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Weitere Zinssenkungen bahnen sich an


29.08.24 11:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Inflationsdaten zeigen weiter einen rückläufigen Trend auf, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Für den August rechne der Nowcast der Analysten mit einer Eurozonen-Inflation von 2,3% und Jerome Powell habe in Jackson Hole klar gemacht, dass auch in den USA Zinssenkungen kommen würden. Sei der Trend nachhaltig?

Heute (29.08) und Morgen (30.08) würden die Inflationsdaten für die Euro-4-Länder und die Eurozone erscheinen. Für Deutschland würden die Analysten derzeit mit einem Rückgang der nationalen Inflationsrate auf 2,1% rechnen, für die Eurozone erwarte ihr Modell 2,3%. Grundsätzlich höre sich dies erstmal erfreulich an, immerhin sei die Inflation im Euroraum fast bei dem 2%-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) angekommen. Leider liege dies insbesondere an der volatilen Komponente Energie, die in den vergangenen Monaten weiter gesunken sei und im August stärker zurückgehen dürfte. Die Kernrate, die die Komponenten Energie und Lebensmittel außen vor lasse, dürfte den vierten Monat in Folge bei 2,9% liegen - eine unerfreuliche Nachricht. Am Freitag würden außerdem die PCE-Daten für die USA erscheinen. Das Modell der Analysten rechne hier mit einem Anstieg der Inflation um 0,1% auf Monatsbasis (2,5% YoY, unverändert zum Vormonat). Ihre erste Schätzung für September ergebe, dass die Inflation dann auf 2,1% sinken könnte. Danach würden sie jedoch erwarten, dass die Inflation graduell wieder anziehen werde.

Das Wirtschaftswachstum der USA werde weiterhin vom privaten Konsum gestützt. Im Monat Juli hätten die Einzelhandelsumsätze positiv überraschen können, sodass die Modellschätzung einen Sprung nach oben gemacht habe von 1,8% auf 2,1% (Veränderung vom 14. zum 15. August). Durch die größte Revision am Arbeitsmarkt seit 2009 (818.000 Stellen weniger als bisher geschätzt für das Jahr 2023, 0,5% der gesamten Beschäftigung) würden immer mehr Ökonomen von einem Rückgang der Wachstumsdynamik ausgehen. Das Modell der Analysten schätze derzeit 2,2% annualisiertes Wachstum für das dritte Quartal, was ein etwas schwächeres Wachstum als im Vorquartal bedeuten würde (2,8% annualisiert). Negative Wachstumstreiber seien insbesondere die Lagerbestandsveränderungen und Nettoexporte.

In der Eurozone dürfte das Wachstum gemäß dem Nowcast der Analysten und trotz der enttäuschenden Frühindikatoren bei 0,3% (QoQ) im dritten Quartal bleiben. Der Dienstleistungssektor sei hier der alleinige Wachstumstreiber, die Industrie bleibe hingegen ein erheblicher Belastungsfaktor. Spannend würden die Daten für die Industrieproduktion sein. Auf der Länderebene sehe man die größte Dynamik derzeit in Frankreich, die durch die Olympischen Spiele einen Einmaleffekt beim Wirtschaftswachstum erlebt haben dürften, wie auch bei den Juli- und August-PMIs habe festgestellt werden können.

In China dürfte sich die Wachstumsdynamik im dritten Quartal nicht wirklich beleben. Im ersten Quartal konnte die Wirtschaft um 1,5% gegenüber dem Vorquartal wachsen, im zweiten nur noch um 0,7%, für das dritte Quartal erwartet unser Modell aufgrund schwächerer Einzelhandels- und Industrieproduktionsdaten für den Juli eher schwache 0,8%, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. (29.08.2024/alc/a/a)