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Warum die Fed 2026 keine Zinsen senken dürfte


12.12.25 12:44
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die US-Renditen blieben nach der Fed-Zinssenkung diese Woche innerhalb ihrer jüngsten Handelsspanne, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Der Mittelwert der Zinsspanne von 3,625% sei allgemein erwartet worden, und die Prognosen des FOMC sowie Powells anschließende Kommentare enthielten kaum Überraschungen.

Zukünftig werde der Kurs der US-Geldpolitik stark von der Datenlage abhängen, da sich der Leitzins aktuell nahezu auf neutralem Wert befinde. In diesem Zusammenhang verwiesen die Befürworter einer lockeren Geldpolitik auf die wachsenden Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt im kommenden Jahr. Die Befürworter einer restriktiven Geldpolitik blickten hingegen auf die Inflationsrate, die bereits seit fünf Jahren über der Zielmarke liege.

Mark Dowding gehe weiterhin davon aus, dass sowohl Wirtschaftswachstum als auch Inflation deutlich über den aktuellen Prognosen der Fed liegen würden, insbesondere im ersten Halbjahr 2026. Die Wachstumsdaten für das aktuelle Quartal seien zwar aufgrund des Shutdowns verzerrt, aber Dowding sehe dennoch eine robuste Nachfragedynamik.

Die Daten der Woche deuteten auf ein solides Angebot auf dem Arbeitsmarkt sowie auf bessere Stimmung bei kleinen Unternehmen hin und schienen damit diese These zu stützen. Anfang 2026 solle Rückenwind durch Steuererleichterungen, Deregulierung und die verzögerten Auswirkungen früherer Zinssenkungen hinzukommen. Investitionen in KI-bezogene Geschäftsbereiche nähmen ebenfalls weiter zu.

Auf dieser Grundlage rechne Dowding für das erste Halbjahr 2026 mit einem durchschnittlichen Wachstum des US-BIP von 3,5%, was mehr als ein Prozentpunkt über den aktuellen Prognosen der Fed für das Gesamtjahr liege. Die Inflation auf Basis des Verbraucherpreisindexes sehe Dowding bei 3,5% und die vom FOMC bevorzugte Kerninflationsrate bei etwa 0,5% über der jüngsten Prognose des Ausschusses. Falls keine überraschenden neuen Daten hinzukämen, gebe es aus seiner Sicht daher keine Grundlage für weitere Zinssenkungen in den USA.

Allgemein werde allerdings erwartet, dass ein neuer Fed-Vorsitzender sein Amt mit einer klaren Tendenz zur Lockerung antreten werde. Da die Märkte eine Zinssenkung in den USA in den nächsten sechs Monaten und eine weitere Lockerung in der zweiten Jahreshälfte einpreisten, könnte es schwierig werden, diesen Erwartungen allzu stark zu widersprechen.

Auf der anderen Seite des Atlantiks stünden die europäischen Renditen weiterhin unter einem gewissen Aufwärtsdruck. Die bevorstehenden Änderungen der niederländischen Rentengesetzgebung ließen Anleger von Anleihen mit langer Laufzeit Abstand nehmen. Angesichts des hohen Januar-Angebots an den europäischen Staatsanleihemärkten habe die Kaufzurückhaltung die Renditen in die Höhe getrieben.

Die ziemlich falkenhaften Äußerungen von EZB-Direktorin Isabel Schnabel trügen letzte Woche ebenfalls zur negativen Stimmung bei Euro-Anleihen bei. Angesichts der sinkenden Gaspreise in Europa gehe Dowding jedoch eher davon aus, dass die Inflation in der Eurozone in den nächsten Monaten unter das Zielniveau fallen werde, anstatt zu steigen.

Da die Fed-Sitzung nun hinter uns liege, würden sich nächste Woche alle Augen auf die Meetings der Notenbanken in Großbritannien und Japan richten. "Sehr wahrscheinlich werden wir im ersten Fall eine Zinssenkung um 25 Basispunkte sowie im zweiten eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte sehen", so Dowding.

Für Japan erwarte Dowding zwei weitere Anhebungen 2026 und eine weitere Anfang 2027. Damit würden die Leitzinsen bis zum Beginn des japanischen Geschäftsjahres 2027 auf 1,5% und damit das untere Ende der neutralen Bandbreite der Bank of Japan angehoben.

