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US-Notenbank mit historischem Zinsschritt


07.08.19 09:16
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die US-amerikanische Notenbank hat ihren Leitzins, wie von den meisten Marktteilnehmern erwartet, um 25 Basispunkte auf die nun aktuelle Spanne von 2% bis 2,25% gesenkt, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Gleichzeitig habe sie die Bilanzreduktion vorzeitig beendet. Insgesamt habe die FED damit das geldpolitische Umfeld leicht gelockert, es aber vermieden, dies als Trendwende zu klassifizieren. Damit habe sie dem hohen politischen Druck, der vor allem von der Trump-Administration ausgeübt worden sei, widerstanden und ihre relativ vernünftige Geldpolitik fortgesetzt. Der jetzige Zinsschritt der US-Notenbank sei der erste seit der Finanzkrise im Jahr 2008 gewesen.

Weitere Schritte könnten nötig werden, denn der zuletzt mit Ankündigung von weiteren neuen Zöllen nochmals eskalierende Handelsstreit zwischen Washington und Peking hinterlasse Spuren im Getriebe der Weltwirtschaft. Sichtbar sei dies weltweit an den volkswirtschaftlichen Frühindikatoren und in Deutschland an den schwächelnden Zahlen börsennotierter Konzerne. Fast täglich würden deutsche Unternehmen Gewinnwamungen veröffentlichen, insbesondere Firmen aus den zyklischen Sektoren Halbleiter, Maschinenbau, Chemie und Autos.

Die hohen Erwartungen an eine außerordentlich hohe Zinssenkung der US-Notenbank - vor dem Hintergrund des soliden US- Wachstums in Verbindung mit einem robusten Arbeitsmarkt - hätten an den Märkten per se nicht erfüllt werden können. So hätten sich die Aktienmärkte im Anschluss an die Verkündung des kleinen Zinsschrittes zunächst verstimmt gezeigt. Nachdem Donald Trump nun die Unsicherheit um den Handelskonflikt zwischen den USA und China neu geschürt habe, habe er zusätzliche Unsicherheit bei den Investoren entfacht. Die internationalen Aktienindices, DAX 30, EURO STOXX 50, Dow Jones und NASDAQ hätten in Folge deutlich verloren, da darüber hinaus neue volkswirtschaftliche Daten aus dem Euroraum nicht überzeugt hätten.

Den FED-Beschluss, wieder in den Zinssenkungsmodus überzugehen, hätten die Rentenmärkte mit fallenden Bondrenditen quittiert. Die zehnjährige Bundrendite sei auf ein neues historisches Rekordtief von -0,53% gefallen. Ein weiteres Novum: Erstmals sei auch die 25-jährige Bundrendite ins Minus gefallen. Auch in den USA seien die Sätze zurückgegangen. Anleger, die im AL Trust Euro Renten der Alte Leipziger Trust investiert seien, würden fortgesetzt von den deutlichen Renditerücksetzern profitieren. Im bisherigen Jahresverlauf habe dessen Anteilpreis per Anfang August satte 6,8% zugelegt. Auf Sicht der letzten zehn Jahre konnten Anleger eine durchschnittliche jährliche Wertentwicklung von 3,6% erwirtschaften, und damit deutlich mehr als Anlagen in Tages- oder Festgeld gebracht haben, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Der Ausblick auf eine Fortsetzung der weltweit lockeren Geldpolitik - also die weitere Öffnung der Geldschleusen der Notenbanken mit billigem Geld - könnte mittelfristig dazu führen, dass der bei vielen Investoren inzwischen sehr beliebte "Tina"-Trade (there is no alternative) am Aktienmarkt eine Wiederbelebung erfahren könnte.

Anleger würden weiterhin versuchen, den historisch in dieser Höhe noch nie gesehenen negativen Renditen am Anleihemarkt zu entkommen und Einkommen durch Immobilien und Aktien zu erwirtschaften. Vor allem so genannte Dividendenstrategien sollten am Aktienmarkt weiter stark nachgefragt bleiben, ebenso wie Titel aus defensiven Branchen. An dieser Strategie sei sicher nicht viel auszusetzen, denn dadurch würden Portfolios meist robuster. Allerdings sei die Bewertung defensiver Titel in der jüngsten Zeit bereits stark angestiegen.

Der Grenznutzen sinkender Zinsen sei für die Unternehmen in den vergangenen Jahren immer geringer geworden. Stärker als auf die betriebswirtschaftlichen Planungen der Unternehmen würden die niedrigeren Zinsen auf die Mittelverwendung, unter anderem Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe, sowie die generelle Stimmung an den Märkten wirken. (Ausgabe August 2019) (07.08.2019/alc/a/a)