Erweiterte Funktionen
Die US-Notenbank überrascht zu Weihnachten
15.12.23 12:17
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) überraschte auf der Sitzung des Offenmarktausschusses in dieser Woche mit einer weniger restriktiven Haltung, so Mark Dowding, Chief Investment Office bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.
2024 werde die FED die Zinsen voraussichtlich um 75 Basispunkte senken - die Währungshüter seien zuversichtlich, dass sich die Inflation wieder ihrem 2-Prozent-Ziel nähere. Gleichzeitig werde erwartet, dass sich der Arbeitsmarkt weiterhin in der Nähe der Vollbeschäftigung bewege. FED-Chef Jerome Powell habe die Botschaft vermittelt, dass er eine weiche Landung habe herbeizuführen können und damit den Skeptikern getrotzt habe.
Es scheine, als hätten sich die Einschätzungen der Fed in den vergangenen Wochen ziemlich stark verändert - trotz eines zuletzt robusten Arbeitsmarktberichts, solider Einzelhandelsumsätze und einer Kerninflation, die mit 4 Prozent noch immer doppelt so hoch liege wie der Zielwert.
Interessant sei auch: Die jüngste Lockerung der finanziellen Bedingungen sei mit keinem Wort erwähnt worden. Angesichts des Rückgangs der zweijährigen Renditen um 40 Basispunkte, der Verengung der Spreads und der Allzeithochs an den Aktienmärkten sei es bemerkenswert, dass die FED bewusst eine weitere wesentliche Lockerung gefördert habe.
Manch einer möge sich fragen, ob die Währungshüter etwas sehen würden, was andere nicht sehen würden. Für die Experten scheine es jedoch so: 18 Monate habe die FED den Markt angeführt. Nun sei Powell möglicherweise froh, dass der Markt die FED anführe.
Die Experten würden darin zwar Gefahren sehen. Gleichzeitig scheine es aber unklug zu sein, gegen die Märkte zu agieren. Aus der Perspektive der Marktteilnehmer habe die FED grünes Licht für Risikopapiere gegeben. Es wäre daher nicht überraschend, wenn es bis zum Jahresende und Anfang Januar 2024 zu starken Kursbewegungen käme.
Aus wirtschaftlicher Sicht stelle sich die Frage, ob dies alles zu einer Beschleunigung der Konjunktur führen könnte und nicht zu der von vielen erwarteten Verlangsamung. Außerdem sei es in einem Umfeld mit Höchstständen an den Aktienmärkten und sehr niedriger Arbeitslosigkeit ungewöhnlich, eine Zinssenkung zu signalisieren.
Angesichts der günstigen Vermögenseffekte, des robusten Arbeitsmarktes und der steigenden Einkommen sei darüber hinaus offen, ob die Inflation so schnell wie erhofft zurückgehen werde. Die Experten würden bezweifeln, dass die Kerninflation vor der zweiten Hälfte des kommenden Jahres unter 3 Prozent fallen werde.
Man könnte sich fragen, ob der Schwenk der FED rückblickend als Fehler betrachtet werde, sollte die Inflation weiterhin problematisch sein. In diesem Sinne gehe die FED eine Art Glücksspiel ein.
Die Versuchung, der US-Notenbankchef zu werden, der eine weiche wirtschaftliche Landung hingelegt habe, scheine für Powell größer zu sein als die Befürchtung, als nächster Arthur Burns in die Geschichte einzugehen - der FED-Vorsitzende, der die Inflation habe davonlaufen lassen.
Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) habe weniger Überraschungen als die der FED enthalten. Der EZB-Rat habe sich angesichts der Verlangsamung des Wachstums und des Rückgangs der Inflation in eine etwas weniger restriktive Richtung bewegt. Das habe sich auch in den jüngsten Kommentaren von Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel widergespiegelt.
Die Experten würden jedoch davon ausgehen, dass der Verbraucherpreisindex bis ins neue Jahr hinein ansteigen werde. Daher würden sie denken, dass die EZB erst in der zweiten Jahreshälfte 2024 die Zinsen werde senken können. Im Vergleich zur FED würden sie die EZB in Bezug auf ihr Inflationsziel von 2 Prozent disziplinierter sehen und eine gewisse Nervosität spüren, dass der Großteil der guten Nachrichten über die rückläufige Inflation nun hinter uns liege. Dennoch seien die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen auf 2 Prozent gesunken. Niedrigere absolute Renditen hätten dazu beigetragen, dass sich auch die Spreads der Peripherieländer verengt hätten.
Im Hinblick auf die vergangene Woche habe man das Gefühl gehabt, dass sie ein Katalysator für erhebliche Marktbewegungen sein könnte. Das sei dann schließlich auch der Fall gewesen. Rückblickend sei die Einschätzung der Federal Reserve falsch gewesen und die Experten seien daher in Bezug auf die Zinsduration zu defensiv gewesen.