Den Yen finde Dowding nach wie vor attraktiv. Allerdings könnte die Befürchtung, Premierministerin Sanae Takaichi könnte auf eine noch lockerere Geldpolitik drängen, wenn der Yen nicht unter Abwärtsdruck stehe, durchaus Carry Trades begünstigen. Dann könnte der Yen seine Verluste nicht wieder wettmachen – selbst bei einer relativ robusten wirtschaftlichen Grundlage.

Bei Unternehmensanleihen seien die Spreads auf Indexebene relativ stabil geblieben, und Dowding gehe davon aus, dass diese Bedingungen bis in die erste Hälfte des Jahres 2026 hinein anhalten könnten. Schaue man sich das High-Yield-Segment genauer an, sei eine zunehmende Streuung zwischen den Bonitätsstufen zu erkennen: Euro-Anleihen mit einem stabilen B-Rating erzielten plus 4,7%, während Emittenten mit CCC-Rating bei minus 3,4% lägen.

Dieser Trend sei zwar nur am sehr schwachen Ende des Marktes zu beobachten, doch er verdeutliche das wachsende Auseinanderdriften. Durch negative Schlagzeilen in Verruf geratene Schuldner würden von den Anlegern schnell abgestraft.

Vor diesem Hintergrund werde die gezielte Titelauswahl 2026 wohl noch wichtiger. Dieser Trend werde durch den steigenden Stress an den Private Markets noch bestätigt. Mittlerweile würden 20% des Private-Debt-Volumens im Payment-in-Kind-Format gehalten, da diese Emittenten zunehmend nicht mehr in der Lage seien, ihre Kuponzahlungen zu leisten.

Am Währungsmarkt habe der Euro gegenüber dem Dollar weiter leicht zugelegt, da sich der Spread zwischen den Renditen in Euro und US-Dollar weiter eingeengt habe. Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen seien 2025 um 50 Basispunkte gestiegen, womit sich der Spread zwischen US Treasuries und Bundesanleihen im Laufe des vergangenen Jahres um 100 Basispunkte verringert habe.

Das erkläre die relative Stärke des Euro 2025. Allerdings sei die Wirtschaftsleistung der Eurozone weiterhin enttäuschend. Das herausragende Wachstum in den USA werde dagegen wohl auch 2026 weiter gehen.

Dowding bezweifle, dass US-Staatsanleihen Bundesanleihen in den nächsten Monaten weiter outperformen werden. Die Entwicklung der Bundesanleihen sei 2025 zum Teil auf die expansive deutsche Fiskalpolitik zurückzuführen. In der Eurozone insgesamt dürfte der fiskalische Impuls im kommenden Jahr dagegen zu vernachlässigen sein.

Für die Eurozone gehe Dowding eher von einer sinkenden Inflation aus. Auf der anderen Seite des Atlantiks dürfte sie dagegen in den nächsten sechs Monaten leicht ansteigen. "Daher tendieren wir in der ersten Jahreshälfte 2026 eher zu einem stärkeren Dollar", so Dowding. Angesichts der anderen Einflussfaktoren auf den Devisenmarkt als Anlageklasse vertrete Dowding diese Meinung derzeit allerdings nicht mit großer Überzeugung.

Ausblick auf 2026

"In der Rückschau auf 2025 ist es bemerkenswert, dass wir uns alle etwas weniger den Kopf über Donald Trump zerbrechen als noch vor einem Jahr", so Dowding. Für die kommenden Monate seien Dowding keine großen politischen Veränderungen oder Initiativen bewusst. Trotzdem sei nicht ausgeschlossen, dass der US-Präsident die Finanzmärkte sowohl verunsichern als auch beunruhigen könne. Dowding habe jedenfalls den Eindruck, dass uns sein Getöse bis zu einem gewissen Grad abgestumpft habe. Das zeige sich auch im Anlegerverhalten: Die KI sei wohl das wichtigste Thema im nächsten Jahr – nicht die politische Entwicklung in Washington DC.

In den nächsten Monaten könnte die optimistische Stimmung auf den Finanzmärkten weltweit anhalten, da die Investitionen in KI weiter zunähmen. In der zweiten Jahreshälfte 2026 könnten sich aber Risiken für die Bewertungen ergeben, falls die Investitionen zurückgingen.

