple' Hinzunahme von deutschen Kurzläufern hätte das Risiko deutlich reduziert", sage Kielkopf. Diese Anleihen hätten seit Ende 2021 zwar ebenfalls 3,5 Prozent verloren, bei den zehnjährigen Papieren habe das Minus aber satte 17,7 Prozent betragen.

Eingedenk der hohen Teuerungsraten rund um den Globus setzten einige Investoren zudem auf sogenannte Linker, deren Entwicklung an Inflationsraten gebunden sei. "Interessanterweise schnitten inflationsindexierte Anleihen trotz zeitweise zweistelliger Preissteigerungsraten unterdurchschnittlich ab", meine jedoch Kielkopf. "Die Erwartung zukünftig wieder fallender Inflationsraten wirkte sich hier zusätzlich belastend aus."

Das Glück liege in der Ferne

Die geringsten Verluste habe der Analyst in Fernost gefunden. "Am glücklichsten konnten sich in dieser schwierigen Phase Investoren schätzen, die auch japanische Anleihen im Portfolio hatten - da die Zinsen dort fast gar nicht stiegen, verloren diese Bonds am wenigsten", berichte Kielkopf. Ein geringes Minus hätten zudem Schwellenländerpapiere in Lokalwährungen eingefahren. (12.04.2023/alc/a/a)