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Ungarische Zentralbank senkt Zinsen


13.08.20 12:30
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die CE3-Länder haben, ähnlich wie andere Regionen weltweit, nach Aufhebung der Restriktionen eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Aktivität mit der einhergehenden Verbesserung von Stimmungs- und Konjunkturindikatoren gesehen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".

Nichtsdestotrotz bleibe die Sorge vor einem neuerlichen Anstieg der Neuinfektionen und der daraus folgenden konjunkturellen Eintrübung bzw. einer Änderung des Konsumverhaltens in Richtung größerer Vorsicht und Zurückhaltung.

Tschechien, wo Restriktionen bereits relativ früh eingeführt worden seien, verzeichne durch seine stärkere Exportorientierung etwas größere BIP-Einbußen als Polen und Ungarn. Die Handelsdaten hätten sich besser erholt als die Industrieproduktion.

Geringere Ausfuhrmengen sowie höhere Importe (v.a. im Gesundheits- und Medizinbereich) hätten zu einer Verschlechterung der Handelsbilanz geführt. Dieser Effekt sollte aber nicht von Dauer sein. Die Regierung habe im Rahmen der dritten Budgetrevision im laufenden Jahr zahlreiche Maßnahmen eingeführt, um Wirtschaft und Unternehmen zu stützen, u.a. durch eine Verkürzung der Abschreibungsdauer oder Kreditförderungen.

Auch Ungarn habe eine leichte Erholung der Industrieproduktion verzeichnet, allerdings sei die volle Fertigungskapazität noch nicht erreicht. Hier schlage die Schwäche der globalen Automobilproduktion durch. Der Dienstleistungsbereich leide unter den Einschnitten aus der Tourismusbranche. Die sich wiederbelebende Nachfrage im Inland könne diese Rückgänge nur teilweise auffangen. Die Zentralbank habe eine weitere Zinssenkung beschlossen. In Zukunft wolle man sich darauf konzentrieren, Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als 15 Jahren aufzukaufen (um die Zinskurve abzuflachen).

In Polen hätten sich, ähnlich wie in Tschechien, die Einzelhandelsumsätze stärker erholt als die Industrieproduktionsdaten. Die Lieferketten kämen langsam in Gang, das sollte sich in den nächsten Wochen fortsetzen. Die Zentralbank belasse ihre Maßnahmen unverändert (keine Änderung bei Leitzinsen, Fortführung der Asset-Käufe). Die Präsidentschaftswahl habe - mit 51% knapp, aber doch - der amtierende Präsident Andrzej Duda für sich entscheiden können, insofern sei von einer Fortführung des wirtschaftspolitischen Kurses in den nächsten Jahren auszugehen. (Ausgabe August 2020) (13.08.2020/alc/a/a)