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Warum dringen Zinssenkungen nicht zum langen Ende durch?
10.10.25 09:00
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Haushaltsdefizite, die alternde Bevölkerung und höhere Laufzeitaufschläge halten die Langfristrenditen auf hohem Niveau, auch wenn die Leitzinsen gesenkt werden, so Raffaele Prencipe, Fixed Income Portfolio Manager bei DPAM.
Das Angebot an Anleihen steige, während die Nachfrage von Zentralbanken und institutionellen Anlegern am langen Ende nachgelassen habe. Raffaele Prencipe ergründe dieses Phänomen:
Nicht nachhaltige Fiskalpolitik sei ein globales Phänomen. Aufgrund der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung seien große Teile der Staatsausgaben, z. B. für Renten und Gesundheitsdienstleistungen, nicht diskretionär und dürften weiter steigen. Länder wie Großbritannien oder Brasilien hätten zudem großzügige Indexierungen, die diese Ausgaben automatisch erhöhten.
Während der Corona-Pandemie hätten sich die Haushaltsdefizite verschlechtert und seien nach wie vor schwer einzudämmen. In Frankreich z. B. würden die meisten politischen Parteien eine Haushaltskonsolidierung ablehnen. Zudem sollten die europäischen Nationen ihre Verteidigungsausgaben auf über 5% des BIP erhöhen.
Lösungen seien schmerzhaft. In Rumänien seien Löhne und Renten im öffentlichen Dienst eingefroren worden, Energiesubventionen abgeschafft und die Mehrwertsteuer sowie Verbrauchsteuern erhöht worden, was die Inflation auf 10% getrieben habe. Griechenland habe es dagegen geschafft, seine Schulden in den letzten vier Jahren um 60% des BIP zu senken.
Da die Staaten ihre Defizite mit Anleihen finanzieren würden, steige das Bruttoangebot an Anleihen. Das Nettoangebot steige noch stärker, da die Zentralbanken im Rahmen ihrer quantitativen Straffung fällige Anleihen nicht reinvestieren würden.
Die Renditen von Staatsanleihen lägen dort, wo die Nachfrage groß genug sei, um das Angebot zu decken. Die Nachfrage hänge ab von den Ersparnissen im Land, den Anforderungen der Banken, den Zentralbankbeständen und den Käufen durch Ausländer. Ein Teil der Nachfrage sei unelastisch, z. B. die Liquiditätsanforderungen der Banken. Die Menge der frei handelbaren deutschen Staatsanleihen dürfte im Mai 2022 nicht ausgereicht haben, um diese unelastische Nachfrage zu befriedigen. Entsprechend niedrig hätten die Renditen für zehnjährige Anleihen in den vergangenen Jahren gelegen. Als das Angebot zugenommen habe, seien die Renditen für Staatsanleihen über die Swap-Zinssätze gestiegen. Während dann am kurzen Ende die Leitzinsen gesenkt worden seien, habe ein Nachfragerückgang durch Pensionsfonds und Lebensversicherer die Renditen für 30-jährige Anleihen in mehreren Ländern auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten getrieben.
Hinzu komme, dass weltweit Rentensysteme von leistungs- zu beitragsorientiert umgestellt würden. Damit werde weniger auf langfristige Staatsanleihen gesetzt und stärker auf andere Anlageklassen wie Unternehmensanleihen und Aktien.
In Japan hätten viele Anleger ihre Investments angesichts des jahrelangen Niedrigzinsumfelds in ausländische Vermögenswerte verlagert. So sei auch die Nachfrage der Lebensversicherer nach langfristigen Anleihen zurückgegangen. Zudem hätten die Versicherer alte Anleihen mit niedrigen Kupons abgestoßen, um obligatorische Wertminderungen zu vermeiden. In den USA hätten Versuche, die Unabhängigkeit der Notenbank zu untergraben, das Risiko erhöht, dass die Fed ihre Geldpolitik nicht mehr straffen könne, sollte die Inflation zurückkehren.
Hohe Renditen würden die Haushaltskonsolidierung erschweren. Die OECD-Länder gäben mehr für Zinsen aus als für Verteidigung. Regierungen von Großbritannien über Indien bis Japan würden versuchen, das Angebot an langfristigen Anleihen zu reduzieren. Ausgeglichen werde das durch ein höheres Angebot an ein- bis zehnjährigen Anleihen, wie man u. a. in den USA, Kolumbien, Panama und Indonesien beobachten könne.
