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Vorsichtige Schritte zur Zinswende in der Eurozone
31.05.24 13:02
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der Sommer steht vor der Tür und damit auch die Zinswende in der Eurozone: Nächste Woche entscheidet die EZB wieder über die Geldpolitik und wird aller Voraussicht nach die Leitzinsen senken, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Dies gehe zumindest aus der Kommunikation der EZB-Ratsmitglieder hervor, die die Finanzmärkte in ihren Reden und Interviews der letzten Wochen auf eine Zinssenkung im Juni eingestimmt hätten. Ein fast einstimmiger Anteil von 95% der am 6. Juni stimmberechtigten Mitglieder des EZB-Rats habe sich in der jüngsten Kommunikation nach Lesart der Analysten für eine Lockerung der Geldpolitik um wahrscheinlich 25 Basispunkte ausgesprochen.
Viel spannender als die Frage, ob nächste Woche die Zinsen gesenkt würden, sei, wie es nach der Juni-Sitzung mit der Zinspolitik weitergehe. Die EZB-Ratsmitglieder hätten sich zu dieser Frage weitestgehend bedeckt gehalten. Die Analysten würden nach einer Senkung von 25 Basispunkten bei der anstehenden Sitzung eine weitere Zinssenkung im September prognostizieren. Damit würde der EZB-Rat bei der Juli-Sitzung pausieren.
Das Szenario einer weiteren Zinssenkung erst im September und nicht schon im Juli sei aus mehreren Gründen realistisch: Erst im September würden - nach denen der nächsten Woche - wieder neue Prognosen des EZB-Stabs veröffentlicht. Der EZB-Chefvolkswirt Lane etwa habe Anfang Mai argumentiert, dass "von einer Sitzung zur nächsten und von einer Projektionsrunde zur nächsten weitere Daten gesammelt werden können, die für die Zinsentscheidung von Bedeutung sind."
Wichtiger scheine aber das Argument, dass die EZB keine unrealistischen Erwartungen über den noch unsicheren Verlauf des zukünftigen Zinspfades wecken möchte. So habe der belgische Notenbankchef Pierre Wunsch erläutert, dass die EZB schrittweise und nicht zu schnell vorgehen sollte und dass sie davon absehen sollte sich bereits für Juli auf eine zweite Zinssenkung festzulegen. Weiterhin habe er zum Erwartungsmanagement gesagt: "Die Märkte würden davon ausgehen, dass wir eine Serie von Zinssenkungen einleiten," was zu diesem Zeitpunkt, an dem die politischen Entscheidungsträger vorsichtig bleiben sollten, ungünstig sei.
Die Inflation im europäischen Währungsraum liege immer noch über dem Zielwert von 2%. Gerade pendele sie sich eher bei 2,5% ein und werde laut der EZB erst im Jahr 2025 bei 2% angelangen. Im Mai habe die Inflation bei 2,6% für die Gesamtinflation gelegen.
Auch wenn die EZB schon enorme Fortschritte in Bezug auf die Inflationseindämmung gemacht habe, bestünden weiterhin Risiken, die den Disinflationsprozess verlangsamen könnten. Hierzu würden neben einer verfrühten und zu starken Lockerung der Zinspolitik weiterhin geopolitische Konflikte, wie die Auseinandersetzungen im Nahen Osten und das damit verbundene Risiko eines Ölpreisschocks zählen. Daneben sei der Dienstleistungssektor von hohen Inflationswerten betroffen: Die Teuerungsrate für Dienstleistungen sei laut der Preiskomponente der HCOB PMI im Mai leicht rückläufig. Zuletzt habe aber ein deutlich über den Erwartungen liegendes Wachstum der Tariflöhne mit 4,7% (YoY) im ersten Quartal enttäuscht, im Vergleich zu 4,5% im Vorquartal.
Am 6. Juni werde die EZB auch wieder neue makroökonomische Projektionen veröffentlichen. Die Analysten würden erwarten, dass diese sich - wenn überhaupt - nur leicht im Vergleich zu den letzten Projektionen aus dem März verändern würden, dass also die Inflation auch weiterhin gemäß diesen Projektionen im Jahr 2025 die Zielmarke von 2% erreiche.
