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Warum die SNB ihre Zinsen nochmals senken könnte
21.03.17 10:45
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Klingt die CHF-Nachfrage nicht ab, wird die Schweizer Nationalbank (SNB) zwischen kontinuierlichen Deviseninterventionen und Zinssenkungen abwägen müssen, so Ursina Kubli, Ökonomin der Bank J. Safra Sarasin AG.
Ausländische Banken dürften bei einer weiteren Zinssenkung die Kosten an ihre Kunden weitergeben, da diese Bankengruppe bereits 50% der Kosten der negativen Zinsen trage. Die Kunden könnten dann ihre CHF-Bestände in andere Währungen verschieben. Dies sollte zu einer Abschwächung des CHF führen.
Eigentlich habe der Anstieg des EUR/CHF-Kurses auf zwischenzeitlich nahezu 1,08 auf eine nachlassende CHF-Nachfrage hoffen lassen. Tatsächlich hätten die jüngsten wirtschaftspolitischen Ereignisse der SNB in die Hände gespielt. Die EZB habe in ihrer März-Sitzung die langsame Normalisierung ihrer Geldpolitik angedeutet, die holländischen Wahlen seien ohne politischen Schock verlaufen, während die FED vergangene Woche die Zinsen um weitere 25 Basispunkte angehoben habe. Damit sollten sich die zwei Hauptfaktoren für die hohe CHF-Nachfrage - die politischen Risiken und die geringen Zinsunterschiede - zumindest vorübergehend abschwächen. Doch die SNB-Sichtguthaben seien auch in der vergangenen Woche um CHF 1,8 Mrd. angestiegen und würden auf weiterhin umfangreiche Deviseninterventionen der Nationalbank hindeuten.
Die hohe CHF-Nachfrage dürfte nicht so rasch abklingen. Die Devisenmärkte würden die Risiken der französischen Wahlen, mögliche Instabilitäten in Italien sowie die Fragen um Brexit und die Unsicherheiten bezüglich der US-Handelspolitik nicht ignorieren. Zudem würden die Zinsunterschiede zwischen der Eurozone und der Schweiz zu gering bleiben, um die Nachfrage nach dem CHF zu bremsen. Wolle die SNB in Zukunft keine deutliche Währungsaufwertung zulassen, werde sie zwischen kontinuierlichen Deviseninterventionen und weiteren Zinssenkungen abwägen müssen.
Eine weitere Zinssenkung der SNB könnte den CHF über zwei Kanäle beeinflussen. Erstens könnten Schweizer Anleger vermehrt im Ausland investieren oder ausländische Anleger ihre CHF-Positionen reduzieren. Es dürfte schwierig sein, das Anlageverhalten der Schweizer Investoren zu ändern. Einerseits hätten diese seit der Finanzkrise eine starke Präferenz für inländische Anlagen (so genannter Home Bias). Andererseits seien die Zinsaufschläge ausländischer Anlagen zu gering, um Schweizer Anleger für das damit einhergehende Währungsrisiko zu entschädigen.
Das Anlageverhalten der ausländischen Anleger könnte sich hingegen einfacher verändern lassen. Der Hauptgrund sei, dass die negativen Zinsen der SNB bei den ausländischen Banken hohe Kosten verursachen würden. Da die ausländischen Banken kaum inländische Kredite vergeben würden, seien ihre Mindestreserven bei der SNB - und damit die Ausnahmen von negativen Zinsen - sehr gering. Tatsächlich würden die ausländischen Banken rund die Hälfte der gesamten Kosten der negativen Zinsen von rund CHF 1 Mrd. pro Jahr tragen.
Würden ausländische Banken die negativen Zinsen an ihre Kunden weitergeben, könnten diese ihre CHF-Bestände reduzieren. Damit hätte eine weitere Zinssenkung der SNB den gewünschten Währungseffekt zur Folge. Höhere Ausnahmen für die negativen Kosten könnten hingegen die zusätzlichen Kosten für die inländischen Banken lindern. (21.03.2017/alc/a/a)
Ausländische Banken dürften bei einer weiteren Zinssenkung die Kosten an ihre Kunden weitergeben, da diese Bankengruppe bereits 50% der Kosten der negativen Zinsen trage. Die Kunden könnten dann ihre CHF-Bestände in andere Währungen verschieben. Dies sollte zu einer Abschwächung des CHF führen.
Eigentlich habe der Anstieg des EUR/CHF-Kurses auf zwischenzeitlich nahezu 1,08 auf eine nachlassende CHF-Nachfrage hoffen lassen. Tatsächlich hätten die jüngsten wirtschaftspolitischen Ereignisse der SNB in die Hände gespielt. Die EZB habe in ihrer März-Sitzung die langsame Normalisierung ihrer Geldpolitik angedeutet, die holländischen Wahlen seien ohne politischen Schock verlaufen, während die FED vergangene Woche die Zinsen um weitere 25 Basispunkte angehoben habe. Damit sollten sich die zwei Hauptfaktoren für die hohe CHF-Nachfrage - die politischen Risiken und die geringen Zinsunterschiede - zumindest vorübergehend abschwächen. Doch die SNB-Sichtguthaben seien auch in der vergangenen Woche um CHF 1,8 Mrd. angestiegen und würden auf weiterhin umfangreiche Deviseninterventionen der Nationalbank hindeuten.
Eine weitere Zinssenkung der SNB könnte den CHF über zwei Kanäle beeinflussen. Erstens könnten Schweizer Anleger vermehrt im Ausland investieren oder ausländische Anleger ihre CHF-Positionen reduzieren. Es dürfte schwierig sein, das Anlageverhalten der Schweizer Investoren zu ändern. Einerseits hätten diese seit der Finanzkrise eine starke Präferenz für inländische Anlagen (so genannter Home Bias). Andererseits seien die Zinsaufschläge ausländischer Anlagen zu gering, um Schweizer Anleger für das damit einhergehende Währungsrisiko zu entschädigen.
Das Anlageverhalten der ausländischen Anleger könnte sich hingegen einfacher verändern lassen. Der Hauptgrund sei, dass die negativen Zinsen der SNB bei den ausländischen Banken hohe Kosten verursachen würden. Da die ausländischen Banken kaum inländische Kredite vergeben würden, seien ihre Mindestreserven bei der SNB - und damit die Ausnahmen von negativen Zinsen - sehr gering. Tatsächlich würden die ausländischen Banken rund die Hälfte der gesamten Kosten der negativen Zinsen von rund CHF 1 Mrd. pro Jahr tragen.
Würden ausländische Banken die negativen Zinsen an ihre Kunden weitergeben, könnten diese ihre CHF-Bestände reduzieren. Damit hätte eine weitere Zinssenkung der SNB den gewünschten Währungseffekt zur Folge. Höhere Ausnahmen für die negativen Kosten könnten hingegen die zusätzlichen Kosten für die inländischen Banken lindern. (21.03.2017/alc/a/a)


