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Versprechen die Zentralbanken zu viel?
19.07.19 10:45
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Trotz der Sommerferien machen die Finanzmärkte keine Pause und werden durch Politik und Zentralbanken auf Trab gehalten, so die Analysten der Weberbank.
Dabei seien die zugrunde liegenden Einflussfaktoren vielfältig und nicht immer leicht zu durchschauen.
In der für ihn eigenen Art habe US-Präsident Donald Trump versprochen, dass der volkswirtschaftliche Schaden, den er China durch die Einführung von Zöllen auf diverse Produkte zufüge, auf der anderen Seite ein Gewinn für Amerika in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar sei. Dies erkläre sich aus seiner Sicht dadurch, dass viele Unternehmen ihre Produktion aufgrund der gestiegenen Kosten aus China abziehen und in die USA verlagern könnten. Ersten Zahlen zufolge, scheine Trump seine Rechnung hier ohne den Wirt, bzw. in diesem Fall die produzierenden Unternehmen, gemacht zu haben.
So sehe es zwar aktuell danach aus, dass tatsächlich einige Firmen den Standort wechseln würden, es diese aber eher in andere Niedriglohnländer im asiatischen Raum ziehe. Somit würden sich außer höheren Preisen für die Konsumenten keine Effekte auf die USA verzeichnen lassen und erst recht keine positiven. Immerhin scheine die Annäherung zwischen den beiden Großmächten auch in dieser Woche voranzuschreiten und die Chance auf eine Fortsetzung der persönlichen Gespräche zwischen den Verhandlungsführern sei greifbar. Trotz dieser etwas positiveren Aussicht würden die Analysten aus zwei Gründen vorsichtig bleiben.
Erstens habe der US-Präsident erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wieder bewiesen, dass seine Launen unberechenbar seien. So solle er vor seinen Kabinettsmitgliedern gesagt haben, dass er jederzeit neue Zölle auf chinesische Produkte erheben könne, sollte China nicht damit beginnen, wieder mehr amerikanische Agrarprodukte zu kaufen. Dementsprechend bleibe eine Vereinbarung im Handelskonflikt aus Sicht der Analysten solange unsicher, bis ein unterschriebener Vertrag vorliege. Zweitens dürfte sich Trump zeitnah neuen "Projekten" zuwenden und seine Aufmerksamkeit auf die europäisch-amerikanischen Zollvorschriften richten, was vor allem für die deutsche Automobilindustrie zum Problem werden könnte.
Diese anhaltende Unsicherheit habe sich auch auf die gesamtwirtschaftlichen Aussichten niedergeschlagen. Bemerkbar habe sich dies besonders an den Schwierigkeiten der Industrieunternehmen gemacht, die unter rückläufigen Auftragseingängen zu leiden gehabt hätten und somit ihre bislang für dieses Jahr gemachten Wachstumsprognosen nach unten hätten korrigieren müssen. Zum Glück würden die großen Zentralbanken in Europa und den USA ihren Auftrag dahingehend interpretieren, dass sie zwar einerseits die Inflation im Zaum halten würden, andererseits aber auch das Wachstum unterstützen müssten. Dementsprechend hätten die besagten Institutionen auf beiden Seiten des Atlantik zuletzt eine Kehrtwende vollzogen und angekündigt, Zinssenkungen noch in diesem Jahr offen gegenüberzustehen.
Zusätzlich sei Mario Draghi an der Spitze der EZB noch einen Schritt weiter gegangen und habe eine erneute Ausweitung der Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen nicht ausgeschlossen. Dies habe Begeisterung sowohl an den Aktien-, als auch an den Anleihemärkten ausgelöst und eine Kursrally über diverse Anlageklassen hinweg verursacht, von der nicht zuletzt auch Gold aus seiner Lethargie gerissen worden sei und deutlich an Wert gewonnen habe.
Offensichtlich nehme der Markt also schon viel von den künftigen Handlungen vorweg und dementsprechend hoch dürften die Erwartungen an die nächsten Zentralbankentscheidungen, welche noch im Laufe dieses Monats erfolgen würden, sein. Allerdings berge dies auch ein nicht zu vernachlässigendes Enttäuschungspotenzial. Sollten die Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft weniger offensiv ausfallen als erwartet, sei in allen Märkten mit erheblichen Kursrücksetzern zu rechnen.
Diese Frage würden sich aktuell viele Investoren stellen, nachdem die US-amerikanischen Aktienmärkte neue Rekordstände erreicht hätten und gleichzeitig die Renditen von 10-jährigen deutschen Staatsanleihen erstmals unter den Einlagenzinssatz der Europäischen Zentralbank gefallen seien. Zu groß sei die Angst davor, genau an den Höchstkursen zu kaufen und in der Folge Verluste erleiden zu müssen. Während diese Sorge natürlich berechtigt sei, sollten die Chancen nicht außer Acht gelassen werden.
