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USA: Nach Miran-Ernennung - wie unabhängig bleibt die FED?
18.09.25 11:30
AB
München (www.anleihencheck.de) - Das FOMC hat wie erwartet seinen Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 4,0 bis 4,25 Prozent gesenkt, so Eric Winograd, Chief US Economist bei AllianceBernstein.
Die Entscheidung sei im Kontext des Risikomanagements getroffen worden. In seiner Erklärung habe das Komitee festgestellt, dass die Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt gestiegen seien und dass angesichts der veränderten Risikobalance die heutige Zinssenkung angemessen sei. Der begleitende Dot-Plot habe deutlich gemacht, dass weitere Zinssenkungen wahrscheinlich seien: Der Medianwert für 2025 sei nach unten korrigiert worden und zeige nun zwei zusätzliche Senkungen auf einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent bis Jahresende.
FED-Chef Powell habe eingeräumt, dass die Inflationsrisiken nach oben, die Arbeitsmarktrisiken dagegen nach unten gerichtet seien. Da das Komitee zu der Einschätzung komme, dass die Risiken für den Arbeitsmarkt größer seien als die für die Inflation, habe es die Zinsen gesenkt. In den kommenden Sitzungen würden voraussichtlich weitere Zinsschritte nach unten folgen.
Politischer Druck auf die FED
Die eigentliche Aufmerksamkeit habe weniger der Zinssenkung, sondern dem politischen Druck auf die FED gegolten. Die Regierung versuche, Gouverneurin Cook abzusetzen und das Board of Governors mit loyalen Mitgliedern zu besetzen. Dies bedrohe die Unabhängigkeit der Zentralbank - ein Eckpfeiler des globalen Finanzsystems.
Verliere die FED ihre Unabhängigkeit, wäre höhere Inflation nur eine Frage der Zeit. Die Ernennung von Stephen Miran als Gouverneur der US-Zentralbank verdeutliche die Risiken: Nach nur 48 Stunden im Amt habe er der FOMC-Entscheidung widersprochen und sich für drastischere Zinssenkungen ausgesprochen - im Einklang mit den Wünschen des Präsidenten. Anstatt Argumente im Komitee aufzubauen, scheine Miran primär politisches Wohlwollen anzustreben. Sollte dieses Verhalten Schule machen, könnten künftige Präsidenten die Zinspolitik diktieren - mit potenziell gravierenden Folgen.
Märkte würden systemische Risiken unterschätzen
Trotz der Bedrohung für die Unabhängigkeit der FED würden die Renditen bislang stabil bleiben. Historisch zeige sich jedoch, dass Märkte strukturelle Brüche erst sehr spät einpreisen würden. Paul Krugman beschreibe dieses Muster als "Wile-E.-Coyote-Moment": Märkte würden agieren, als sei alles normal - bis klar werde, dass das Fundament fehle, und die Preise abrupt abstürzen würden.
Noch sei die Unabhängigkeit der FED nicht verloren, anhängige Verfahren könnten das verhindern. Doch die Gefahr sei real und könnte langfristig weit größere Folgen haben als einzelne Zinsschritte. In fünf oder zehn Jahren werde sich niemand mehr an die Details einzelner FOMC-Sitzungen erinnern - wohl aber daran, ob die FED ihre Unabhängigkeit habe bewahren können. (18.09.2025/alc/a/a)
Die Entscheidung sei im Kontext des Risikomanagements getroffen worden. In seiner Erklärung habe das Komitee festgestellt, dass die Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt gestiegen seien und dass angesichts der veränderten Risikobalance die heutige Zinssenkung angemessen sei. Der begleitende Dot-Plot habe deutlich gemacht, dass weitere Zinssenkungen wahrscheinlich seien: Der Medianwert für 2025 sei nach unten korrigiert worden und zeige nun zwei zusätzliche Senkungen auf einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent bis Jahresende.
FED-Chef Powell habe eingeräumt, dass die Inflationsrisiken nach oben, die Arbeitsmarktrisiken dagegen nach unten gerichtet seien. Da das Komitee zu der Einschätzung komme, dass die Risiken für den Arbeitsmarkt größer seien als die für die Inflation, habe es die Zinsen gesenkt. In den kommenden Sitzungen würden voraussichtlich weitere Zinsschritte nach unten folgen.
Politischer Druck auf die FED
Verliere die FED ihre Unabhängigkeit, wäre höhere Inflation nur eine Frage der Zeit. Die Ernennung von Stephen Miran als Gouverneur der US-Zentralbank verdeutliche die Risiken: Nach nur 48 Stunden im Amt habe er der FOMC-Entscheidung widersprochen und sich für drastischere Zinssenkungen ausgesprochen - im Einklang mit den Wünschen des Präsidenten. Anstatt Argumente im Komitee aufzubauen, scheine Miran primär politisches Wohlwollen anzustreben. Sollte dieses Verhalten Schule machen, könnten künftige Präsidenten die Zinspolitik diktieren - mit potenziell gravierenden Folgen.
Märkte würden systemische Risiken unterschätzen
Trotz der Bedrohung für die Unabhängigkeit der FED würden die Renditen bislang stabil bleiben. Historisch zeige sich jedoch, dass Märkte strukturelle Brüche erst sehr spät einpreisen würden. Paul Krugman beschreibe dieses Muster als "Wile-E.-Coyote-Moment": Märkte würden agieren, als sei alles normal - bis klar werde, dass das Fundament fehle, und die Preise abrupt abstürzen würden.
Noch sei die Unabhängigkeit der FED nicht verloren, anhängige Verfahren könnten das verhindern. Doch die Gefahr sei real und könnte langfristig weit größere Folgen haben als einzelne Zinsschritte. In fünf oder zehn Jahren werde sich niemand mehr an die Details einzelner FOMC-Sitzungen erinnern - wohl aber daran, ob die FED ihre Unabhängigkeit habe bewahren können. (18.09.2025/alc/a/a)


