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Wann beginnt US-Notenbank mit Normalisierung ihrer Geldpolitik?


11.07.14 14:26
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die volkswirtschaftlichen Daten aus Amerika zeigen ein freundliches Bild: Insbesondere die Arbeitsmarktdaten glänzten mit einem starken Zuwachs an neuen Stellen von 288.000 und einem Rückgang der Arbeitslosenrate auf mittlerweile 6,1 Prozent, so die Analysten der Weberbank.

Dies sei der tiefste Stand seit Oktober 2008. Auch die Befragungen der US-Einkaufsmanager sowie die Konsumentenstimmung würden bestätigen, dass sich die US-Wirtschaft auf einem stabilen Wachstumspfad befinde. Darüber hinaus würden sich die Zeichen mehren, dass die ins Stocken geratene Erholung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt wieder Fahrt aufnehmen könnte. Insgesamt würden die volkswirtschaftlichen Daten auf eine solide Wirtschaftsentwicklung der USA deuten.

Die zentrale Frage in den nächsten Monaten werde sein, ob die US-Notenbank nicht schon früher mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik beginne. Die Analysten der Weberbank erwarten die erste Zinserhöhung im 2. Quartal 2015. Sollte sich allerdings der Arbeitsmarkt doch stärker stabilisieren als gedacht, könne eine frühere Zinsanhebung nicht ausgeschlossen werden.

Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) sei unspektakulär ausgefallen. Erwartungsgemäß seien keine Änderungen am Leitzins vorgenommen worden. Vielmehr warte die EZB erst einmal ab, ob die im Juni beschlossenen Maßnahmen Früchte tragen würden. Sollte sich allerdings der Inflationsausblick weiter eintrüben, werde die EZB weitere Maßnahmen wie z.B. ein Anleihenankaufprogramm ergreifen. Die Analysten der Weberbank sehen derzeit noch keinen akuten Handlungsbedarf seitens der EZB. Die Inflationserwartungen würden sich stabil zeigen und die Erholung in Europa verlaufe moderat.

Die Konjunkturdaten aus Europa seien zuletzt etwas schlechter ausgefallen. So hätten sich die Einkaufsmanagerindices leicht eingetrübt und in Deutschland, Italien und Frankreich habe die Industrieproduktion unter den Markterwartungen gelegen. Die Daten würden zeigen, dass die Erholung in Europa nicht gradlinig verlaufe. Die Analysten seien aber zuversichtlich, dass im zweiten Halbjahr dieses Jahres die Wirtschaft wieder an Schwung gewinnen werde.

Die Stimmung an den Aktienmärkten habe sich in den letzten Tagen eingetrübt. Insbesondere die Furcht vor einer Eskalation im Gazastreifen sowie enttäuschende europäische Konjunkturzahlen hätten zu Aktienverkäufen geführt. Neben den geopolitischen Schauplätzen stehe in den nächsten Wochen die US-Berichtssaison für das zweite Quartal 2014 im Zentrum der Aufmerksamkeit: Die Erwartungen der Analysten würden von einem Anstieg der Unternehmensgewinne gegenüber dem Vorjahr von 5,0 Prozent ausgehen. Allerdings hätten es die Unternehmen wieder einmal geschafft, die Erwartungshaltung der Analysten ein wenig abzuschwächen, wenngleich dies nicht ganz so stark wie noch im Quartal zuvor gelungen sei.

Vielversprechend hätten schon einmal die Zahlen des Aluminiumherstellers Alcoa ausgesehen, welcher traditionell die US-Berichtssaison am Dienstag eröffnet habe. Das Unternehmen habe sowohl bei den Gewinnen als auch bei den Umsätzen die Analystenschätzungen schlagen können. Die Analysten der Weberbank gehen davon aus, dass die US-Unternehmen in dieser Berichtssaison die Erwartungen der Marktteilnehmer übertreffen werden.

Die Berichtssaison in Europa beginne erst nächste Woche. Die Gewinnerwartungen seien auch hier aufgrund abschwächender Konjunkturdaten sowie einer enttäuschenden Berichtssaison zum ersten Quartal nach unten revidiert worden. Die gesenkte Messlatte, das Anziehen der globalen Wirtschaft sowie ein schwächerer Euro sollten nach Meinung der Analysten der Weberbank für eine positive Berichtssaison sorgen.

Insgesamt seien die Analysten für die europäischen Aktienmärkte mittelfristig zuversichtlich gestimmt. Angesichts des extremen Niedrigzinsumfeldes, welches in Europa auch noch länger andauern sollte, seien Aktien im Vergleich zu anderen Assetklassen attraktiv bewertet. Des Weiteren spreche die expansive Politik der Notenbanken - insbesondere die der EZB - für die Aktienmärkte. Risiken und damit Korrekturen an den Aktienmärkten könnten von einer frühzeitigen Zinsanhebung der US-Notenbank sowie einer Verschärfung der geopolitischen Lage im Gazastreifen bzw. im Irak ausgehen.

Der Euro bewege sich gegenüber dem USD um die Marke von 1,36 USD. Die Analysten der Weberbank sind für den USD positiv gestimmt. Die sich verbessernden Konjunkturdaten der amerikanischen Wirtschaft würden mittelfristig zu anziehenden Zinsen führen. Der Wachstums- und Zinsvorteil der USA sollte den USD stärken. Im Gegensatz dazu dürften die Zinsen in Euroland gemäß Aussagen von EZB-Präsident Draghi noch für längere Zeit auf tiefem Niveau verharren. Das nicht nur, weil sich die Euroland-Wirtschaft nur schleppend erhole, sondern vor allem auch, weil weiterhin die Furcht vor Deflation vorherrsche. (11.07.2014/alc/a/a)