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US-Anleihemarkt: Friedensfürst auf Wunsch?
10.10.25 11:45
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Die Renditen am US-Anleihemarkt haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert - im Shutdown werden weniger Wirtschaftsdaten veröffentlicht, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Bei Treffen mit politischen Entscheidungsträgern in Washington DC in dieser Woche scheine jedoch alles wie gewohnt zu laufen, und es herrsche das Gefühl, dass vieles, was derzeit zu beobachten sei, weitgehend Show sei.
Abgesehen davon denke Dowding, dass sich die US-Wirtschaft in einem relativ robusten Zustand befinde. Angesichts der bevorstehenden Steuersenkungen, Zinssenkungen und Deregulierungen könnte die Wirtschaft im nächsten Jahr um 3% oder mehr wachsen.
Was die Inflation betreffe, so sei man im Weißen Haus zufrieden, dass sich die Zölle bislang nur moderat auswirkten. Mit einer Kerninflation von 2,9% für Konsumausgaben bestünden jedoch weiterhin Aufwärtsrisiken, und die Inflation dürfte aufgrund der starken Verbraucherpreise und der hartnäckigen Inflation bei Dienstleistungen 3% überschreiten, aber 4% nicht erreichen. Vor diesem Hintergrund werde die Inflation als nicht allzu problematisch angesehen. Sie könnte höchstens das Tempo der Fed-Zinssenkungen drosseln. Eine weitere Senkung Ende des Monats erscheine allerdings realistisch.
Offen bleibe einstweilen die Personalie des neuen Fed-Chairs. Scott Bessent werde als aussichtsreichster Kandidat gehandelt, auch wenn er sich offenbar selbst aus dem Rennen genommen habe. Deutlich geringere Chancen würden Kevin Warsh eingeräumt, gefolgt von Kevin Hassett und Chris Waller, in dieser Reihenfolge. Die Gefahr eines Einknickens der Fed vor Trump werde nicht allzu sehr gefürchtet. Zwar wünsche Trump sich niedrigere Zinsen (welcher Immobilienentwickler würde das nicht?), aber er möchte unbedingt eine höhere Inflation vermeiden - ein zentrales Thema bei den letzten Wahlen ebenso wie voraussichtlich bei den kommenden Zwischenwahlen.
Fazit: Das außergewöhnliche Wirtschaftswachstum in den USA sei möglicherweise doch nicht oder noch nicht ganz beendet. Wenn die Unabhängigkeit der Fed nicht untergraben werde und sie vor dem Hintergrund eines soliden Wachstums moderatere Zinssenkungen vornehme, scheine einer der wichtigsten Faktoren für einen schwachen Dollar an Bedeutung verloren zu haben.
In Europa liege der Fokus in der vergangenen Woche weiterhin auf den politischen Entwicklungen in Frankreich. Der Rücktritt von Premierminister Lecornu zu Beginn dieser Woche habe die politischen Risiken und die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen zum Parlament erhöht, bei denen der Rassemblement National voraussichtlich sehr gut abschneiden würde.
Das französische Establishment möchte Le Pens Partei diese Chance nicht geben. Daher werde derzeit nach einem Kandidaten gesucht, der oder die über ausreichende parteiübergreifende Unterstützung verfüge und Kompromisse stiften könne. Moody's oder S&P könnten in den kommenden Wochen eine Herabstufung des französischen Ratings auf A bestätigen. Da jedoch keine Neuwahlen anstünden, dürften die Spreads sich nur begrenzt ausweiten.
Auch in Japan sei es eine ereignisreiche Woche gewesen. "Die Wahl von Sanae Takaichi zur Vorsitzenden der LDP kam für die Märkte und für uns, die wir mit einem Sieg von Koizumi gerechnet hatten, überraschend", so Dowding. Obwohl sie behaupte, entschlossen zu sein, die Inflation zu senken, stehe ihre Politik einer lockeren Fiskal- und Geldpolitik im Widerspruch dazu. Infolgedessen seien die Renditen japanischer Staatsanleihen gestiegen und der Yen sei eingebrochen, während die Aktienmärkte in Hochstimmung gewesen seien.
