Erweiterte Funktionen
US-Zinserhöhung im September - und dann?
26.06.15 11:53
AXA Investment Managers
Köln (www.anleihencheck.de) - Wenn die FED die Geldpolitik strafft, wird sie dazu auch innovative Geldinstrumente nutzen. Welche das sind, erklärt David Page, Senior Economist bei AXA Investment Managers.
Der Zeitpunkt, da die US-Zentralbank Federal Reserve (FED) die geldpolitischen Zügel wieder anziehen und den Leitzins erhöhen werde, rücke näher. Voraussetzung für diesen Schritt seien für die FED zwei Faktoren: Weitere Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt und die "begründete Zuversicht", dass die Inflation mittelfristig steige. Die Zeichen dafür stünden gut, denn nach einem schwachen Start ins Jahr, beginne die US-Wirtschaft wieder zu expandieren. "Der Beweis dafür sollte im Laufe des Sommers angetreten werden", sage David Page, Senior Economist bei AXA IM. "Wir bleiben dabei, dass die FED die ersten Schritte im September einleiten wird."
Die FED gehe davon aus, dass die Schwäche im ersten Quartal saisonbedingt gewesen sei und zumindest zum Teil vorübergehende Faktoren widergespiegelt habe - etwa den harten Winter, den Rückgang der Investitionen im Energiesektor aufgrund des schwachen Ölpreises und die Streiks der Hafenarbeiter an der Westküste, die den Welthandel ausgebremst hätten.
Auch habe es Anzeichen einer Abschwächung des privaten Konsums im Einzelhandel gegeben, und die Verbraucher seien im April weniger zufrieden gewesen. Dennoch hätten ein solides Beschäftigungswachstum und fallende Benzinpreise zusammen genommen das real verfügbare Einkommen ausgesprochen angekurbelt. Da die Verbraucher jedoch nicht viel Geld ausgegeben hätten, sei zugleich die Sparquote angestiegen. "Wir erwarten, dass diese Entwicklung in den kommenden Quartalen wieder zurückgeht", sage Page. "Ein schnelleres Lohnwachstum sollte die privaten Verbraucher beflügeln, wieder mehr Geld auszugeben."
Auch der US-Arbeitsmarkt zeige Anzeichen einer Erholung über eine breite Spanne von Indikatoren. "Der Arbeitsmarkt ist mindestens genauso gesund wie 2004, als die FED zum letzten Mal einen Zinsanhebungszyklus startete", so Page. Die Anzahl der Beschäftigten steige wieder stärker als in den vergangenen zwei Jahren. Ein weiterer Indikator für einen anziehenden Markt sei das Lohnwachstum - je niedriger die Arbeitslosenquote desto höher der Lohnkostendruck.
Der Lohnanstieg wiederum sichere einen mittelfristigen Inflationsdruck. Dafür würden laut Page auch die steigenden Lohnstückkosten sprechen, die ebenfalls Schlüsselmotoren für eine im Inland erzeugte Inflation seien. Allerdings seien die Inflationserwartungen verhalten geblieben. "Das ist ein Unterschied zu 2004, den die FED berücksichtigen könnte. Vermutlich wird sie harte Zahlen sehen wollen, bevor sie die Zinsen erhöht. Das sollte jedoch im Laufe des Sommers geschehen", versichere Page.
Angesichts der Veränderungen des US-Geldmarktes unter dem Quantitative Easing (QE) und der Flut an Liquidität werde nach Ansicht des Experten der Prozess der Zinserhöhung komplexer werden als in der Vergangenheit. "Die FED wird eine Spanne für den Leitzins anvisieren, mit einem Cap für Zinsen auf Überschussreserven und einem Floor für Zinsen auf kurzfristige Einlagen aus dem Nicht-Banken-Sektor", erkläre Page. Damit habe die FED geldpolitische Instrumente geschaffen, die die Obergrenze und die Untergrenze steuern würden und so dafür sorgen sollten, dass die Marktzinsen nahe am anvisierten Leitzins bleiben würden.
Eines dieser Instrumente seien die Zinsen auf Überschussreserven (IOER), die die FED 2008 eingeführt habe. "Das Angebot an Liquidität war zu hoch, die Nachfrage zu niedrig, sodass die Zinssätze auf dem Interbankenmarkt unter den Zinssatz fielen, den sich die FED wünschte", erkläre Page. Dank der IOER sei es für Banken nicht mehr attraktiv gewesen, ihre Überschussreserven zu einem niedrigeren Marktzinssatz zu verleihen. Dadurch habe sich ein Boden für den Marktzins gebildet.
In der Praxis seien die Marktzinsen jedoch weiter unter dem von der FED gezahlten Zinssatz auf Überschussreserven geblieben. Der Grund dafür: Es gebe Kreditgeber, die keinen Zugang zur FED hätten - zum Beispiel Geldmarktfonds. Diese würden weiterhin Finanzmittel verleihen und so für eine Kluft zwischen den IOER und den Marktzinsen sorgen. Derzeit sei die Differenz gering (12 Basispunkte), da sich auch für Nicht-Banken die Kreditvergabe kaum noch lohne. "Das könnte sich aber wieder ändern, wenn die FED den Leitzins erhöht und damit indirekt bewirkt, dass auf dem Markt wieder höhere Zinssätze gezahlt werden", sage Page. "Dann könnte die Spanne zwischen IOER und Marktzinsen wieder größer werden."
