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US-Geldpolitik: Ein Schritt vor, ein Schritt zurück…
18.07.25 10:30
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Spekulationen über Trump und Fed-Chef Powell waren in der vergangenen Woche das beherrschende Thema, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Die US-Regierung sei zunehmend frustriert, dass die Fed in den letzten Monaten die Zinsen nicht gesenkt habe.
Das Weiße Haus habe zwar inzwischen dementiert, dass es unmittelbare Pläne zur Entlassung des Fed-Vorsitzenden gebe. Dennoch dürfte die Regierung den Druck in den kommenden Wochen weiter erhöhen, um Powell das Leben so unangenehm wie möglich zu machen.
Die Vorstellung, Trump könnte einen neuen Fed-Vorsitzenden ernennen, der dann die gewünschten Zinssenkungen umsetze, habe inzwischen zu einer steileren Zinsstrukturkurve beigetragen. Die Nachfrage nach kurzfristigen Laufzeiten habe zugenommen, während am langen Ende die Renditen gestiegen seien - ein Signal, dass die Märkte die Unabhängigkeit der Fed und ihres Inflationsmandats anzweifeln würden.
Mittelfristige Inflationssorgen hätten in den letzten Wochen zu einem Anstieg der Breakeven-Raten für inflationsgeschützte Staatsanleihen, die US-TIPS, geführt. Dennoch sei der Verbraucherpreisindex für Juni relativ moderat ausgefallen: Die Kerninflation sei gegenüber dem Vormonat um 0,2% und gegenüber dem Vorjahr um 2,9% gestiegen. Bislang gebe es kaum Anzeichen dafür, dass Exporteure die gestiegenen Kosten an den Verbraucher durchreichen würden, obwohl die USA im vergangenen Monat Zolleinnahmen in Höhe von 26 Milliarden Dollar verzeichnet hätten. Im Vorjahreszeitraum seien es noch sechs Milliarden Dollar gewesen.
Für die kommenden Monate erwarte Dowding einen Anstieg der Inflationsdaten um etwa 1% gegenüber dem aktuellen Niveau, da die Exporteure ihre Margen wieder ausbauen würden. Diese Erwartungen seien allerdings alle andere als gesichert.
Eine Zinssenkung auf der nächsten Fed-Sitzung Ende Juli halte Dowding für sehr unwahrscheinlich. Bis September könnte die Situation allerdings anders aussehen - vorausgesetzt, dass bis dahin mehr Klarheit hinsichtlich der Zölle und der Inflation herrsche. In diesem Fall erwarte Dowding je eine Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte sowohl im September als auch zum Jahresende. Diese Einschätzung entspreche weitgehend den aktuellen Markterwartungen.
Ein Thema werde jedenfalls in nächster Zeit im Gespräch bleiben, und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks: Da die hohen Staatsdefizite die Verschuldung weiter in die Höhe trieben, würden mehr Staatsanleihen emittiert. Dowding gehe davon aus, dass sich die jeweiligen Finanzagenturen vor allem auf kürzere Laufzeiten verlegen würden. Damit lasse sich das Profil der Staatsverschuldung insgesamt verkürzen, wobei der Anteil der Finanzierung über Schatzwechsel zunehmen dürfte.
Am Devisenmarkt habe sich der US-Dollar in der vergangenen Woche erholt. Zum Teil dürfte dies an kurzfristigen Positionierungen der Anleger liegen, die letzten Monat zu einer übermäßig negativen Einschätzung des Dollars geführt hätten. Dowding gehe allerdings weiterhin von einer Verschiebung der Asset Allocation aus. Eine Konsequenz daraus könne ein schwächerer Dollar sein, was durch Zinssenkungen der Fed weiter verstärkt werden könnte. Und sollte Jerome Powell tatsächlich von Donald Trump abgesetzt werden, könnte der Greenback sogar noch schneller abwerten.
Gleichzeitig würden die USA, wie viele Marktbeobachter betonen würden, nach wie vor über eine starke Wettbewerbsposition in wichtigen Branchen verfügen, etwa im Bereich Künstliche Intelligenz. 2026 könnte eine Kombination aus Steuer- und Zinssenkungen zusätzlich das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Die Annahme, die USA würden ihre langjährige wirtschaftliche Ausnahmestellung verlieren, könnte sich dann als verfrühte Unkenrufe herausstellen.
In der kommenden Woche dürfte der Fokus verstärkt auf den Zollverhandlungen liegen. Das Weiße Haus habe angedeutet, mehrere Vereinbarungen stünden kurz bevor. Allerdings seien die Gespräche mit einigen wichtigen Handelspartnern zuletzt eher ins Stocken geraten.
Die Trump-Regierung sei in Hochstimmung. Sie sehe sich auf einem guten Weg, sich in dem Handelskrieg, den sie selbst angezettelt habe, durchzusetzen. Vielleicht würden die USA diesmal keinen TACO-Rückzieher machen, sondern der Rest der Welt bekomme kalte Füße? Bei Risikoinvestments bleibe Dowding vorsichtig. Sollte der aktuelle Status quo unvermittelt in Frage gestellt werden, so sollte man mit Volatilität um den Stichtag vom 1. August rechnen - insbesondere da es viele Investoren inzwischen aufgegeben hätten, mögliche politische Entscheidungen in ihrer Positionierung vorwegzunehmen. (18.07.2025/alc/a/a)
Die US-Regierung sei zunehmend frustriert, dass die Fed in den letzten Monaten die Zinsen nicht gesenkt habe.
