Erweiterte Funktionen

US-Anleihenkurse steigen im Einklang mit Bundesanleihen an


05.09.14 13:41
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Das Auseinanderdriften der europäischen und der amerikanischen Konjunktur hält in den letzten zwei Wochen an, so die Analysten der Weberbank.

Während das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal um 0,2% zurückgehe und die Eurozone nur eine schwarze Null erreiche, würden die USA einen Anstieg ihrer Wirtschaftsleistung von 1,0% gegenüber dem Vorquartal verzeichnen. Einhergehend würden die USA eine im Allgemeinen als gesund angesehene Inflationsrate von 2% ausweisen, die Eurozone eine beängstigend nahe an der Grenze zur Deflation liegende Preissteigerung von nur 0,3%.

Insbesondere letzteres Problem scheine Mario Draghi stärker umzutreiben: Denn wider Erwarten habe er kurz vor seiner Rede beim Notenbankertreffen in Jackson Hole handschriftlich den zuvor ausgeteilten Redetext geändert. Normalerweise rezitiere er sehr diszipliniert die an die Presse herausgegebene Erklärung. Nur einmal im Juli 2012 sei er von dieser Vorgehensweise abgewichen und habe mit der Aussage, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten, nebst Zusatz "(...) und glauben Sie mir, es wird reichen" mehr oder weniger im Alleingang die Debatte um die Staatsschuldenkrise beendet.

Sein erneutes Abweichen vom Konzept habe also bereits angedeutet, was gestern gefolgt sei. Nochmal habe die EZB ihren Leitzins auf nur noch 0,05% gesenkt. Zusätzlich habe sie den Einlagezins für von den Banken bei ihr geparkte Liquidität auf -0,2% festgesetzt. De facto müssten Banken nun also Geld dafür bezahlen, dass sie ihr Geld bei der EZB anlegen würden. Daneben starte das bereits erwartete T-LTRO-Programm, welches, vereinfacht gesagt, Banken für zusätzliche Kreditvergaben mit einer günstigen Refinanzierung belohne. Und für Oktober habe die EZB weitere expansive Programme mit so klangvollen Namen wie ABSPP oder CBPP III angekündigt.

Während Draghi also vehement gegen eine lahmende Wirtschaft nebst Deflationstendenz kämpft, fragen sich die Analysten der Weberbank bei Janet Yellen, der Chefin der US-Notenbank, ob sie nicht etwas zu lange auf dem Gaspedal stehen bleibt. Zwar werde sie nicht müde, einzelne Kennzahlen, wie den hohen Anteil von Teilzeitstellen oder verhältnismäßig schwaches Lohnwachstum, hervorzuheben, die sich ihres Erachtens noch verbessern müssten, bevor sie die Leitzinsschraube anziehe.

Objektiv stehe die US-Wirtschaft aber schon jetzt sehr gut da. Neben den oben angesprochenen BIP-Zahlen und der Inflation im Zielkorridor würden Konsumentenstimmung, Unternehmensstimmung, Immobilienmarktentwicklung, Entschuldungsentwicklung der Haushalte, Industrieproduktion, Kapazitätsauslastung und Auftragseingänge von einer soliden Wirtschaftsentwicklung zeugen. Ob eine Notenbank vor diesem Hintergrund noch so lange expansiv agieren müsse, wie es die FED trotz Rückführung ihrer Anleihenkaufprogramme tue, dürfe also hinterfragt werden. Viele Analysten würden deshalb ihre Schätzungen für den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung in den USA auf aktuell das zweite Quartal 2015 vorziehen.

Die Rentenmärkte würden sich von den Aussagen Draghis erneut befeuert zeigen. Nachdem die Analysten der Weberbank das Unterschreiten der 1%-Marke der Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen verkünden konnten, wurden nun bereits 0,9% unterschritten. Draghis Maßnahmen würden die Renditen immer tiefer drücken. Bemerkenswert sei die Tatsache, dass auch die Kurse der US-Anleihen zuletzt im Einklang mit den Bundesanleihen trotz besserer Konjunktur und Leitzinserhöhungsfantasie angestiegen seien. Ebenfalls gut würden sich die Kurse der Renten-Satellitensegmente behaupten. Sowohl Schwellenländeranleihen als auch Hochzinsanleihen hätten sich trotz schwelender Ukraine-Krise zuletzt gut entwickeln können. Die Analysten der Weberbank bleiben investiert und lassen Gewinne vorerst weiterlaufen.

Nach den recht starken Korrekturbewegungen an den Aktienmärkten hätten sich die Kurse zuletzt wieder erholen können. Im Einklang mit der Wirtschaftsentwicklung und der Entfernung zum Krisenherd "Ukraine" würden sich die US-Aktien seit Jahresanfang deutlich besser als ihre europäischen Pendants behaupten, weshalb die Analysten die Märkte in Übersee aktuell favorisieren würden.

Auch die Aktien der Schwellenländer hätten nun wieder verstärkt Investorengelder anziehen können. Ähnlich den Industrienationen würden aber auch die Schwellenländer wirtschaftlich deutlich auseinander fallen. Während sich Brasilien mit geringem Wachstum bei gleichzeitig sehr hoher Inflation in einem Stagflationszustand befinde und Russland nicht zuletzt durch die beschlossenen Sanktionen des Westens in die Rezession abgleite, habe Indien nach dem dortigen Regierungswechsel positiv überraschen können. China überrascht zwar nicht positiv, erreicht aber die selbstgesteckten Wachstumsziele, weshalb die Analysten der Weberbank ihr Engagement in Schwellenländeraktien zuletzt selektiv aufstockten. (05.09.2014/alc/a/a)