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Warum Liquidität bei Anleihen das Kriterium der Wahl ist
03.09.24 11:25
LAIQON AG
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Abnehmender Inflationsdruck, erste Zinssenkungen und ein überraschend robustes Wirtschaftswachstum: Die vergangenen Monate haben positive Impulse für die Anleihemärkte geliefert, die auch für den weiteren Verlauf des Jahres hoffen lassen, so Dr. Tobias Spies, Senior Fund Manager der LAIQON Gruppe.
Inwiefern sich für Anleger insbesondere im Versicherungssektor gute Einstiegsmöglichkeiten ergeben könnten und warum Anleger in der aktuellen Marktphase vor allem auf liquidere Titel setzen sollten, erläutere Dr. Tobias Spies.
Die Hoffnungen vieler Anleger hätten sich in den vergangenen Monaten erfüllt: Die Inflationsraten seien so weit zurückgegangen, dass die ersten Zentralbanken - darunter die EZB, sowie die Nationalbanken der Schweiz, Kanada und Schweden - mit ersten Zinssenkungen die Schrauben bei der Geldpolitik zumindest etwas hätten lockern können.
Die US-Notenbank FED dürfte im Herbst nachziehen, auch weil die Wirtschaft auf der anderen Seite des Atlantiks zuletzt etwas enttäuscht habe. Dies dürfte den Währungshütern einen größeren Spielraum für Zinssenkungen einräumen. Auch wenn sich die Märkte eine höhere Dynamik gewünscht hätten und zuletzt der Inflationsanstieg kurzfristig für Furore an den Zinsmärkten gesorgt habe: Der größte Druck beim Thema Inflation dürfte erstmal raus sein.
Ähnlich positive Signale gebe es von der Wirtschaft: Die USA seien weiterhin robust. China blicke zumindest auf gute Monate zurück, auch wenn das Wachstum weniger wuchtig ausgefallen sei, als es der Markt erwartet habe - und auch Europa habe in den vergangenen Monaten den Dreh zu einer positiven Entwicklung geschafft. Mit Blick auf Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindices dürfte diese Entwicklung in den kommenden Monaten weitergehen. So deute der Eurozone Composite Purchase Manager Index den Start einer expandierenden Phase an, getrieben insbesondere vom Produzierenden Gewerbe.
Diese positive Entwicklung spiegele sich mittlerweile auch in der Zinslandschaft wider. Die Zinsstrukturkurve sei im Vergleich zum Jahresanfang aktuell deutlich weniger invers und schaffe für Investoren wieder ein attraktiveres Umfeld. Ein ähnliches Bild würden auch die leicht rückläufigen Risikospreads zeigen. Immerhin hätten sich Befürchtungen, dass die Zinswende massive Spuren in der Konjunktur hinterlassen würde, nicht bewahrheitet. Nachdem das Tal der Tränen im Dezember durchschritten gewesen sei, habe etwa der GfK-Konsumklima-Index in Europa schnell wieder ins Positive gedreht.
Oberflächlich betrachtet hätten die positiven Entwicklungen sicherlich Impulse für eine stabile Wertentwicklung an den Anleihemärkten geliefert. Eine genauere Analyse zeige jedoch, dass der Markt mit erheblichen Unsicherheiten zu kämpfen gehabt habe. So seien insbesondere im Hochzinsbereich mit kurzen Restlaufzeiten viele Unternehmen von Insolvenzen und Restrukturierungen betroffen gewesen. Trotz insgesamt geringer Volatilität habe es bei einzelnen Titeln erhebliche Schwankungen gegeben - Altice Finco, Ardagh Packaging und Atos seien nur drei Beispiele für Emittenten, bei denen deutliche Wertverluste zu verzeichnen gewesen seien.
