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Warnung: FED wird Chinas Wirtschaft umwerfen


21.11.13 16:47
Rohstoff-Report

München (www.anleihencheck.de) - Der chinesische Volkswirt Andy Xie zeigt sich in einem Kommentar besorgt über die wirtschaftliche Lage Chinas, so die Experten von "BörseGo" in ihrem "Gold- & Rohstoff-Report".

Xie sehe eine Spekulationsblase bei Vermögenswerten in China, die nur noch durch das Schattenbankensystem überleben könne, welches sich maßgeblich durch billige Kredite aus dem USD-Raum speise. Auch der jüngste markante Anstieg der Immobilienpreise in großen chinesischen Städten sei auf diesem Wege erzeugt worden, schreibe Xie.

"Wenn das Vertrauen in die Spekulationsblase schwindet oder die Liquidität auszutrocknen beginnt, werden spekulative Positionen abgewickelt und dann wird es eine harte Landung geben", warne Xie.

Das billige Geld der US-Notenbank habe schon vor dem Jahr 1997 zur Finanzierung von Hypotheken in Südostasien gedient. Das habe eine Spekulationsblase am Immobilienmarkt in den südostasiatischen Ländern erzeugt. Als die Zinsen dann in den USA wieder gestiegen seien, sei alles zusammengebrochen. "China wird durch die gleichen Kräfte beeinflusst, nur ist das Ausmaß noch viel größer", mahne Xie. "Die massive geldpolitische Lockerung des FED hat die Geldmenge Chinas nach oben getrieben, teilweise ausgelöst durch den US-Dollar als Finanzierungswährung. Wenn das FED QE drosselt, wird die chinesische Blase platzen."

Es sei zwar möglich, die negativen Auswirkungen aus der platzenden Spekulationsblase durch Wirtschaftsreformen abzumildern, jedoch sei hierfür eine Beschneidung der Macht der lokalen Regierungen notwendig. Sie seien die treibende Kraft für alle wirtschaftlichen Probleme, die es in China heute gebe. Sie würden - um sich selbst besser zu stellen - so viel investieren und ausgeben, wie möglich. Eine Beschneidung ihrer Macht erscheine Xie aber "sehr fern."

"Eine Spekulationsblase platzt entweder dadurch, dass das Vertrauen auf einmal weg ist oder dadurch, dass die Liquidität austrocknet", schreibe Xie. Das Zerbersten der Spekulationsblase bei Internetaktien im Jahr 2000 sei dadurch ausgelöst worden, dass die Menschen das Vertrauen verloren hätten. Die Spekulationsblase im Internetsektor im Jahr 2007 sei durch die Zinsanhebungen ausgelöst worden, mit denen die US-Notenbank im Jahr 2005 begonnen habe.

Die Spekulationsblase in China, die sich immer weiter aufblähe, werde durch das Schattenbankensystem genährt. Mehr als die Hälfte des Kreditwachstums in China sei darauf zurückzuführen. Das Schattenbankensystem ernähre sich durch Export- oder FDI-Kredite aus dem US-Dollar. Die Kredite in diesem Bereich seien sehr kurzfristig, sodass das Vertrauen noch da sein müsse, wenn die Kredite das nächste Mal neu verhandelt würden.

Dieses Vertrauen werde nur dann noch da sein, wenn die Menschen daran glauben, dass die Land- und Immobilienpreise in den nächsten Jahren immer noch weiter steigen würden. "Dieses Vertrauen befindet sich auf dünnem Eis, weil das aktuell nur in großen Städten funktioniert, kleine und mittelgroße Städte haben alle Probleme. Psychologische Veränderungen jeglicher Art können Refinanzierungsprobleme auslösen", warne Xie.