Das sei jedoch nicht im Interesse der FED. Darum habe sie alternative Möglichkeiten für diese Institutionen getestet wie Overnight-Reverse-Repos (ON RRP) und Term Deposit Facilities (TDF). Indem die FED allen, also auch Nicht-Banken, alternative Investmentoptionen anbiete, wolle sie diesen Kreditgebern den Anreiz nehmen, Kredite unter den IOER anzubieten. Das bedeute: Wenn die FED die Geldpolitik straffe, werde der Prozess der Zinsanhebung nicht mehr so geradlinig sein wie früher. Die Zentralbank werde sich weiter eine Range für den Leitzins zum Ziel setzen, die gelenkt werde von den IOER und den Zinsen auf RRP. (26.06.2015/alc/a/a)
Der Zeitpunkt, da die US-Zentralbank Federal Reserve (FED) die geldpolitischen Zügel wieder anziehen und den Leitzins erhöhen werde, rücke näher. Voraussetzung für diesen Schritt seien für die FED zwei Faktoren: Weitere Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt und die "begründete Zuversicht", dass die Inflation mittelfristig steige. Die Zeichen dafür stünden gut, denn nach einem schwachen Start ins Jahr, beginne die US-Wirtschaft wieder zu expandieren. "Der Beweis dafür sollte im Laufe des Sommers angetreten werden", sage David Page, Senior Economist bei AXA IM. "Wir bleiben dabei, dass die FED die ersten Schritte im September einleiten wird."
Die FED gehe davon aus, dass die Schwäche im ersten Quartal saisonbedingt gewesen sei und zumindest zum Teil vorübergehende Faktoren widergespiegelt habe - etwa den harten Winter, den Rückgang der Investitionen im Energiesektor aufgrund des schwachen Ölpreises und die Streiks der Hafenarbeiter an der Westküste, die den Welthandel ausgebremst hätten.
Auch habe es Anzeichen einer Abschwächung des privaten Konsums im Einzelhandel gegeben, und die Verbraucher seien im April weniger zufrieden gewesen. Dennoch hätten ein solides Beschäftigungswachstum und fallende Benzinpreise zusammen genommen das real verfügbare Einkommen ausgesprochen angekurbelt. Da die Verbraucher jedoch nicht viel Geld ausgegeben hätten, sei zugleich die Sparquote angestiegen. "Wir erwarten, dass diese Entwicklung in den kommenden Quartalen wieder zurückgeht", sage Page. "Ein schnelleres Lohnwachstum sollte die privaten Verbraucher beflügeln, wieder mehr Geld auszugeben."
Der Lohnanstieg wiederum sichere einen mittelfristigen Inflationsdruck. Dafür würden laut Page auch die steigenden Lohnstückkosten sprechen, die ebenfalls Schlüsselmotoren für eine im Inland erzeugte Inflation seien. Allerdings seien die Inflationserwartungen verhalten geblieben. "Das ist ein Unterschied zu 2004, den die FED berücksichtigen könnte. Vermutlich wird sie harte Zahlen sehen wollen, bevor sie die Zinsen erhöht. Das sollte jedoch im Laufe des Sommers geschehen", versichere Page.
Angesichts der Veränderungen des US-Geldmarktes unter dem Quantitative Easing (QE) und der Flut an Liquidität werde nach Ansicht des Experten der Prozess der Zinserhöhung komplexer werden als in der Vergangenheit. "Die FED wird eine Spanne für den Leitzins anvisieren, mit einem Cap für Zinsen auf Überschussreserven und einem Floor für Zinsen auf kurzfristige Einlagen aus dem Nicht-Banken-Sektor", erkläre Page. Damit habe die FED geldpolitische Instrumente geschaffen, die die Obergrenze und die Untergrenze steuern würden und so dafür sorgen sollten, dass die Marktzinsen nahe am anvisierten Leitzins bleiben würden.
Eines dieser Instrumente seien die Zinsen auf Überschussreserven (IOER), die die FED 2008 eingeführt habe. "Das Angebot an Liquidität war zu hoch, die Nachfrage zu niedrig, sodass die Zinssätze auf dem Interbankenmarkt unter den Zinssatz fielen, den sich die FED wünschte", erkläre Page. Dank der IOER sei es für Banken nicht mehr attraktiv gewesen, ihre Überschussreserven zu einem niedrigeren Marktzinssatz zu verleihen. Dadurch habe sich ein Boden für den Marktzins gebildet.
In der Praxis seien die Marktzinsen jedoch weiter unter dem von der FED gezahlten Zinssatz auf Überschussreserven geblieben. Der Grund dafür: Es gebe Kreditgeber, die keinen Zugang zur FED hätten - zum Beispiel Geldmarktfonds. Diese würden weiterhin Finanzmittel verleihen und so für eine Kluft zwischen den IOER und den Marktzinsen sorgen. Derzeit sei die Differenz gering (12 Basispunkte), da sich auch für Nicht-Banken die Kreditvergabe kaum noch lohne. "Das könnte sich aber wieder ändern, wenn die FED den Leitzins erhöht und damit indirekt bewirkt, dass auf dem Markt wieder höhere Zinssätze gezahlt werden", sage Page. "Dann könnte die Spanne zwischen IOER und Marktzinsen wieder größer werden."
Das sei jedoch nicht im Interesse der FED. Darum habe sie alternative Möglichkeiten für diese Institutionen getestet wie Overnight-Reverse-Repos (ON RRP) und Term Deposit Facilities (TDF). Indem die FED allen, also auch Nicht-Banken, alternative Investmentoptionen anbiete, wolle sie diesen Kreditgebern den Anreiz nehmen, Kredite unter den IOER anzubieten. Das bedeute: Wenn die FED die Geldpolitik straffe, werde der Prozess der Zinsanhebung nicht mehr so geradlinig sein wie früher. Die Zentralbank werde sich weiter eine Range für den Leitzins zum Ziel setzen, die gelenkt werde von den IOER und den Zinsen auf RRP. (26.06.2015/alc/a/a)


