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Unruhe am Rentenmarkt, Aktienmärkte robust
03.06.25 09:15
Robert Beer Investment
Weiden (www.anleihencheck.de) - Nach der Kehrtwende bei den Zöllen ist es auch um das Sparprogramm DOGE still geworden, so die Experten von Robert Beer Investment.
Die Abkehr vom ursprünglichen Plan, mit Zolleinnahmen und Sparmaßnahmen die enorme US-Verschuldung sowie das jährliche Defizit in den Griff zu bekommen, scheine Realität zu werden. So habe US-Finanzminister Scott Bessent zuletzt öffentlich ein neues Ziel ausgegeben: Höheres Wachstum, um aus den Schulden rauszuwachsen.
Während zwar die Zolleinnahmen im April deutlich gestiegen seien, sei die absolute Summe mit 16,3 Milliarden USD weiterhin überschaubar. Allein die Zinsausgaben für die knapp 37 Billionen USD Schulden hätten sich 2025 voraussichtlich auf 1,1 Billionen oder etwa 90 Milliarden pro Monat summiert. Tendenz: steigend. Für das Gesamtjahr seien etwa 1,9 Billionen neue zusätzliche Schulden veranschlagt. Ein Problem, das auch die Ratingagenturen erkannt hätten. Mit Moody's habe die dritte Ratingagentur der USA die Top-Bonität entzogen.
Auf dem Rentenmarkt wachse daher die Sorge. So hätten die Zinsen bei langlaufenden US-Staatsanleihen zuletzt zugelegt - trotz Konjunktur- und Zoll-Sorgen. Mit 5% liege die Rendite für 30-jährige Papiere so hoch wie zuletzt vor der Finanzkrise. Die Inflationserwartungen stiegen, sodass die Notenbank Zinssenkungen kaum ins Auge fasse. Immobilienkredite würden teurer, Finanzierungskosten für Unternehmen stiegen. Ein Phänomen, welches bis auf China weltweit zu beobachten sei. So seien die Zinsen bei japanischen 30-jährigen Anleihen auf über 3% geklettert und damit so hoch wie in Deutschland. Seit 2019 hätten langlaufende Japan-Anleihen aufgrund des Zinsanstiegs etwa 45% an Wert verloren. Die Halter dieser Anleihen säßen somit auf enormen Buchverlusten. Solange Pensionskassen, Lebensversicherer und Co. nicht verkaufen müssten, könnten sie diese zwar aussitzen. Dennoch sei dies eine alles andere als positive Situation, die schnell eskalieren könne.
Kaum verwunderlich, dass die japanische Notenbank bereits zur Beruhigung bei den Investoren sorge und eine klare Kommunikation vorantreibe. Auch die Pensionskassen in England, die aufgrund des Zinsanstiegs bei Langläufern 2022 in Bedrängnis geraten seien, seien durch Hilfe der Notenbank vor größeren Problemen bewahrt worden. Drei Jahre später lägen die Zinsen in England nochmals höher, bei derzeit etwa 5,5% für 30-jährige Staatsanleihen. Während weltweit Langfristzinsen steigen würden, würden diese in Deutschland relativ stabil bleiben. Und das trotz des im Raum stehenden enormen Investitionsprogramms in Infrastruktur und Rüstung. Ein Grund hierfür seien die enormen Kapitalströme aus den USA nach Europa. Das Kapital fließe in Aktien und Anleihen. Deutsche Aktien würden auf Allzeithoch notieren, während US-Aktien am Stand von Jahresbeginn stünden. In Euro gerechnet lägen die US-Aktien sogar knapp 10% im Minus. Der EUR/USD-Wechselkurs sei seit Februar von 1,02 USD je Euro auf nun 1,14 angestiegen.
Die deutschen Ausgabenpläne hätten eine positive Wirkung auf den Blick in die Zukunft. So seien seit Jahresstart die Kurse der Baukonzerne Strabag, Hochtief und Vinci deutlich gestiegen. Auch Rüstungswerte wie Rheinmetall, Hensoldt und Co. seien im Höhenflug. Nicht zu vergessen Bank- und Finanzwerte, die einerseits von Zinsen profitieren würden, andererseits auch die Vorhaben finanzieren müssten. Trotz der deutlich gestiegenen Aktienkurse seien viele dieser Werte - historisch gesehen - fair bewertet sowie aufgrund der Dividendenrendite und der Perspektiven interessant.
Kritisch würden derzeit neben konjunktursensiblen Chemie- und Autotiteln auch Pharma-Aktien gesehen. Der politische Gegenwind aus den USA führe hier zu reduzierten Erwartungen und niedrigeren Gewinnschätzungen. Durch den gestiegenen EUR/USD seien deutsche Exporte in die USA zudem weniger attraktiv. Zwar sei die Bewertung vieler Unternehmen aus diesen Sektoren deutlich zurückgekommen, ohne steigende Konjunkturaussichten und entsprechende politische Weichenstellungen scheine ein Ende der Schwächephase jedoch noch nicht gekommen zu sein.
