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Unternehmensanleihen: Ausfallsraten im High-Yield-Markt dürften steigen


02.04.20 10:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Es fällt schwer, die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in Worte zu fassen, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Sowohl Infektions- als auch Opferzahlen würden weltweit steigen, was beispiellose Maßnahmen notwendig mache. Demokratie und Freiheitsrechte würden vielerorts eingeschränkt und das Leben des Einzelnen werde in einen fundamentalen Modus gedrängt. Sich den Kopf über taktische Risikomaßnahmen bei Kapitalveranlagungen zu zerbrechen, erscheine dabei fast nebensächlich. Die Verantwortung für Kundengelder zählt gerade auch in diesem Ausnahmezustand zu unserer Sorgfaltspflicht, weshalb wir die volle Konzentration darauf richten, diese Phase bestmöglich zu meistern; dabei müssen wir uns eingestehen, dass wir weder den weiteren Verlauf der Pandemie noch die wirtschaftlichen Auswirkungen seriös einschätzen können, so die Experten der Raiffeisen KAG.

Ja, es gebe mittlerweile den einen oder anderen Anhaltspunkt, aber mehr schon nicht. An dieser Stelle kann eine der Hauptaussagen des letztmonatigen Kommentars wiederholt werden: In einer solchen Situation stehe das Vorsichtsprinzip über Ertragsoptimierung. Die Experten der Raiffeisen KAG hätten deshalb im Verlauf des März sowohl die Aktienquote als auch das Zinsänderungsrisiko signifikant reduziert. Die Entscheidung hinsichtlich der Aktien wurde zuletzt bestätigt, auch wenn sich die Märkte in den vergangenen Tagen zu stabilisieren scheinen, so die Experten der Raiffeisen KAG. Das Übergreifen der Pandemie auf die USA dürfte wohl noch für ausgeprägte Volatilität sorgen. Das Zinsänderungsrisiko sei hingegen normalisiert worden, weil hier aufgrund der jüngsten Aussagen diverser Notenbanken das Bedrohungspotenzial begrenzt sein dürfte. Kurzfristig werde die Marktentwicklung somit von ausgeprägter Unsicherheit gekennzeichnet sein. Wer einen längeren Horizont hat, etwa jenen der empfohlenen Behaltedauer unserer Fonds, findet schon jetzt interessante Möglichkeiten vor, so die Experten der Raiffeisen KAG.

Der Staatsanleihenmarkt sei gewesen und bleibe von den quantitativen Lockerungsmaßnahmen der globalen Notenbanken getrieben. Diese hätten ihre Kaufabsichten vor allem für diese Anleiheklasse abermals deutlich artikuliert. Dies dürfte auch notwendig sein, da (um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie abzudämpfen) das Nettoemissionsvolumen vieler Staaten deutlich ansteigen dürfte.

Die Ertragserwartungen des Unternehmenssektors seien im März sowohl von Analysten als auch von den Unternehmen selbst radikal nach unten revidiert worden. Die negativen Revisionen würden mittlerweile stärker aus als im Herbst 2008 fallen. Noch fehle die Visibilität in Bezug auf die tatsächliche Entwicklung der (High Yield) Ausfallsraten. Aber auch hier deute vieles darauf hin, dass die damaligen Ausfallsraten von 13% (Europa) bzw. 14% (USA) übertroffen werden dürften.

Nach starken Spread-Ausweitungen im März würden die Experten der Raiffeisen KAG die Anlageklasse Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen nun als deutlich attraktiver erachten. Die Dauer der Covid-19-Pandemie und das konkrete Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden seien nicht absehbar. Daher würden Schwellenländer-Hartwährungs-Staatsanleihen auch in den kommenden Wochen mit starker Volatilität und zunehmenden Ausfallsrisiken konfrontiert sein. Aber: Wir sehen einen Großteil der auf uns zukommenden fundamentalen Probleme bereits eingepreist, so die Experten der Raiffeisen KAG.

Die sich täglich verändernde Nachrichtenlage zum Thema Covid-19 bestimme weiterhin die Entwicklung an den Aktienmärkten und mache damit kurzfristige Prognosen fast unmöglich. Gleichzeitig würden die unmittelbaren Folgen für die globale Konjunktur immer greifbarer, auch in den Gewinnerwartungen würden sich die Folgen dieser Krise nun zu manifestieren beginnen. Kurzfristig steht für uns weiterhin das Risikomanagement (und damit eine vorsichtige Portfolioausrichtung) im Vordergrund, so die Experten der Raiffeisen KAG. Für langfristig orientierte Investoren würden sich aktuell interessante Kaufniveaus bieten.

Habe das Auge des Hurrikans, den Virus betreffend, Januar und Februar eindeutig über China gelegen, sei der Sturm schließlich weitergezogen. Die Folgen würden zunehmend sichtbar: So würden Vorlaufindikatoren historische Tiefstände anzeigen. BIP-Wachstumszahlen würden laufend nach unten revidiert. Mittlerweile werde ein stärkerer Rückgang als in der 2008er Krise erwartet. Am wenigsten Visibilität gebe es immer noch auf der Unternehmensseite, wobei hier ebenso deutliche Gewinnrückgänge erwartet würden. Bisher regiere die Hoffnung auf einen kurzen Absturz.

Auch an den Rohstoffmärkten hinterlasse das Coronavirus deutlich seine Spuren. Die unmittelbaren Auswirkungen des Nachfragerückgangs seien in dieser Anlageklasse besonders stark spürbar. Einzig der Edelmetallbereich habe profitieren können. Die Energierohstoffe hätten aufgrund der direkten Wachstumseffekte die stärksten Rückgänge verbuchen müssen (auch in der markanten "Contango-Situtation" sichtbar). Eine Reaktion auf der Angebotsseite werde damit immer unausweichlicher. (02.04.2020/alc/a/a)