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Der Weg für Anleihen wird holpriger
16.01.18 12:45
Berenberg Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Was sich seit Mitte 2016 andeutete, sollte auch 2018 seine Fortsetzung finden: Die Zeiten fallender Renditen in den Kernländern der Eurozone sind vorbei, so Martin Mayer, Senior Portfolio Manager Multi Asset, Christian Bettinger, Leiter Fixed Income, und Robert Reichle, Leiter Emerging Markets Selection bei Berenberg.
Vor dem Hintergrund der ab Januar auf 30 Mrd. EUR monatlich halbierten Anleihekäufe der EZB, einer robusten Konjunkturentwicklung sowie steigender Inflationserwartungen würden die Analysten die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zur Jahresmitte 2018 bei 0,80% und zum Jahresende bei 1,10% sehen. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, würden Anleger im kommenden Jahr mit einer Buy-and-hold-Strategie in zehnjährigen deutschen Staatspapieren Verluste im mittleren einstelligen Prozentbereich erleiden. Aber auch US-Treasuries und britische Gilts seien für Anleger keine lukrativen Alternativen. Die US-FED dürfte ihre Bilanznormalisierung ebenso fortführen wie den Gang auf dem bereits betretenen Zinserhöhungspfad. Vier Anhebungen der FED Funds Rate zu jeweils 25 Basispunkten stünden für das Jahr 2018 auf der Liste der Analysten-Erwartungen. Gestützt werde dieses Szenario durch eine kräftig wachsende Wirtschaft und eine Inflationsrate, die auf deutlich über 2% ansteigen könnte.
In Großbritannien werde die Bank of England - bei Abwesenheit größerer "Brexit"-Verwerfungen - ihren Leitzins um insgesamt 50 Basispunkte erhöhen, um der zuletzt 3,1% betragenden Preisniveausteigerung Einhalt zu gebieten. Keine guten Aussichten also für Investoren im klassischen Sicherheitstrio "Bunds/Treasuries/Gilts" - in allen drei Segmenten sei mit steigenden Renditen und fallenden Kursen zu rechnen. Bessere Chancen würden die Analysten in Staatsanleihen der Euro-Peripherie sehen. Diese böten gegenüber Bundesanleihen im zehnjährigen Laufzeitbereich noch einen ordentlichen Renditeaufschlag. Zudem sollte die Konvergenz innerhalb des Euroraums anhalten, sodass sinkende Spreads zumindest relativ für Mehrwert sorgen würden.
Viele Unternehmen würden mit gesunden Bilanzen glänzen. Dies lasse sich u. a. an positiven Rating-Trends im Investment-Grade- und Hochzinssegment erkennen. Sorgen dagegen würden die vergleichsweise hohen Bewertungen bereiten. Aktuell würden beispielsweise 23,5% des Investment-Grade-Universums eine negative Rendite aufweisen. Die Spreads am europäischen Hochzinsmarkt lägen, über den Zeitraum der letzten fünf Jahre betrachtet, unterhalb des 10%-Perzentils nahe ihren historischen Tiefs. Berücksichtige man ferner, dass die Notenbanken ihren Stimulus reduzieren würden, zeichne sich für das Jahr 2018 ein eher verhaltener Ausblick ab. Zunächst würden die Analysten einen freundlichen Jahresstart mit Zuflüssen in Unternehmensanleihen und zahlreichen Neuemissionen erwarten.
Ab dem Sommer sollten jedoch der abnehmende Zentralbankeinfluss und die hohen Bewertungen zu Bremsspuren führen. Daher würden die Analysten für das Jahr 2018 für europäische Unternehmensanleihen des Investment-Grade-Bereichs mit Erträgen von -1,0 bis 0% rechnen, während sie für Hochzinsanleihen eine Wertentwicklung von 0 bis +1,0% erwarten würden. Vor diesem Hintergrund würden sie nach einer neutralen Positionierung zum Jahresbeginn planen, das Exposure zu Unternehmensanleihen im Jahresverlauf sukzessiv zu reduzieren. Dabei würden sie Finanz- gegenüber klassischen Unternehmensanleihen sowie Emittenten bevorzugen, die nicht im Ankaufprogramm der EZB vertreten seien. Im Hochzinssegment würden sie den breiten Markt meiden und stattdessen einzelne vielversprechende Unternehmen selektieren. Vorsichtig seien sie bei Emittenten aus Bereichen mit spezifischen Herausforderungen wie beispielsweise dem Einzelhandel oder dem Automobilsektor.
Obwohl sich globale Schwellenländeranleihen im Jahr 2017 in einem sehr konstruktiven Marktumfeld bewegt hätten, habe bei genauerem Hinsehen deutlich zwischen Anleihen in harter und lokaler Währung unterschieden werden müssen. Während Hartwährungsanleihen von steigenden Wachstumsraten und Rohstoffpreisen sowie niedrigen Zinsen in den entwickelten Märkten profitiert hätten, sei die hohe Laufrendite in lokaler Währung denominierter Anleihen beinahe vollständig von der schwachen Entwicklung der Emerging-Markets-Währungen gegenüber dem Euro absorbiert worden. Doch auch nach der starken Performance von Hartwährungsanleihen würden gute Gründe für Investments in diesem Segment sprechen. Auch wenn die Zeiten risikoloser Zinsen nahe historischen Tiefstständen vorbei zu sein scheinen, profitiere die Anlageklasse weiterhin von starken Kapitalzuflüssen.