Auch in den kommenden Monaten werde es bei der Allokation auf eine genaue Analyse ankommen. Wenn Problemfälle frühzeitig erkannt würden, würden sich auch im Hochzinsbereich durchaus positive Ergebnisse erzielen lassen. Ein wichtiger Indikator dafür sei die Cash-Generierung. Wenn ein Unternehmen etwa trotz schlechter Ergebnisse und abnehmender Preissetzungsmacht Dividenden ausschütte, werde dies mittelfristig die Cash-Generierung belasten. Ein aktuelles Beispiel sei das Mode-Label Isabel Marant. Das Unternehmen habe trotz anhaltendem Rückgang bei Marge und operativem Cash-Flow seine Dividendenzahlungen fortgesetzt. Nun habe Isabel Marant deutlich Schwierigkeiten beim Working Capital, was die bis Ende 2022 noch sehr positive Cash-Generierung mittlerweile ins Negative gedreht habe.
Dass diese Entwicklung nicht nur mit den hohen Zinskosten zu tun habe, zeige etwa das Beispiel MotelOne. Die Hotelkette habe durch Standardisierung und Zentralisierung ein erfolgreiches Geschäftsmodell mit starken Margen geschaffen. Damit könne das Unternehmen seinen Expansionskurs aus eigenen Mitteln finanzieren. Weitere Beispiele seien etwa der Spa- und Fitnessstudio-Betreiber David Lloyd oder der Kaffeemaschinenhersteller Evoca, die sich durch eine gute Preissetzungsmacht auszeichnen würden und damit auch im aktuellen Zinsumfeld positive Ergebnisse erzielen könnten.
Gute Einstiegsmöglichkeiten würden sich aktuell auch bei Nachranganleihen im Versicherungssektor ergeben. Während die Titel in diesem Bereich in der ersten Jahreshälfte noch deutlich zu teuer gewesen seien, lägen die Preise nun auf einem moderaten Niveau. Eine gute Chance, um sich solide Qualität ins Portfolio zu holen.
Unabhängig vom Sektor bleibe für Investoren die Liquidität bei der Chance-Risiko-Abwägung einzelner Assets ein immenser Faktor. Zwar sei in den kommenden Monaten nicht mit erheblichem Gegenwind zu rechnen, politische Unsicherheiten etwa im Nahen Osten oder auch die Wahlen in den USA könnten jedoch die Volatilität im Herbst nochmal anheizen. Anleger sollten sich hier flexibel aufstellen, um Chancen über das komplette Marktsegment nutzen zu können. Übrigens spreche auch dies für ein stärkeres Engagement bei nachrangigen Versicherungsanleihen - mit ihrer überdurchschnittlichen Liquidität, könnten sich hier deutlich vielversprechendere Spreads realisieren als bei illiquideren Hochzinsanleihen. (03.09.2024/alc/a/a)
Inwiefern sich für Anleger insbesondere im Versicherungssektor gute Einstiegsmöglichkeiten ergeben könnten und warum Anleger in der aktuellen Marktphase vor allem auf liquidere Titel setzen sollten, erläutere Dr. Tobias Spies.
Die Hoffnungen vieler Anleger hätten sich in den vergangenen Monaten erfüllt: Die Inflationsraten seien so weit zurückgegangen, dass die ersten Zentralbanken - darunter die EZB, sowie die Nationalbanken der Schweiz, Kanada und Schweden - mit ersten Zinssenkungen die Schrauben bei der Geldpolitik zumindest etwas hätten lockern können.
Die US-Notenbank FED dürfte im Herbst nachziehen, auch weil die Wirtschaft auf der anderen Seite des Atlantiks zuletzt etwas enttäuscht habe. Dies dürfte den Währungshütern einen größeren Spielraum für Zinssenkungen einräumen. Auch wenn sich die Märkte eine höhere Dynamik gewünscht hätten und zuletzt der Inflationsanstieg kurzfristig für Furore an den Zinsmärkten gesorgt habe: Der größte Druck beim Thema Inflation dürfte erstmal raus sein.