Kurzfristig könnten sich die Spreads bei Staats- und Unternehmensanleihen im Zuge einer breit angelegten Jahresendrally bei Risikoanlagen einengen. Die Experten seien jedoch vorsichtig, einer zu starken Bewegung hinterherzulaufen oder Engagements auf unattraktiven Niveaus einzugehen. (15.12.2023/alc/a/a)
2024 werde die FED die Zinsen voraussichtlich um 75 Basispunkte senken - die Währungshüter seien zuversichtlich, dass sich die Inflation wieder ihrem 2-Prozent-Ziel nähere. Gleichzeitig werde erwartet, dass sich der Arbeitsmarkt weiterhin in der Nähe der Vollbeschäftigung bewege. FED-Chef Jerome Powell habe die Botschaft vermittelt, dass er eine weiche Landung habe herbeizuführen können und damit den Skeptikern getrotzt habe.
Es scheine, als hätten sich die Einschätzungen der Fed in den vergangenen Wochen ziemlich stark verändert - trotz eines zuletzt robusten Arbeitsmarktberichts, solider Einzelhandelsumsätze und einer Kerninflation, die mit 4 Prozent noch immer doppelt so hoch liege wie der Zielwert.
Interessant sei auch: Die jüngste Lockerung der finanziellen Bedingungen sei mit keinem Wort erwähnt worden. Angesichts des Rückgangs der zweijährigen Renditen um 40 Basispunkte, der Verengung der Spreads und der Allzeithochs an den Aktienmärkten sei es bemerkenswert, dass die FED bewusst eine weitere wesentliche Lockerung gefördert habe.
Manch einer möge sich fragen, ob die Währungshüter etwas sehen würden, was andere nicht sehen würden. Für die Experten scheine es jedoch so: 18 Monate habe die FED den Markt angeführt. Nun sei Powell möglicherweise froh, dass der Markt die FED anführe.
Die Experten würden darin zwar Gefahren sehen. Gleichzeitig scheine es aber unklug zu sein, gegen die Märkte zu agieren. Aus der Perspektive der Marktteilnehmer habe die FED grünes Licht für Risikopapiere gegeben. Es wäre daher nicht überraschend, wenn es bis zum Jahresende und Anfang Januar 2024 zu starken Kursbewegungen käme.
Angesichts der günstigen Vermögenseffekte, des robusten Arbeitsmarktes und der steigenden Einkommen sei darüber hinaus offen, ob die Inflation so schnell wie erhofft zurückgehen werde. Die Experten würden bezweifeln, dass die Kerninflation vor der zweiten Hälfte des kommenden Jahres unter 3 Prozent fallen werde.
Man könnte sich fragen, ob der Schwenk der FED rückblickend als Fehler betrachtet werde, sollte die Inflation weiterhin problematisch sein. In diesem Sinne gehe die FED eine Art Glücksspiel ein.
Die Versuchung, der US-Notenbankchef zu werden, der eine weiche wirtschaftliche Landung hingelegt habe, scheine für Powell größer zu sein als die Befürchtung, als nächster Arthur Burns in die Geschichte einzugehen - der FED-Vorsitzende, der die Inflation habe davonlaufen lassen.
Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) habe weniger Überraschungen als die der FED enthalten. Der EZB-Rat habe sich angesichts der Verlangsamung des Wachstums und des Rückgangs der Inflation in eine etwas weniger restriktive Richtung bewegt. Das habe sich auch in den jüngsten Kommentaren von Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel widergespiegelt.
Die Experten würden jedoch davon ausgehen, dass der Verbraucherpreisindex bis ins neue Jahr hinein ansteigen werde. Daher würden sie denken, dass die EZB erst in der zweiten Jahreshälfte 2024 die Zinsen werde senken können. Im Vergleich zur FED würden sie die EZB in Bezug auf ihr Inflationsziel von 2 Prozent disziplinierter sehen und eine gewisse Nervosität spüren, dass der Großteil der guten Nachrichten über die rückläufige Inflation nun hinter uns liege. Dennoch seien die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen auf 2 Prozent gesunken. Niedrigere absolute Renditen hätten dazu beigetragen, dass sich auch die Spreads der Peripherieländer verengt hätten.
Im Hinblick auf die vergangene Woche habe man das Gefühl gehabt, dass sie ein Katalysator für erhebliche Marktbewegungen sein könnte. Das sei dann schließlich auch der Fall gewesen. Rückblickend sei die Einschätzung der Federal Reserve falsch gewesen und die Experten seien daher in Bezug auf die Zinsduration zu defensiv gewesen.
Kurzfristig könnten sich die Spreads bei Staats- und Unternehmensanleihen im Zuge einer breit angelegten Jahresendrally bei Risikoanlagen einengen. Die Experten seien jedoch vorsichtig, einer zu starken Bewegung hinterherzulaufen oder Engagements auf unattraktiven Niveaus einzugehen. (15.12.2023/alc/a/a)


