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USA: "Ein monumentaler und historischer Akt der Selbstbeschädigung"


17.04.25 14:00
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die ruhige Nachrichtenlage bezüglich der Zölle führte zu einer weniger aufgeregten Handelswoche, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Der VIX, das Maß für die Marktvolatilität, sei zum ersten Mal seit dem vom US-Präsident Donald Trump ausgerufenen "Liberation Day" am 2. April auf 30 Punkte gesunken.

Die Unsicherheit im Zusammenhang mit den Zöllen bleibe zwar bestehen. Aufgrund der 90-tägigen Pause könnte jedoch eine etwas ruhigere Phase bevorstehen, in der sich die Märkte konsolidieren könnten.

Man beobachte, dass sich die Investoren weltweit von den USA abwenden würden, da der Wachstums-Exzeptionalismus des Landes versiege. TINA (there is no alternative, dt.: es gebe keine Alternative) sei die Rechtfertigung für ausländische Anleger gewesen, weiterhin US-Aktien zu überhöhten Bewertungen zu kaufen. Dies scheine sich nun aber grundlegend geändert zu haben.

Wenn weniger Kapital in die USA fließe als in der Vergangenheit, dürften die Zeiten eines stärkeren US-Dollar vorbei sind. Es sei denkbar, dass unterbewertete Währungen wie der japanische Yen in den kommenden Wochen und Monaten wieder anziehen könnten.

Dowding halte es für sehr unwahrscheinlich, dass China oder andere Länder massenhaft US-Staatsanleihen verkaufen würden. Es sei jedoch davon auszugehen, dass die künftige Nachfrage nachlasse. Das könnte das Erholungspotenzial von US-Aktien und -Anleihen einschränken - selbst wenn die nächsten Monate etwas ruhiger verlaufen würden als die vergangenen Wochen.

Europa setze seine eigenen Zölle gegenüber den USA vorerst aus. Dies trage dazu bei, den Inflationsschock in der Region vorerst zu begrenzen. Daher sei es nachvollziehbar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins heute auf 2,25 Prozent senken werde. Eine weitere Senkung auf 2 Prozent noch in diesem Quartal werde in Betracht gezogen.

Nach Meinung von Dowding würden die Marktteilnehmer aber immer noch zu viele Zinssenkungen der EZB einpreisen, wenn man die gleichzeitig geplante Lockerung der Finanzpolitik berücksichtige. Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen sehe Dowding bei etwa 2,75 Prozent als fair bewertet und unter 2,5 Prozent als teuer an.

Dowding sei zuversichtlich, dass die schlimmsten Schwankungen hinter uns liegen könnten. Allerdings würden sich in Asien bereits die Auswirkungen der Trump'schen Zölle auf den Handel zeigen: Die chinesischen Exporte seien zum Stillstand gekommen und in den Häfen würden sich die Waren stauen. Dies führe bereits zu Engpässen bei Komponenten, die für Produkte benötigt würden, die anderswo hergestellt würden. Eine globale Lieferkette sei nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Es wäre ein monumentaler und historischer Akt der Selbstbeschädigung, wenn die US-Regierung eine Rezession verschulden würde. In dieser Hinsicht könnten es sich Trump und sein Team nicht leisten, dass die Märkte das Vertrauen in die US-Politik verlieren würden. Die Finanzmärkte würden auf Vertrauen und Zuversicht basieren, und wenn diese einmal verloren seien, lasse sich beides nicht so leicht wiederherstellen - vor allem, weil die US-Notenbank Federal Reserve schlecht gerüstet sei, um zur Rettung zu kommen. (17.04.2025/alc/a/a)