Wenn die US-Notenbank wie angekündigt damit beginnen werde, ihre Sachkäufe zu drosseln, dann werde es laut Xie in China ernste Liquiditätsengpässe geben. Janet Yellen, die nächste Vorsitzende der US-Notenbank, mache kein Geheimnis aus ihrer Abneigung gegenüber Spekulationsblasen, habe aber gleichzeitig bekräftigt, so lange weiterzumachen, bis die Arbeitslosenquote unter das Ziel des FED falle oder die Inflation die Obergrenze des FED übersteige. Es sei wahrscheinlich, dass eines der Ziele - oder beide - im Jahr 2014 erreicht würden. "Das könnte das Ende der Spekulationsblase in China bedeuten, die schon eine Dekade anhält", schreibe Xie.

Dabei habe sich der Immobilienmarkt im Jahr 2012 etwas abgekühlt. Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2012 sei zurückgegangen, was eine gesunde Entwicklung gewesen sei, da der Verkauf von neuen Häusern schon einen Anteil von 15% an der gesamten Wirtschaftsleistung Chinas erreicht habe.

Als die chinesische Regierung allerdings im Jahr 2013 damit begonnen habe davon zu sprechen, die "Wachstumsstabilisierung" wieder an erste Stelle zu stellen, hätten die Spekulationen abermals begonnen. "Es schien wie ein Wunder: Bloße Worte konnten die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde wiederbeleben. Dabei handelte es sich jedoch nur um eine Bestätigung der Spekulanten, denn die Regierung werde jegliche Rückgänge abfangen", schreibe Xie.

Die chinesische Volkswirtschaft sei dermaßen abhängig von der Spelulation geworden, dass die Stabilisierung des Wachstums gleichbedeutend geworden sei zur Ermunterung von Spekulanten, die dies gleich so auffassen würden, dass neues Geld gedruckt werden werde. Das Gelddrucken sei zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden, da der US-Dollar als bedeutende Finanzierungswährung diene. "Chinas Wachtumsbeschwichtigungen und die Worte der FED zur Senkung der Arbeitslosenquote haben sich gegenseitig befeuert und eine gigantische Spekulationsblase erzeugt, die größer ist als jene im Jahr 2007", warne Xie.

Wenn die Spekulationsblase platzen werde, würden die Auswirkungen für China und die Vereinigten Staaten ganz unterschiedlich sein, wisse Xie. Die Spekulationsblase in den USA sei vor allem am Aktienmarkt und in hochklassigen Immobilien. Die Kreditblase wüchse jedoch nicht so schnell wie in China. Damit würden nur Schäden für Spekulanten entstehen. Chinas Sepkulationsblase basiere jedoch auf Schulden. "Die destruktive Kraft daraus ist viel größer", so Xie.

In China könnten weitaus mehr Menschen aus dem Mittelstand betroffen sein. Ein Beispiel hierzu nenne Xie: Die Preise für kleine Eigentumswohnungen und ältere Gebäude seien auf Jahresfrist um 20% gestiegen, während die Preise für große und teure Wohnungen sich kaum bewegt hätten. Die Preise kleiner Wohnungen seien relativ gering und somit würden auch viele Familien und Haushalte mit geringerem Einkommen damit spekulieren, da der Quadratmeterpreis dieser kleinen Wohnungen allerdings fast an jenem der großen Wohnungen in den Stadtzentren liege, mache dies in den Augen Xies wenig Unterschied.

"Das funktioniert wie ein Aktiensplit, er lockt auch neue Investoren mit geringem Einkommen in Aktien, die eine geringe Qualität haben", so Xie. Die Spekulationsblase am chinesischen Immobilienmarkt entwickle sich wie die Spekulationsblase am Aktienmarkt im Jahr 2007 - die Verluste würden an alle verteilt, während Insider mit den Gewinnen davon spazieren würden.

Das Fundament der chinesischen Wirtschaft sei laut Xie eine Spekulationsblase und jede echte Wirtschaftsreform würde zu ernsten realwirtschaftlichen Problemen führen. Wenn jedoch keine Reformen unternommen würden werde damit nur der unausweichliche Zeitpunkt dieser Probleme in die Zukunft verschoben. (21.11.2013/alc/a/a)