Zusätzlich gehe es fundamental mit den Emerging Markets weiter aufwärts, sodass sich die Konjunktur weiter aufhellen sollte. Der zu erwartende leichte Rückgang der Emissionstätigkeit am Primärmarkt dürfte sich ebenfalls positiv auf die Anleihepreise auswirken. Und schließlich würden Anleihen aus Schwellenländern noch immer einen gewissen Renditevorteil gegenüber den entwickelten Märkten aufweisen. Dieser sei nicht auf das High-Yield-Segment begrenzt, sondern zeige sich auch bei Anleihen aus BBB- und A-gerateten Ländern. Aus Euro-Investorensicht folge aus der zuletzt unterdurchschnittlichen Performance von Lokalwährungsanleihen Aufholpotenzial, kurzfristige Schwächephasen müssten jedoch in diesem Segment immer einkalkuliert werden. (Ausgabe Q1/2018) (16.01.2018/alc/a/a)
Vor dem Hintergrund der ab Januar auf 30 Mrd. EUR monatlich halbierten Anleihekäufe der EZB, einer robusten Konjunkturentwicklung sowie steigender Inflationserwartungen würden die Analysten die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zur Jahresmitte 2018 bei 0,80% und zum Jahresende bei 1,10% sehen. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, würden Anleger im kommenden Jahr mit einer Buy-and-hold-Strategie in zehnjährigen deutschen Staatspapieren Verluste im mittleren einstelligen Prozentbereich erleiden. Aber auch US-Treasuries und britische Gilts seien für Anleger keine lukrativen Alternativen. Die US-FED dürfte ihre Bilanznormalisierung ebenso fortführen wie den Gang auf dem bereits betretenen Zinserhöhungspfad. Vier Anhebungen der FED Funds Rate zu jeweils 25 Basispunkten stünden für das Jahr 2018 auf der Liste der Analysten-Erwartungen. Gestützt werde dieses Szenario durch eine kräftig wachsende Wirtschaft und eine Inflationsrate, die auf deutlich über 2% ansteigen könnte.
In Großbritannien werde die Bank of England - bei Abwesenheit größerer "Brexit"-Verwerfungen - ihren Leitzins um insgesamt 50 Basispunkte erhöhen, um der zuletzt 3,1% betragenden Preisniveausteigerung Einhalt zu gebieten. Keine guten Aussichten also für Investoren im klassischen Sicherheitstrio "Bunds/Treasuries/Gilts" - in allen drei Segmenten sei mit steigenden Renditen und fallenden Kursen zu rechnen. Bessere Chancen würden die Analysten in Staatsanleihen der Euro-Peripherie sehen. Diese böten gegenüber Bundesanleihen im zehnjährigen Laufzeitbereich noch einen ordentlichen Renditeaufschlag. Zudem sollte die Konvergenz innerhalb des Euroraums anhalten, sodass sinkende Spreads zumindest relativ für Mehrwert sorgen würden.
Ab dem Sommer sollten jedoch der abnehmende Zentralbankeinfluss und die hohen Bewertungen zu Bremsspuren führen. Daher würden die Analysten für das Jahr 2018 für europäische Unternehmensanleihen des Investment-Grade-Bereichs mit Erträgen von -1,0 bis 0% rechnen, während sie für Hochzinsanleihen eine Wertentwicklung von 0 bis +1,0% erwarten würden. Vor diesem Hintergrund würden sie nach einer neutralen Positionierung zum Jahresbeginn planen, das Exposure zu Unternehmensanleihen im Jahresverlauf sukzessiv zu reduzieren. Dabei würden sie Finanz- gegenüber klassischen Unternehmensanleihen sowie Emittenten bevorzugen, die nicht im Ankaufprogramm der EZB vertreten seien. Im Hochzinssegment würden sie den breiten Markt meiden und stattdessen einzelne vielversprechende Unternehmen selektieren. Vorsichtig seien sie bei Emittenten aus Bereichen mit spezifischen Herausforderungen wie beispielsweise dem Einzelhandel oder dem Automobilsektor.
Obwohl sich globale Schwellenländeranleihen im Jahr 2017 in einem sehr konstruktiven Marktumfeld bewegt hätten, habe bei genauerem Hinsehen deutlich zwischen Anleihen in harter und lokaler Währung unterschieden werden müssen. Während Hartwährungsanleihen von steigenden Wachstumsraten und Rohstoffpreisen sowie niedrigen Zinsen in den entwickelten Märkten profitiert hätten, sei die hohe Laufrendite in lokaler Währung denominierter Anleihen beinahe vollständig von der schwachen Entwicklung der Emerging-Markets-Währungen gegenüber dem Euro absorbiert worden. Doch auch nach der starken Performance von Hartwährungsanleihen würden gute Gründe für Investments in diesem Segment sprechen. Auch wenn die Zeiten risikoloser Zinsen nahe historischen Tiefstständen vorbei zu sein scheinen, profitiere die Anlageklasse weiterhin von starken Kapitalzuflüssen.
Zusätzlich gehe es fundamental mit den Emerging Markets weiter aufwärts, sodass sich die Konjunktur weiter aufhellen sollte. Der zu erwartende leichte Rückgang der Emissionstätigkeit am Primärmarkt dürfte sich ebenfalls positiv auf die Anleihepreise auswirken. Und schließlich würden Anleihen aus Schwellenländern noch immer einen gewissen Renditevorteil gegenüber den entwickelten Märkten aufweisen. Dieser sei nicht auf das High-Yield-Segment begrenzt, sondern zeige sich auch bei Anleihen aus BBB- und A-gerateten Ländern. Aus Euro-Investorensicht folge aus der zuletzt unterdurchschnittlichen Performance von Lokalwährungsanleihen Aufholpotenzial, kurzfristige Schwächephasen müssten jedoch in diesem Segment immer einkalkuliert werden. (Ausgabe Q1/2018) (16.01.2018/alc/a/a)