Das Weiße Haus habe zwar inzwischen dementiert, dass es unmittelbare Pläne zur Entlassung des Fed-Vorsitzenden gebe. Dennoch dürfte die Regierung den Druck in den kommenden Wochen weiter erhöhen, um Powell das Leben so unangenehm wie möglich zu machen.
Die Vorstellung, Trump könnte einen neuen Fed-Vorsitzenden ernennen, der dann die gewünschten Zinssenkungen umsetze, habe inzwischen zu einer steileren Zinsstrukturkurve beigetragen. Die Nachfrage nach kurzfristigen Laufzeiten habe zugenommen, während am langen Ende die Renditen gestiegen seien - ein Signal, dass die Märkte die Unabhängigkeit der Fed und ihres Inflationsmandats anzweifeln würden.
Mittelfristige Inflationssorgen hätten in den letzten Wochen zu einem Anstieg der Breakeven-Raten für inflationsgeschützte Staatsanleihen, die US-TIPS, geführt. Dennoch sei der Verbraucherpreisindex für Juni relativ moderat ausgefallen: Die Kerninflation sei gegenüber dem Vormonat um 0,2% und gegenüber dem Vorjahr um 2,9% gestiegen. Bislang gebe es kaum Anzeichen dafür, dass Exporteure die gestiegenen Kosten an den Verbraucher durchreichen würden, obwohl die USA im vergangenen Monat Zolleinnahmen in Höhe von 26 Milliarden Dollar verzeichnet hätten. Im Vorjahreszeitraum seien es noch sechs Milliarden Dollar gewesen.
Eine Zinssenkung auf der nächsten Fed-Sitzung Ende Juli halte Dowding für sehr unwahrscheinlich. Bis September könnte die Situation allerdings anders aussehen - vorausgesetzt, dass bis dahin mehr Klarheit hinsichtlich der Zölle und der Inflation herrsche. In diesem Fall erwarte Dowding je eine Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte sowohl im September als auch zum Jahresende. Diese Einschätzung entspreche weitgehend den aktuellen Markterwartungen.
Ein Thema werde jedenfalls in nächster Zeit im Gespräch bleiben, und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks: Da die hohen Staatsdefizite die Verschuldung weiter in die Höhe trieben, würden mehr Staatsanleihen emittiert. Dowding gehe davon aus, dass sich die jeweiligen Finanzagenturen vor allem auf kürzere Laufzeiten verlegen würden. Damit lasse sich das Profil der Staatsverschuldung insgesamt verkürzen, wobei der Anteil der Finanzierung über Schatzwechsel zunehmen dürfte.
Am Devisenmarkt habe sich der US-Dollar in der vergangenen Woche erholt. Zum Teil dürfte dies an kurzfristigen Positionierungen der Anleger liegen, die letzten Monat zu einer übermäßig negativen Einschätzung des Dollars geführt hätten. Dowding gehe allerdings weiterhin von einer Verschiebung der Asset Allocation aus. Eine Konsequenz daraus könne ein schwächerer Dollar sein, was durch Zinssenkungen der Fed weiter verstärkt werden könnte. Und sollte Jerome Powell tatsächlich von Donald Trump abgesetzt werden, könnte der Greenback sogar noch schneller abwerten.
Gleichzeitig würden die USA, wie viele Marktbeobachter betonen würden, nach wie vor über eine starke Wettbewerbsposition in wichtigen Branchen verfügen, etwa im Bereich Künstliche Intelligenz. 2026 könnte eine Kombination aus Steuer- und Zinssenkungen zusätzlich das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Die Annahme, die USA würden ihre langjährige wirtschaftliche Ausnahmestellung verlieren, könnte sich dann als verfrühte Unkenrufe herausstellen.
In der kommenden Woche dürfte der Fokus verstärkt auf den Zollverhandlungen liegen. Das Weiße Haus habe angedeutet, mehrere Vereinbarungen stünden kurz bevor. Allerdings seien die Gespräche mit einigen wichtigen Handelspartnern zuletzt eher ins Stocken geraten.
Die Trump-Regierung sei in Hochstimmung. Sie sehe sich auf einem guten Weg, sich in dem Handelskrieg, den sie selbst angezettelt habe, durchzusetzen. Vielleicht würden die USA diesmal keinen TACO-Rückzieher machen, sondern der Rest der Welt bekomme kalte Füße? Bei Risikoinvestments bleibe Dowding vorsichtig. Sollte der aktuelle Status quo unvermittelt in Frage gestellt werden, so sollte man mit Volatilität um den Stichtag vom 1. August rechnen - insbesondere da es viele Investoren inzwischen aufgegeben hätten, mögliche politische Entscheidungen in ihrer Positionierung vorwegzunehmen. (18.07.2025/alc/a/a)