Auffällig sei auch gewesen, wie Takaichi sich angemaßt habe, der Bank of Japan die Zinspolitik vorzuschreiben. Obwohl die BoJ nie unabhängig gewesen sei, sei Japans Politik eher auf Konsens ausgerichtet gewesen. Seit ihrem Amtsantritt scheine Takaichi jedoch versöhnlicher zu klingen und ihre Position möglicherweise zu mäßigen. In der Folge habe sich der Markt für japanische Staatsanleihen stabilisiert, nachdem die Renditen langfristiger Anleihen am Montag stark gestiegen seien.
"In den nächsten Wochen dürften wir weniger politische Überraschungen erleben, und die Märkte werden sich wieder stärker auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten konzentrieren", so Dowding. Mit der ruhigen Lage in den USA könnte es bald zu Ende sein, falls sie nur einem Mangel an veröffentlichten Daten im Shutdown geschuldet sei. Denn dann komme nach dem Shutdown eine Flut von Veröffentlichungen, auf die Märkte sich stürzen würden.
Unterdessen hätten sich die Gespräche in Washington auch um Trump und seinen Wunsch gedreht, den Friedensnobelpreis zu erhalten. Durch die Intervention der USA habe er persönlich mehrere globale Konflikte beendet und dadurch viele Unterstützer gewonnen. Das Nobelkomitee hingegen könnte darauf hinweisen, dass der Preis 2025 für Handlungen im Jahr 2024 vergeben werde, also noch vor Trumps Amtsantritt, was bedeuten könnte, dass eine Auszeichnung im nächsten Jahr eher gerechtfertigt wäre.
Allerdings könnten das Komitee und Norwegen selbst heftige Kritik seitens des US-Präsidenten einstecken, wenn sie seinem erklärten Wunsch nicht nachkämen. Selig seien die Friedfertigen. Vielleicht wäre es besser, diejenigen zu würdigen, die aus Liebe, Demut und Selbstaufopferung handeln würden. (10.10.2025/alc/a/a)
Bei Treffen mit politischen Entscheidungsträgern in Washington DC in dieser Woche scheine jedoch alles wie gewohnt zu laufen, und es herrsche das Gefühl, dass vieles, was derzeit zu beobachten sei, weitgehend Show sei.
Abgesehen davon denke Dowding, dass sich die US-Wirtschaft in einem relativ robusten Zustand befinde. Angesichts der bevorstehenden Steuersenkungen, Zinssenkungen und Deregulierungen könnte die Wirtschaft im nächsten Jahr um 3% oder mehr wachsen.
Was die Inflation betreffe, so sei man im Weißen Haus zufrieden, dass sich die Zölle bislang nur moderat auswirkten. Mit einer Kerninflation von 2,9% für Konsumausgaben bestünden jedoch weiterhin Aufwärtsrisiken, und die Inflation dürfte aufgrund der starken Verbraucherpreise und der hartnäckigen Inflation bei Dienstleistungen 3% überschreiten, aber 4% nicht erreichen. Vor diesem Hintergrund werde die Inflation als nicht allzu problematisch angesehen. Sie könnte höchstens das Tempo der Fed-Zinssenkungen drosseln. Eine weitere Senkung Ende des Monats erscheine allerdings realistisch.
Offen bleibe einstweilen die Personalie des neuen Fed-Chairs. Scott Bessent werde als aussichtsreichster Kandidat gehandelt, auch wenn er sich offenbar selbst aus dem Rennen genommen habe. Deutlich geringere Chancen würden Kevin Warsh eingeräumt, gefolgt von Kevin Hassett und Chris Waller, in dieser Reihenfolge. Die Gefahr eines Einknickens der Fed vor Trump werde nicht allzu sehr gefürchtet. Zwar wünsche Trump sich niedrigere Zinsen (welcher Immobilienentwickler würde das nicht?), aber er möchte unbedingt eine höhere Inflation vermeiden - ein zentrales Thema bei den letzten Wahlen ebenso wie voraussichtlich bei den kommenden Zwischenwahlen.