Um zu vermeiden, dass die Renditen für zehnjährige Anleihen durch die Renditen 30-jähriger Anleihen nach oben getrieben würden, sollten Großbritannien und Japan ihr Angebot an langfristigen Anleihen vorübergehend auf null oder zumindest ein Minimum reduzieren. Die Zinsen könnten immer noch fallen, wenn sich der US-Arbeitsmarkt verschlechtere. Angesichts der schlechteren Haushaltslage könnten jedoch die Renditen anders als sonst weniger stark fallen. Da die Renditen in diesem Fall höher als in der jüngsten Vergangenheit blieben, hätten Anleger ihre Allokation in Unternehmensanleihen erhöht. Deren Spreads befänden sich auf einem Rekordtief, d. h. viele Unternehmen könnten sich derzeit günstiger finanzieren als ihre jeweiligen Regierungen. (10.10.2025/alc/a/a)
Das Angebot an Anleihen steige, während die Nachfrage von Zentralbanken und institutionellen Anlegern am langen Ende nachgelassen habe. Raffaele Prencipe ergründe dieses Phänomen:
Nicht nachhaltige Fiskalpolitik sei ein globales Phänomen. Aufgrund der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung seien große Teile der Staatsausgaben, z. B. für Renten und Gesundheitsdienstleistungen, nicht diskretionär und dürften weiter steigen. Länder wie Großbritannien oder Brasilien hätten zudem großzügige Indexierungen, die diese Ausgaben automatisch erhöhten.
Während der Corona-Pandemie hätten sich die Haushaltsdefizite verschlechtert und seien nach wie vor schwer einzudämmen. In Frankreich z. B. würden die meisten politischen Parteien eine Haushaltskonsolidierung ablehnen. Zudem sollten die europäischen Nationen ihre Verteidigungsausgaben auf über 5% des BIP erhöhen.
Lösungen seien schmerzhaft. In Rumänien seien Löhne und Renten im öffentlichen Dienst eingefroren worden, Energiesubventionen abgeschafft und die Mehrwertsteuer sowie Verbrauchsteuern erhöht worden, was die Inflation auf 10% getrieben habe. Griechenland habe es dagegen geschafft, seine Schulden in den letzten vier Jahren um 60% des BIP zu senken.
Die Renditen von Staatsanleihen lägen dort, wo die Nachfrage groß genug sei, um das Angebot zu decken. Die Nachfrage hänge ab von den Ersparnissen im Land, den Anforderungen der Banken, den Zentralbankbeständen und den Käufen durch Ausländer. Ein Teil der Nachfrage sei unelastisch, z. B. die Liquiditätsanforderungen der Banken. Die Menge der frei handelbaren deutschen Staatsanleihen dürfte im Mai 2022 nicht ausgereicht haben, um diese unelastische Nachfrage zu befriedigen. Entsprechend niedrig hätten die Renditen für zehnjährige Anleihen in den vergangenen Jahren gelegen. Als das Angebot zugenommen habe, seien die Renditen für Staatsanleihen über die Swap-Zinssätze gestiegen. Während dann am kurzen Ende die Leitzinsen gesenkt worden seien, habe ein Nachfragerückgang durch Pensionsfonds und Lebensversicherer die Renditen für 30-jährige Anleihen in mehreren Ländern auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten getrieben.
Hinzu komme, dass weltweit Rentensysteme von leistungs- zu beitragsorientiert umgestellt würden. Damit werde weniger auf langfristige Staatsanleihen gesetzt und stärker auf andere Anlageklassen wie Unternehmensanleihen und Aktien.
In Japan hätten viele Anleger ihre Investments angesichts des jahrelangen Niedrigzinsumfelds in ausländische Vermögenswerte verlagert. So sei auch die Nachfrage der Lebensversicherer nach langfristigen Anleihen zurückgegangen. Zudem hätten die Versicherer alte Anleihen mit niedrigen Kupons abgestoßen, um obligatorische Wertminderungen zu vermeiden. In den USA hätten Versuche, die Unabhängigkeit der Notenbank zu untergraben, das Risiko erhöht, dass die Fed ihre Geldpolitik nicht mehr straffen könne, sollte die Inflation zurückkehren.
Hohe Renditen würden die Haushaltskonsolidierung erschweren. Die OECD-Länder gäben mehr für Zinsen aus als für Verteidigung. Regierungen von Großbritannien über Indien bis Japan würden versuchen, das Angebot an langfristigen Anleihen zu reduzieren. Ausgeglichen werde das durch ein höheres Angebot an ein- bis zehnjährigen Anleihen, wie man u. a. in den USA, Kolumbien, Panama und Indonesien beobachten könne.
Um zu vermeiden, dass die Renditen für zehnjährige Anleihen durch die Renditen 30-jähriger Anleihen nach oben getrieben würden, sollten Großbritannien und Japan ihr Angebot an langfristigen Anleihen vorübergehend auf null oder zumindest ein Minimum reduzieren. Die Zinsen könnten immer noch fallen, wenn sich der US-Arbeitsmarkt verschlechtere. Angesichts der schlechteren Haushaltslage könnten jedoch die Renditen anders als sonst weniger stark fallen. Da die Renditen in diesem Fall höher als in der jüngsten Vergangenheit blieben, hätten Anleger ihre Allokation in Unternehmensanleihen erhöht. Deren Spreads befänden sich auf einem Rekordtief, d. h. viele Unternehmen könnten sich derzeit günstiger finanzieren als ihre jeweiligen Regierungen. (10.10.2025/alc/a/a)


