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Ein Wahlsieg Trumps könnte die geldpolitische Lockerung in der Eurozone beschleunigen


25.10.24 11:51
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank könnte das Tempo ihrer Zinssenkungen beschleunigen, wenn Donald Trump ins Weiße Haus einzieht, meint Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

In Japan sehe Dowding drohende politische Unsicherheit.

Das Rennen um die US-Wahl habe sich zugunsten des republikanischen Kandidaten Donald Trump entwickelt. Dadurch seien die US-Renditen weiter gestiegen und die Renditekurve sei steiler geworden. An den Devisenmärkten habe der US-Dollar an Boden gewonnen.

Die jüngsten Marktbewegungen seien aber nicht ausschließlich auf die US-Politik zurückzuführen. Auch die wirtschaftlichen Entwicklungen prägten das Geschehen. Man sehe weiterhin Anzeichen dafür, dass das US-Wachstum im globalen Kontext eine Ausnahme darstelle. Die robusten US-Konjunkturdaten hätten die Erwartung starker Zinssenkungen durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gedämpft.

Man neige zu der Ansicht, dass das vordere Ende der US-Kurve nun nahezu fair bewertet sei. Allerdings gehe man weiterhin von höheren Renditen bei längerfristigen Anleihen aus. In der Meinung der Experten müsse die Renditekurve steiler werden, da die Anleger eine höhere Laufzeitprämie für das Halten von längerfristigen Schuldtiteln verlangten. Das Angebot sei groß, und die Fiskalpolitik werde ungeachtet des Wahlausgangs locker bleiben.

Während die US-Wirtschaft auf dem Vormarsch sei, trübten sich die Aussichten für die Eurozone immer stärker ein. Ein Wahlsieg Trumps berge zudem das Risiko von Zöllen auf EU-Exporte, was die wirtschaftlichen Probleme weiter verschärfen würde. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte daher ihre jüngste geldpolitische Lockerung vorsorglich beschleunigen, sollte sich der Republikaner durchsetzen.

Es könnte auch spekuliert werden, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Falle eines Trump-Sieges in der Hoffnung handele, dass eine aggressivere geldpolitische Lockerung den Euro schwäche und den US-Dollar stärke. Denn das würde Trumps Handlungsspielraum einschränken. Vor diesem Hintergrund würden die Marktteilnehmer jetzt eine 40-prozentige Chance sehen, dass Lagarde im Dezember die Zinsen um 50 Basispunkte senke. Die geldpolitische Lockerung könnte der einzige Bereich bleiben, in dem Europa in den kommenden Monaten tatsächlich die USA überholen könnte.

In Japan fänden an diesem Wochenende Parlamentswahlen statt. Umfragen deuteten auf ein schwaches Ergebnis für den neuen Premierminister Shigeru Ishiba hin. Es scheine möglich, dass die bestehende LDP-Koalition ihre Mehrheit verliere, was eine Zeit politischer Ungewissheit bedeuten würde. Ishiba hätte ein sehr schwaches Mandat und würde möglicherweise nicht lange an der Macht bleiben.

Die Finanzmärkte würden durch die politische Ungewissheit in Japan ein wenig verunsichert sein mögen. Aus Sicht der Analysten werde sie aber kaum Auswirkungen auf die Wirtschaft oder die Bank of Japan (BoJ) haben. Erste Anzeichen deuteten darauf hin, dass die nächste Shunto-Lohnrunde im Frühjahr vor dem Hintergrund hoher Profitabilität der Unternehmen und Arbeitskräftemangel erneut ein Plus von mehr als 5 Prozent bringen könnte. Einige Unternehmen wollten ihren Mitarbeitern 2025 sogar eine Lohnerhöhung von bis zu 7 Prozent gewähren.

Vor diesem Hintergrund würden die Experten die BoJ weiterhin auf Kurs für eine Zinserhöhung im Dezember oder Januar sehen. Ersteres könnte in der Tat wahrscheinlicher werden, da der Yen in den letzten Tagen etwas unter Druck geraten sei.

Grundsätzlich könnten Devisen aus Sicht der Analysten je nach Ausgang der US-Wahl relativ gesehen eine höhere Volatilität aufweisen als festverzinsliche Wertpapiere. Da einer der größten politischen Unterschiede zwischen der demokratischen Kandidatin Kamala Harris und Trump die Handels- und Zollpolitik betreffe, könnte es je nach Wahlausgang leicht zu einer Differenz von 5 bis 10 Prozent bei den wichtigsten US-Dollar-Crosses kommen. Im Falle eines Sieges von Trump sei eine Bewegung in Richtung Parität gegenüber dem Euro möglich. (25.10.2024/alc/a/a)