Erweiterte Funktionen

US-Regulation wirkt wie eine FED-Zinserhöhung


10.08.16 08:40
Bank Sarasin & Cie AG

Zürich (www.anleihencheck.de) - In den USA sind die Interbankenzinsen (Libor-Zinssatz) seit Anfang Juli 2016 deutlich gestiegen, so Florian Weber, Fixed Income Strategist, Bank J. Safra Sarasin AG.

Zum Bespiel sei der Dreimonats-Libor-Zinssatz von 0,62% auf 0,80% gestiegen. Während der Finanzkrise seien steigende Libor-Zinssätze ein Zeichen gewesen, dass sich Banken untereinander nicht mehr vertrauen und sich daher gegenseitig nur zu hohen Risikoprämien Geld verleihen würden. Dies sei 2008 zum Teil für den starken wirtschaftlichen Abschwung verantwortlich gewesen und habe nur durch große Liquiditätsspritzen der Notenbanken gelöst werden können.

Bei dem gegenwärtigen Zinsanstieg handle es sich aus Sicht der Analysten nicht um das Aufkommen einer neuen Bankenkrise, sondern um die Auswirkungen der am 14. Oktober 2016 in Kraft tretenden Geldmarktfondsreform. Die Reform führe zu einer Erhöhung der Libor-Zinssätze, welche einer 25 Basispunkte Zinserhöhung der US-Notenbank FED entspreche.

Die Geldmarktfondsreform in den USA sei eine Folge der Finanzkrise 2008, als einige Geldmarktfonds nach der Insolvenz von Lehman Brothers zeitweise einen Nettovermögenswert unterhalb des eingezahlten Kapitals aufgewiesen hätten. 2008 habe dies Investoren überrascht und zu einer Krise der Geldmarktfonds geführt. Damals habe die US-Regierung eingegriffen und den Geldmarktfonds durch ein Rettungsprogramm geholfen. Die Geldmarktfondsreform ziele nun darauf ab, dies in der Zukunft zu verhindern. Dafür müssten sogenannte Prime-Geldmarktfonds, welche Gelder von institutionellen Investoren annehmen würden, ihr Nettovermögen täglich auf Basis von Marktpreisen bewerten. Das bedeute, dass sie wieder ein Nettovermögen von weniger als dem eingezahlten Kapital ausweisen könnten.

Die neue Regel gelte allerdings nicht für Geldmarktfonds, welche ausschließlich in US-Staatsanleihen oder in steuerbefreite kommunale Anleihen investieren oder welche nur Privatkunden bedienen würden. Diese Fonds würden keine tägliche Bewertung zu Marktpreisen brauchen und dürften weiterhin ein Nettovermögen von mindestens dem eingezahlten Kapital ausweisen.

Die Analysten würden daher glauben, dass institutionelle Investoren Gelder aus den Prime-Geldmarktfonds vor allem in Geldmarktfonds, welche ausschließlich in US-Staatsanleihen investieren würden, transferieren würden. Dies führe zu einer Erhöhung der Finanzierungskosten von Banken, da die Prime-Geldmarktfonds häufig in kurzfristigen Bankanleihen investiert seien. In der Folge seien die Libor-Zinssätze auf das höchste Niveau seit 2009 angestiegen und auch der Renditeunterschied zu US-Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit sei stark angestiegen.

Die Analysten würden dies jedoch nicht als Zeichen einer neuen Bankenkrise sehen, sondern als Zeichen, dass die regulatorischen Veränderungen deutliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte hätten. Der Anstieg der Libor-Zinssätze seit Anfang Juli 2016 entspreche nahezu einer 25 Basispunkte Zinserhöhung des Leitzinssatzes. Das bedeute, dass sich die FED länger Zeit lassen könne, bevor sie den Leitzins erneut erhöhe. Die Analysten würden daher den nächsten Zinsschritt erst Anfang 2017 erwarten. (Ausgabe vom 09.08.2016) (10.08.2016/alc/a/a)