Fazit: Das außergewöhnliche Wirtschaftswachstum in den USA sei möglicherweise doch nicht oder noch nicht ganz beendet. Wenn die Unabhängigkeit der Fed nicht untergraben werde und sie vor dem Hintergrund eines soliden Wachstums moderatere Zinssenkungen vornehme, scheine einer der wichtigsten Faktoren für einen schwachen Dollar an Bedeutung verloren zu haben.
Das französische Establishment möchte Le Pens Partei diese Chance nicht geben. Daher werde derzeit nach einem Kandidaten gesucht, der oder die über ausreichende parteiübergreifende Unterstützung verfüge und Kompromisse stiften könne. Moody's oder S&P könnten in den kommenden Wochen eine Herabstufung des französischen Ratings auf A bestätigen. Da jedoch keine Neuwahlen anstünden, dürften die Spreads sich nur begrenzt ausweiten.
Auch in Japan sei es eine ereignisreiche Woche gewesen. "Die Wahl von Sanae Takaichi zur Vorsitzenden der LDP kam für die Märkte und für uns, die wir mit einem Sieg von Koizumi gerechnet hatten, überraschend", so Dowding. Obwohl sie behaupte, entschlossen zu sein, die Inflation zu senken, stehe ihre Politik einer lockeren Fiskal- und Geldpolitik im Widerspruch dazu. Infolgedessen seien die Renditen japanischer Staatsanleihen gestiegen und der Yen sei eingebrochen, während die Aktienmärkte in Hochstimmung gewesen seien.
Auffällig sei auch gewesen, wie Takaichi sich angemaßt habe, der Bank of Japan die Zinspolitik vorzuschreiben. Obwohl die BoJ nie unabhängig gewesen sei, sei Japans Politik eher auf Konsens ausgerichtet gewesen. Seit ihrem Amtsantritt scheine Takaichi jedoch versöhnlicher zu klingen und ihre Position möglicherweise zu mäßigen. In der Folge habe sich der Markt für japanische Staatsanleihen stabilisiert, nachdem die Renditen langfristiger Anleihen am Montag stark gestiegen seien.
"In den nächsten Wochen dürften wir weniger politische Überraschungen erleben, und die Märkte werden sich wieder stärker auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten konzentrieren", so Dowding. Mit der ruhigen Lage in den USA könnte es bald zu Ende sein, falls sie nur einem Mangel an veröffentlichten Daten im Shutdown geschuldet sei. Denn dann komme nach dem Shutdown eine Flut von Veröffentlichungen, auf die Märkte sich stürzen würden.
Unterdessen hätten sich die Gespräche in Washington auch um Trump und seinen Wunsch gedreht, den Friedensnobelpreis zu erhalten. Durch die Intervention der USA habe er persönlich mehrere globale Konflikte beendet und dadurch viele Unterstützer gewonnen. Das Nobelkomitee hingegen könnte darauf hinweisen, dass der Preis 2025 für Handlungen im Jahr 2024 vergeben werde, also noch vor Trumps Amtsantritt, was bedeuten könnte, dass eine Auszeichnung im nächsten Jahr eher gerechtfertigt wäre.
Allerdings könnten das Komitee und Norwegen selbst heftige Kritik seitens des US-Präsidenten einstecken, wenn sie seinem erklärten Wunsch nicht nachkämen. Selig seien die Friedfertigen. Vielleicht wäre es besser, diejenigen zu würdigen, die aus Liebe, Demut und Selbstaufopferung handeln würden. (10.10.2025/alc/a/a)