Auch in Zukunft dürfte es nicht an einschneidenden makroökonomischen Ereignissen mangeln. Schon oft hätten gerade unerwartete Ereignisse und unterschätzte Faktoren letztlich die größten Auswirkungen auf die Märkte gehabt. Vor diesem Hintergrund würde Dowding bezweifeln, dass die Volatilität im kommenden Jahr gering bleiben werde – was wiederum aktiven Investoren neue Chancen eröffnen könne.

"Bevor wir uns in die Weihnachtspause verabschieden, ist es wie in den vergangenen Jahren an der Zeit, einige Prognosen für das kommende Jahr zu wagen!", so Dowding.

Zitate von Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management:

"1. Weihnachten 2026 werden wir über Zinserhöhungen in den USA diskutieren, nicht über Zinssenkungen.

2. Die politische Führungsriege in Europa wird an ihren Positionen festhalen, aber nur, weil es kurzfristig keine besseren Alternativen gibt.

3. Trump wird sich mit dem neuen Fed-Vorsitzenden überwerfen.

4. Die japanische Wirtschaft wird sich besser entwickeln als die Eurozone und zahlreiche Diskussionen und Analysen darüber auslösen.

5. 2026 werden die Renditen europäischer Staatsanleihen die von US-Staatsanleihen übertreffen.

6. Wir werden weiterhin über die Sonderstellung der US-Wirtschaft nachdenken, und der Dollar wird im Gesamtjahr eine Outperformance erzielen.

7. In einem Jahr "der Kakerlaken" an den Private Markets werden die Spannungen weiter zunehmen.

8. Aktien werden sich im ersten Halbjahr deutlich besser entwickeln als im zweiten Halbjahr. Aktive Aktienmanager werden nach einer schwierigen Phase die Benchmarks wieder schlagen.

9. England wird in der Gruppenphase aus der Fußball-Weltmeisterschaft ausscheiden (ich hoffe natürlich, dass diese Prognose falsch ist!)

Nur so zum Spaß – das waren die Prognosen vor 12 Monaten:

1. 2025 wird die US-Wirtschaft wieder außergewöhnlich stark wachsen – aber müssen wir 2026 "endlich" mit einer Rezession rechnen? WEITGEHEND RICHTIG

2. Die Fed und die BoE halten an ihrer Geldpolitik im ersten Halbjahr unverändert fest. Die BoJ erhöht die Zinsen und die EZB nimmt weitere Zinssenkungen vor. WEITGEHEND RICHTIG

3. Überall werden die Zinskurven steiler, mit einer Ausnahme: In Japan flachte sie am langen Ende zwischen zehn- und dreißig-jährigen Anleihen ab. WEITGEHEND RICHTIG – aber falsch in Bezug auf Japan

4. Der US-Dollar wird Anfang 2025 aufwerten. Der Yen wird über das gesamte Jahr hinweg die stärkste G10-Währung sein. FALSCH!!

5. Ein Jahr fürs Coupon Clipping bei Unternehmensanleihen. Die Spread-Einengungen lassen nach und die Credit-Compression beginnt sich umzukehren WEITGEHEND RICHTIG

6. Ein Jahr mit zunehmenden Problemen auf den Private Markets, da anhaltend hohe Zinsen sich als ungünstig für Geschäftsmodelle erweisen, die auf Hebelwirkung und günstige Kredite angewiesen sind RICHTIG

7. Der Rassemblement National wird die französischen Parlamentswahlen gewinnen. Die AfD bleibt im deutschen Bundestag weitgehend außen vor FALSCH – obwohl der Rassemblement National gewonnen hätte, wenn Wahlen stattgefunden hätten!

8. Trudeau wird Ende März aus dem Amt scheiden, Musk wird nicht länger als bis Juni bei DOGE bleiben, und Starmer könnte im nächsten Oktober weg vom Fenster sein. FAST RICHTIG – Starmer war der Überflieger!

9. Chelsea wird zwei Pokale gewinnen, aber den Meistertitel in diesem Jahr verpassen... RICHTIG – Ein großes Lob an die Champions der Welt!!" (12.12.2025/alc/a/a)