Abschließend lässt sich sagen, dass der EZB-Rat bei seinen Entscheidungen weiterhin vorsichtig vorgehen, von Meeting zu Meeting und abhängig von der Datenlage entscheiden und uns damit keine langfristige "Forward Guidance" bieten wird, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Eher werde es so sein, dass man erst in den Wochen unmittelbar vor den nächsten Sitzungen von den Zentralbankerinnen und Zentralbankern der EZB erfahren dürfte, wo sie die Zinsen mittelfristig sehen würden. Damit werde es auch in den nächsten Monaten weiterhin wichtig bleiben, die Reden der Ratsmitglieder genau zu verfolgen. (31.05.2024/alc/a/a)
Dies gehe zumindest aus der Kommunikation der EZB-Ratsmitglieder hervor, die die Finanzmärkte in ihren Reden und Interviews der letzten Wochen auf eine Zinssenkung im Juni eingestimmt hätten. Ein fast einstimmiger Anteil von 95% der am 6. Juni stimmberechtigten Mitglieder des EZB-Rats habe sich in der jüngsten Kommunikation nach Lesart der Analysten für eine Lockerung der Geldpolitik um wahrscheinlich 25 Basispunkte ausgesprochen.
Viel spannender als die Frage, ob nächste Woche die Zinsen gesenkt würden, sei, wie es nach der Juni-Sitzung mit der Zinspolitik weitergehe. Die EZB-Ratsmitglieder hätten sich zu dieser Frage weitestgehend bedeckt gehalten. Die Analysten würden nach einer Senkung von 25 Basispunkten bei der anstehenden Sitzung eine weitere Zinssenkung im September prognostizieren. Damit würde der EZB-Rat bei der Juli-Sitzung pausieren.
Das Szenario einer weiteren Zinssenkung erst im September und nicht schon im Juli sei aus mehreren Gründen realistisch: Erst im September würden - nach denen der nächsten Woche - wieder neue Prognosen des EZB-Stabs veröffentlicht. Der EZB-Chefvolkswirt Lane etwa habe Anfang Mai argumentiert, dass "von einer Sitzung zur nächsten und von einer Projektionsrunde zur nächsten weitere Daten gesammelt werden können, die für die Zinsentscheidung von Bedeutung sind."
Die Inflation im europäischen Währungsraum liege immer noch über dem Zielwert von 2%. Gerade pendele sie sich eher bei 2,5% ein und werde laut der EZB erst im Jahr 2025 bei 2% angelangen. Im Mai habe die Inflation bei 2,6% für die Gesamtinflation gelegen.
Auch wenn die EZB schon enorme Fortschritte in Bezug auf die Inflationseindämmung gemacht habe, bestünden weiterhin Risiken, die den Disinflationsprozess verlangsamen könnten. Hierzu würden neben einer verfrühten und zu starken Lockerung der Zinspolitik weiterhin geopolitische Konflikte, wie die Auseinandersetzungen im Nahen Osten und das damit verbundene Risiko eines Ölpreisschocks zählen. Daneben sei der Dienstleistungssektor von hohen Inflationswerten betroffen: Die Teuerungsrate für Dienstleistungen sei laut der Preiskomponente der HCOB PMI im Mai leicht rückläufig. Zuletzt habe aber ein deutlich über den Erwartungen liegendes Wachstum der Tariflöhne mit 4,7% (YoY) im ersten Quartal enttäuscht, im Vergleich zu 4,5% im Vorquartal.
Am 6. Juni werde die EZB auch wieder neue makroökonomische Projektionen veröffentlichen. Die Analysten würden erwarten, dass diese sich - wenn überhaupt - nur leicht im Vergleich zu den letzten Projektionen aus dem März verändern würden, dass also die Inflation auch weiterhin gemäß diesen Projektionen im Jahr 2025 die Zielmarke von 2% erreiche.
Abschließend lässt sich sagen, dass der EZB-Rat bei seinen Entscheidungen weiterhin vorsichtig vorgehen, von Meeting zu Meeting und abhängig von der Datenlage entscheiden und uns damit keine langfristige "Forward Guidance" bieten wird, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Eher werde es so sein, dass man erst in den Wochen unmittelbar vor den nächsten Sitzungen von den Zentralbankerinnen und Zentralbankern der EZB erfahren dürfte, wo sie die Zinsen mittelfristig sehen würden. Damit werde es auch in den nächsten Monaten weiterhin wichtig bleiben, die Reden der Ratsmitglieder genau zu verfolgen. (31.05.2024/alc/a/a)


