Ungarn: Inflation am Höhepunkt, daher nur moderate Zinserhöhung


25.02.20 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die hektische Inflationsentwicklung stellt die lockere Geldpolitik Ungarns erneut infrage, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die jährliche Gesamtinflation sei im Januar von 4,0% auf 4,7% gestiegen - hauptsächlich aufgrund von Einmalfaktoren. Während die MNB (Magyar Nemzeti Bank) verbal versucht habe, die Märkte davon zu überzeugen, dass sich der Trend im Februar umkehren sollte (Veröffentlichung Feb-VPI am 10. März), seien die kurzfristigen Zinssätze in die Höhe geschossen (auch HUF ggü. EUR) und die Anleger hätten begonnen, auf Zinserhöhungen im März zu wetten. Selbst wenn die Inflation im März wieder in das Toleranzband von 3% +/- 1 PP zurückgekehrt sei, sei eine gewisse Zinsstraffung wahrscheinlich geworden.

Die Treibstoffpreise, die 7% des Inflationskorbs ausmachen würden, hätten derzeit einen beträchtlichen Basiseffekt. Sie seien im Januar um 2,8% (13,5% p.a.) gestiegen und hätten damit 1 PP zur Gesamtinflation beigetragen. Im Februar hingegen werde ein Rückgang um 5% erwartet (5,9% p.a.), sodass der Beitrag von 1 auf 0,5 Prozentpunkte und die Gesamtrate auf 4,2% p.a. sinken könnte. Sollten die Treibstoffpreise im März nicht steigen, würde ihr jährlicher Anstieg weiter auf bis zu 2,5% oder sogar noch tiefer fallen und die Gesamtinflation bei höchstens 3,9% landen. Darüber hinaus seien die Schweinefleischpreise (Schweinepest) ebenfalls im Januar um 27,6% p.a., gestiegen.

Vor diesem Hintergrund würden die Analysten der RBI nicht erwarten, dass die MNB ihre früheren VPI-Projektionen für 2020 in ihren aktualisierten März-Prognosen (3,6% steuerbereinigt, 3,5% Gesamtrate) dramatisch ändern werde. Alles in allem würden die Analysten auf der März-Sitzung einen Anstieg des Übernacht-Einlagesatzes um 10 BP von -0,05% auf 0,05% (andere Zinssätze stabil) erwarten, d.h. aber nicht schon morgen, sondern erst im März, nachdem die Februar-Inflationsdaten und die neuen MNB-Prognosen verfügbar seien. Dies sollte den 3-Monats-BUBOR um die 50 BP stabilisieren und auch den Ungarischen Forint vor weiterer Schwäche bewahren. Bis dahin sollte die Liquiditätsverknappung durch ein schrumpfendes Devisen-Swap-Buch fortgesetzt werden. (Ausgabe vom 24.02.2020) (25.02.2020/alc/a/a)