Wie erwähnt würden die aktuellen Kursanstiege zu einem nicht unerheblichen Teil von der Hoffnung auf eine Intervention der Zentralbanken genährt. Sollte diese tatsächlich erfolgen und die gesamtwirtschaftlichen Daten im Anschluss wieder einen positiveren Trend aufweisen, dürfte der Grundstein für eine angenehme zweite Jahreshälfte an den Kapitalmärkten gelegt sein. Da hier allerdings eine Vielzahl schwer abzuschätzender Faktoren eine Rolle spiele, bleibe es ratsam, bei der Aufstellung des eigenen Portfolios defensive Titel zu berücksichtigen und gleichzeitig einen Kassenanteil vorzuhalten. Dieser habe den Vorteil, dass einerseits Schwankungen des Marktes abgemildert würden und andererseits bei sich aufhellender wirtschaftlicher Lage schnell auf attraktive Kaufgelegenheiten reagiert werden könne. (19.07.2019/alc/a/a)
Dabei seien die zugrunde liegenden Einflussfaktoren vielfältig und nicht immer leicht zu durchschauen.
In der für ihn eigenen Art habe US-Präsident Donald Trump versprochen, dass der volkswirtschaftliche Schaden, den er China durch die Einführung von Zöllen auf diverse Produkte zufüge, auf der anderen Seite ein Gewinn für Amerika in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar sei. Dies erkläre sich aus seiner Sicht dadurch, dass viele Unternehmen ihre Produktion aufgrund der gestiegenen Kosten aus China abziehen und in die USA verlagern könnten. Ersten Zahlen zufolge, scheine Trump seine Rechnung hier ohne den Wirt, bzw. in diesem Fall die produzierenden Unternehmen, gemacht zu haben.
So sehe es zwar aktuell danach aus, dass tatsächlich einige Firmen den Standort wechseln würden, es diese aber eher in andere Niedriglohnländer im asiatischen Raum ziehe. Somit würden sich außer höheren Preisen für die Konsumenten keine Effekte auf die USA verzeichnen lassen und erst recht keine positiven. Immerhin scheine die Annäherung zwischen den beiden Großmächten auch in dieser Woche voranzuschreiten und die Chance auf eine Fortsetzung der persönlichen Gespräche zwischen den Verhandlungsführern sei greifbar. Trotz dieser etwas positiveren Aussicht würden die Analysten aus zwei Gründen vorsichtig bleiben.
Diese anhaltende Unsicherheit habe sich auch auf die gesamtwirtschaftlichen Aussichten niedergeschlagen. Bemerkbar habe sich dies besonders an den Schwierigkeiten der Industrieunternehmen gemacht, die unter rückläufigen Auftragseingängen zu leiden gehabt hätten und somit ihre bislang für dieses Jahr gemachten Wachstumsprognosen nach unten hätten korrigieren müssen. Zum Glück würden die großen Zentralbanken in Europa und den USA ihren Auftrag dahingehend interpretieren, dass sie zwar einerseits die Inflation im Zaum halten würden, andererseits aber auch das Wachstum unterstützen müssten. Dementsprechend hätten die besagten Institutionen auf beiden Seiten des Atlantik zuletzt eine Kehrtwende vollzogen und angekündigt, Zinssenkungen noch in diesem Jahr offen gegenüberzustehen.
Zusätzlich sei Mario Draghi an der Spitze der EZB noch einen Schritt weiter gegangen und habe eine erneute Ausweitung der Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen nicht ausgeschlossen. Dies habe Begeisterung sowohl an den Aktien-, als auch an den Anleihemärkten ausgelöst und eine Kursrally über diverse Anlageklassen hinweg verursacht, von der nicht zuletzt auch Gold aus seiner Lethargie gerissen worden sei und deutlich an Wert gewonnen habe.
Offensichtlich nehme der Markt also schon viel von den künftigen Handlungen vorweg und dementsprechend hoch dürften die Erwartungen an die nächsten Zentralbankentscheidungen, welche noch im Laufe dieses Monats erfolgen würden, sein. Allerdings berge dies auch ein nicht zu vernachlässigendes Enttäuschungspotenzial. Sollten die Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft weniger offensiv ausfallen als erwartet, sei in allen Märkten mit erheblichen Kursrücksetzern zu rechnen.
Diese Frage würden sich aktuell viele Investoren stellen, nachdem die US-amerikanischen Aktienmärkte neue Rekordstände erreicht hätten und gleichzeitig die Renditen von 10-jährigen deutschen Staatsanleihen erstmals unter den Einlagenzinssatz der Europäischen Zentralbank gefallen seien. Zu groß sei die Angst davor, genau an den Höchstkursen zu kaufen und in der Folge Verluste erleiden zu müssen. Während diese Sorge natürlich berechtigt sei, sollten die Chancen nicht außer Acht gelassen werden.
Wie erwähnt würden die aktuellen Kursanstiege zu einem nicht unerheblichen Teil von der Hoffnung auf eine Intervention der Zentralbanken genährt. Sollte diese tatsächlich erfolgen und die gesamtwirtschaftlichen Daten im Anschluss wieder einen positiveren Trend aufweisen, dürfte der Grundstein für eine angenehme zweite Jahreshälfte an den Kapitalmärkten gelegt sein. Da hier allerdings eine Vielzahl schwer abzuschätzender Faktoren eine Rolle spiele, bleibe es ratsam, bei der Aufstellung des eigenen Portfolios defensive Titel zu berücksichtigen und gleichzeitig einen Kassenanteil vorzuhalten. Dieser habe den Vorteil, dass einerseits Schwankungen des Marktes abgemildert würden und andererseits bei sich aufhellender wirtschaftlicher Lage schnell auf attraktive Kaufgelegenheiten reagiert werden könne. (19.07.2019/alc/a/a)