Ähnlich positive Signale gebe es von der Wirtschaft: Die USA seien weiterhin robust. China blicke zumindest auf gute Monate zurück, auch wenn das Wachstum weniger wuchtig ausgefallen sei, als es der Markt erwartet habe - und auch Europa habe in den vergangenen Monaten den Dreh zu einer positiven Entwicklung geschafft. Mit Blick auf Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindices dürfte diese Entwicklung in den kommenden Monaten weitergehen. So deute der Eurozone Composite Purchase Manager Index den Start einer expandierenden Phase an, getrieben insbesondere vom Produzierenden Gewerbe.
Oberflächlich betrachtet hätten die positiven Entwicklungen sicherlich Impulse für eine stabile Wertentwicklung an den Anleihemärkten geliefert. Eine genauere Analyse zeige jedoch, dass der Markt mit erheblichen Unsicherheiten zu kämpfen gehabt habe. So seien insbesondere im Hochzinsbereich mit kurzen Restlaufzeiten viele Unternehmen von Insolvenzen und Restrukturierungen betroffen gewesen. Trotz insgesamt geringer Volatilität habe es bei einzelnen Titeln erhebliche Schwankungen gegeben - Altice Finco, Ardagh Packaging und Atos seien nur drei Beispiele für Emittenten, bei denen deutliche Wertverluste zu verzeichnen gewesen seien.
Auch in den kommenden Monaten werde es bei der Allokation auf eine genaue Analyse ankommen. Wenn Problemfälle frühzeitig erkannt würden, würden sich auch im Hochzinsbereich durchaus positive Ergebnisse erzielen lassen. Ein wichtiger Indikator dafür sei die Cash-Generierung. Wenn ein Unternehmen etwa trotz schlechter Ergebnisse und abnehmender Preissetzungsmacht Dividenden ausschütte, werde dies mittelfristig die Cash-Generierung belasten. Ein aktuelles Beispiel sei das Mode-Label Isabel Marant. Das Unternehmen habe trotz anhaltendem Rückgang bei Marge und operativem Cash-Flow seine Dividendenzahlungen fortgesetzt. Nun habe Isabel Marant deutlich Schwierigkeiten beim Working Capital, was die bis Ende 2022 noch sehr positive Cash-Generierung mittlerweile ins Negative gedreht habe.
Dass diese Entwicklung nicht nur mit den hohen Zinskosten zu tun habe, zeige etwa das Beispiel MotelOne. Die Hotelkette habe durch Standardisierung und Zentralisierung ein erfolgreiches Geschäftsmodell mit starken Margen geschaffen. Damit könne das Unternehmen seinen Expansionskurs aus eigenen Mitteln finanzieren. Weitere Beispiele seien etwa der Spa- und Fitnessstudio-Betreiber David Lloyd oder der Kaffeemaschinenhersteller Evoca, die sich durch eine gute Preissetzungsmacht auszeichnen würden und damit auch im aktuellen Zinsumfeld positive Ergebnisse erzielen könnten.
Gute Einstiegsmöglichkeiten würden sich aktuell auch bei Nachranganleihen im Versicherungssektor ergeben. Während die Titel in diesem Bereich in der ersten Jahreshälfte noch deutlich zu teuer gewesen seien, lägen die Preise nun auf einem moderaten Niveau. Eine gute Chance, um sich solide Qualität ins Portfolio zu holen.
Unabhängig vom Sektor bleibe für Investoren die Liquidität bei der Chance-Risiko-Abwägung einzelner Assets ein immenser Faktor. Zwar sei in den kommenden Monaten nicht mit erheblichem Gegenwind zu rechnen, politische Unsicherheiten etwa im Nahen Osten oder auch die Wahlen in den USA könnten jedoch die Volatilität im Herbst nochmal anheizen. Anleger sollten sich hier flexibel aufstellen, um Chancen über das komplette Marktsegment nutzen zu können. Übrigens spreche auch dies für ein stärkeres Engagement bei nachrangigen Versicherungsanleihen - mit ihrer überdurchschnittlichen Liquidität, könnten sich hier deutlich vielversprechendere Spreads realisieren als bei illiquideren Hochzinsanleihen. (03.09.2024/alc/a/a)