"Unsere Strategien haben die freundliche Entwicklung bei Banktiteln in Europa genutzt, sowie gleichzeitig die Risiken im Griff gehabt und sich im bisherigen Jahresverlauf positiv geschlagen. Getreu dem Motto Chancen nutzen und gleichzeitig Risiken begrenzen sind wir mit unseren risikoadjustierten, breit diversifizierten Strategien auch für die kommenden Monate zuversichtlich", so die Experten von Robert Beer Investment. (Ausgabe Juni 2025) (03.06.2025/alc/a/a)
Die Abkehr vom ursprünglichen Plan, mit Zolleinnahmen und Sparmaßnahmen die enorme US-Verschuldung sowie das jährliche Defizit in den Griff zu bekommen, scheine Realität zu werden. So habe US-Finanzminister Scott Bessent zuletzt öffentlich ein neues Ziel ausgegeben: Höheres Wachstum, um aus den Schulden rauszuwachsen.
Während zwar die Zolleinnahmen im April deutlich gestiegen seien, sei die absolute Summe mit 16,3 Milliarden USD weiterhin überschaubar. Allein die Zinsausgaben für die knapp 37 Billionen USD Schulden hätten sich 2025 voraussichtlich auf 1,1 Billionen oder etwa 90 Milliarden pro Monat summiert. Tendenz: steigend. Für das Gesamtjahr seien etwa 1,9 Billionen neue zusätzliche Schulden veranschlagt. Ein Problem, das auch die Ratingagenturen erkannt hätten. Mit Moody's habe die dritte Ratingagentur der USA die Top-Bonität entzogen.
Kaum verwunderlich, dass die japanische Notenbank bereits zur Beruhigung bei den Investoren sorge und eine klare Kommunikation vorantreibe. Auch die Pensionskassen in England, die aufgrund des Zinsanstiegs bei Langläufern 2022 in Bedrängnis geraten seien, seien durch Hilfe der Notenbank vor größeren Problemen bewahrt worden. Drei Jahre später lägen die Zinsen in England nochmals höher, bei derzeit etwa 5,5% für 30-jährige Staatsanleihen. Während weltweit Langfristzinsen steigen würden, würden diese in Deutschland relativ stabil bleiben. Und das trotz des im Raum stehenden enormen Investitionsprogramms in Infrastruktur und Rüstung. Ein Grund hierfür seien die enormen Kapitalströme aus den USA nach Europa. Das Kapital fließe in Aktien und Anleihen. Deutsche Aktien würden auf Allzeithoch notieren, während US-Aktien am Stand von Jahresbeginn stünden. In Euro gerechnet lägen die US-Aktien sogar knapp 10% im Minus. Der EUR/USD-Wechselkurs sei seit Februar von 1,02 USD je Euro auf nun 1,14 angestiegen.
Die deutschen Ausgabenpläne hätten eine positive Wirkung auf den Blick in die Zukunft. So seien seit Jahresstart die Kurse der Baukonzerne Strabag, Hochtief und Vinci deutlich gestiegen. Auch Rüstungswerte wie Rheinmetall, Hensoldt und Co. seien im Höhenflug. Nicht zu vergessen Bank- und Finanzwerte, die einerseits von Zinsen profitieren würden, andererseits auch die Vorhaben finanzieren müssten. Trotz der deutlich gestiegenen Aktienkurse seien viele dieser Werte - historisch gesehen - fair bewertet sowie aufgrund der Dividendenrendite und der Perspektiven interessant.
Kritisch würden derzeit neben konjunktursensiblen Chemie- und Autotiteln auch Pharma-Aktien gesehen. Der politische Gegenwind aus den USA führe hier zu reduzierten Erwartungen und niedrigeren Gewinnschätzungen. Durch den gestiegenen EUR/USD seien deutsche Exporte in die USA zudem weniger attraktiv. Zwar sei die Bewertung vieler Unternehmen aus diesen Sektoren deutlich zurückgekommen, ohne steigende Konjunkturaussichten und entsprechende politische Weichenstellungen scheine ein Ende der Schwächephase jedoch noch nicht gekommen zu sein.
"Unsere Strategien haben die freundliche Entwicklung bei Banktiteln in Europa genutzt, sowie gleichzeitig die Risiken im Griff gehabt und sich im bisherigen Jahresverlauf positiv geschlagen. Getreu dem Motto Chancen nutzen und gleichzeitig Risiken begrenzen sind wir mit unseren risikoadjustierten, breit diversifizierten Strategien auch für die kommenden Monate zuversichtlich", so die Experten von Robert Beer Investment. (Ausgabe Juni 2025) (03.06.2025/alc/a/a)


