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Unternehmensanleihenmarkt im Bann der EU-Staatskrise


13.09.11 13:19
Bank Sarasin & Cie AG

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die europäische Staatsschuldenkrise spitzt sich zu und an der Konjunkturfront ist eine Aufhellung der Lage nicht in Sicht: Den Anleiheanleger plagen derzeit viele Sorgen, so Stevan Bajic, Stratege für Unternehmensanleihen bei der Bank Sarasin & Cie AG.

Die Finanzmärkte würden sich weiterhin auf einer Talfahrt befinden. Die Zeit, wo Anleihen als sichere Alternative zu Aktien gegolten und sich deren Preise entgegen denen der Aktien bewegt hätten, sei vorbei. Viele Staatsanleihen würden nicht mehr halten, was sie einst versprochen hätten. Die Finanzkrise im Jahr 2008 habe dies verdeutlicht, die aktuelle Krise unterstreiche es deutlich.

Der Markt habe in den vergangenen Wochen einiges wegstecken müssen: Die Abstufung des US-Kredit-Ratings seitens S&P, schwache wirtschaftliche Leitindikatoren und das politische Gezerre in der Eurozone, welches die EU-Krise Schritt für Schritt zur Eskalation führe. Unternehmensanleihen hätten in diesem Umfeld einen signifikanten Bewertungsabschlag hinnehmen müssen. Nach dem Platzen der US-Kreditblase im Jahr 2008 hätten Staaten als Retter einspringen, die Banken rekapitalisieren und die Zentralbanken der Wirtschaft günstiges Geld zur Verfügung stellen können. Günstiges Geld werde weiterhin angeboten, doch nun scheine die Stützkraft gewisser EU-Staaten zu schwinden. Unvorhersehbare politische Risiken auf europäischer Staatsebene würden die Finanzmärkte in Atem halten.

Die Chancen auf eine US-Rezession lägen bei 50 Prozent. Obwohl Diskussionen zur geld- und fiskalpolitischen Stimulierung im Gange seien, könnten zwei Quartale mit negativem Wachstum nicht ausgeschlossen werden. In Unternehmensanleihen werde diese Gefahr durch die hohe Risikoprämie zur Zeit mehr als eingepreist. Die Gefahr einer unkontrollierten Eskalation in der Eurozone dränge die Investoren zusätzlich zur Zurückhaltung. Bei Banken, die üblicherweise als Vermittler zwischen Unternehmen und Investoren fungieren würden, sei die Liquiditätslage ebenfalls angespannt, weshalb sie kaum mehr Risiko auf ihre Handelsbücher nehmen würden. Das Ergebnis sei sehr geringes Umsatzvolumen in Unternehmensanleihen und entsprechend defensive Preisstellung für mögliche Transaktionen.

Für die Mehrheit der Anlagen mit Investment Grade Rating AAA bis BBB- sei die hundertprozentige Rückzahlung des Nominalbetrages nicht gefährdet. Dennoch rate die Bank Sarasin im aktuellen Umfeld zur Vorsicht. Der Markt handle aktuell nicht nach den fundamentalen Daten der Unternehmen, sondern nach dem Takt der europäischen Politiker. Die Rückkehr zu den Kerndaten sei wünschenswert, da diese in der Tat sehr solide seien und auch die Finanzlage bei Industrieschuldnern viel komfortabler sei als bei der letzten Finanzkrise. Die Spreu müsser auch hier vom Weizen getrennt und Kreditrisiken aus Peripherie- und Kern-Europa unterschieden werden. Die europäischen Randstaaten dürften unter den aufgesetzten Sparmaßnahmen zwischenzeitlich leiden. Dies werde auch die dortigen Unternehmen nicht unberührt lassen. (13.09.2011/alc/a/a)