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Wachstumsquellen weitgehend versiegt: EZB muss handeln
06.12.24 10:45
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Wenn Europas Wachstum nicht in Gang kommt, wird die EZB weiter lockern müssen, so Lowie Debou, Fixed Income Fund Manager bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM).
Lowie Debou analysiere mögliche Wachstumsquellen:
Konsum:
Immerhin kämen Europas Verbraucher bereits in den Genuss steigender Realeinkommen - könnte dies Rücklagen in den Konsum fließen lassen? Unwahrscheinlich. Vor allem unter Deutschlands Verbrauchern sei die Stimmung jedoch sehr trüb, seit in der Ukraine Krieg herrsche und die Energiekosten die finanziellen Spielräume einschränkten. In den vergangenen Jahren hätten steigende Einkommen zu höheren Ersparnissen und nicht zu mehr Konsum geführt.
Staatsverbrauch:
Bestenfalls neutral dürfte sich der staatliche Verbrauch entwickeln. Auch im nächsten Jahr würden Haushaltsdefizite in Europa bestehen bleiben. Sie würden jedoch geringer ausfallen als im Vorjahr und somit höchstens einen neutralen Wachstumsbeitrag leisten.
Investitionen:
Hier müsse man mit einer Stagnation schon zufrieden sein. Viele Länder in Europa müssten anfangen, ihre strukturellen Probleme anzugehen, wie übermäßige Bürokratie und Überregulierung. Für Unternehmen seien die durchschnittlichen Finanzierungsraten viel höher als die möglichen Renditen - das mache es wirtschaftlich irrational, umfangreich zu investieren. Da die Aussichten auf zukünftiges Wachstum schlecht und die Zinsen noch zu hoch seien, sei mit einer Belebung der Investitionsausgaben nicht zu rechnen.
Außenhandel:
Vom Außenhandel werde einer der schwächsten Impulse für mögliches Wachstum kommen. Eine Erholung in China würde sich kaum auf das europäische BIP auswirken. Auf der anderen Seite würden US-Zölle Exporteure aus Osteuropa sowie das ohnehin schwache Wachstum insbesondere von Deutschland weiter dämpfen. Immerhin bestehe die Hoffnung, dass Trump auf Europas Exporte Zölle nur begrenzt einführen werde.
Insgesamt sei das Konjunkturumfeld schwach - nur in Rezessionen fielen die Parameter noch schlechter aus. Der EZB laufe für weitere Zinssenkungen langsam die Zeit weg - sie werde handeln müssen.
Ausrichtung im europäischen Anleihenportfolio:
In den vergangenen Monaten habe man die Engagements in risikoreicheren Ländern zugunsten von Kernländern wie Österreich und Finnland verringert. Die deutliche Untergewichtung in Frankreich basiere auf der Einschätzung, dass die Duration in anderen Ländern wie der Slowakei, Spanien, Österreich besser genutzt werden könne.
Man möchte in Osteuropa positioniert sein, um von Spread-Einengungen zu profitieren, sei aber bei der Auswahl der Emittenten selektiver. In diesem Jahr habe man wieder in der Slowakei investiert und halte ein geringes, aber positives Engagement in Rumänien. (06.12.2024/alc/a/a)
Lowie Debou analysiere mögliche Wachstumsquellen:
Konsum:
Immerhin kämen Europas Verbraucher bereits in den Genuss steigender Realeinkommen - könnte dies Rücklagen in den Konsum fließen lassen? Unwahrscheinlich. Vor allem unter Deutschlands Verbrauchern sei die Stimmung jedoch sehr trüb, seit in der Ukraine Krieg herrsche und die Energiekosten die finanziellen Spielräume einschränkten. In den vergangenen Jahren hätten steigende Einkommen zu höheren Ersparnissen und nicht zu mehr Konsum geführt.
Staatsverbrauch:
Bestenfalls neutral dürfte sich der staatliche Verbrauch entwickeln. Auch im nächsten Jahr würden Haushaltsdefizite in Europa bestehen bleiben. Sie würden jedoch geringer ausfallen als im Vorjahr und somit höchstens einen neutralen Wachstumsbeitrag leisten.
Hier müsse man mit einer Stagnation schon zufrieden sein. Viele Länder in Europa müssten anfangen, ihre strukturellen Probleme anzugehen, wie übermäßige Bürokratie und Überregulierung. Für Unternehmen seien die durchschnittlichen Finanzierungsraten viel höher als die möglichen Renditen - das mache es wirtschaftlich irrational, umfangreich zu investieren. Da die Aussichten auf zukünftiges Wachstum schlecht und die Zinsen noch zu hoch seien, sei mit einer Belebung der Investitionsausgaben nicht zu rechnen.
Außenhandel:
Vom Außenhandel werde einer der schwächsten Impulse für mögliches Wachstum kommen. Eine Erholung in China würde sich kaum auf das europäische BIP auswirken. Auf der anderen Seite würden US-Zölle Exporteure aus Osteuropa sowie das ohnehin schwache Wachstum insbesondere von Deutschland weiter dämpfen. Immerhin bestehe die Hoffnung, dass Trump auf Europas Exporte Zölle nur begrenzt einführen werde.
Insgesamt sei das Konjunkturumfeld schwach - nur in Rezessionen fielen die Parameter noch schlechter aus. Der EZB laufe für weitere Zinssenkungen langsam die Zeit weg - sie werde handeln müssen.
Ausrichtung im europäischen Anleihenportfolio:
In den vergangenen Monaten habe man die Engagements in risikoreicheren Ländern zugunsten von Kernländern wie Österreich und Finnland verringert. Die deutliche Untergewichtung in Frankreich basiere auf der Einschätzung, dass die Duration in anderen Ländern wie der Slowakei, Spanien, Österreich besser genutzt werden könne.
Man möchte in Osteuropa positioniert sein, um von Spread-Einengungen zu profitieren, sei aber bei der Auswahl der Emittenten selektiver. In diesem Jahr habe man wieder in der Slowakei investiert und halte ein geringes, aber positives Engagement in Rumänien. (06.12.2024/alc/a/a)


