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Was bedeuten die GroKo-Verhandlungen für die Finanzmärkte?


22.01.18 14:30
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Nur 56,4% der SPD-Delegierten stimmten gestern für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen, so Dr. Wolfgang Bauer, Fondsmanager Anleihen bei M&G Investments.

Dieses enttäuschend schwache Ergebnis zeige, wie tief gespalten die SPD in dieser Frage sei. Falls aber das schlechteste Szenario eintreten würde - wenn die Koalitionsverhandlungen scheitern oder die SPD-Mitglieder die Verhandlungsergebnisse ablehnen - dann würden wir Neuland betreten, so die Experten von M&G Investments. Es wäre nicht klar, was passieren würde: Würde Bundeskanzlerin Merkel versuchen, eine Minderheitsregierung zu führen? Käme es zu Neuwahlen, mit ihr oder ohne sie an der Spitze der CDU? Diese politische Unsicherheit in Europas größter Volkswirtschaft könnte die Märkte erschüttern. Die Experten würden eine Zunahme der Volatilität und zumindest vorübergehend einen gewissen Druck auf die europäischen Risikoaktiva erwarten.

Wenn am Ende eine neue große Koalition gebildet werde, werde diese aller Voraussicht nach bei den Anhängern aller beteiligten Parteien nicht besonders beliebt sein. So gebe es einen starken Anreiz für die neue Regierung, die Wahlbasis mit teuren Geschenken in Form von höheren Sozialausgaben oder Steuersenkungen zu beschwichtigen. So sei diskutiert worden, den Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer teilweise auslaufen zu lassen. Eine Lockerung der Haushaltsdisziplin könnte dazu führen, dass das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts ("Schwarze Null") aufgegeben werde. Das könnte das Angebot an deutschen Staatsanleihen erhöhen, während die EZB gleichzeitig ihr Ankaufsvolumen und damit die Nachfrage nach Staatsanleihen reduzieren würde. Diese ungünstige Nachfrage- und Angebotsdynamik würde die Bewertung deutscher Staatsanleihen unter Druck setzen. (22.01.2018/alc/a/a)