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USA: Keine Dringlichkeit für Zinssenkungen
06.06.24 15:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Kurz vor den wichtigen Zentralbankterminen im Juni (EZB: 6.6., FED: 12.6.) sind die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland gesunken, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
T Notes stünden aktuell bei 4,33%, einem Zweimonatstief, und Bunds bei 2,52%, dem niedrigsten Stand seit zwei Wochen. Haupttreiber seien die enttäuschenden US-Konjunkturdaten, insbesondere der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie und Arbeitsmarktzahlen (JOLTS und ADP). Lediglich die Zahlen zum Dienstleistungssektor ISM-Einkaufsmanagerindex seien positiv gewesen. In Europa hätten neue Daten gefehlt, abgesehen von enttäuschenden Einzelhandelsumsätzen in Deutschland. Die Inflationszahlen der Eurozone hätten leicht über den Erwartungen gelegen und könnten den EZB-Rat verunsichern, der heute wahrscheinlich die Zinswende einleiten werde. Bei der FED sei eine Zinswende kommunikativ nicht konkret in Sicht, doch die Märkte würden nach den jüngsten Konjunkturzahlen sicherer als zuvor die erste Zinssenkung im September erwarten, im Einklang mit der Einschätzung von HCOB Economics.
Die US-Wirtschaft habe in den vergangenen Tagen mehrere Schwächesignale gesendet, die die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen auf Talfahrt geschickt hätten. Der ISM Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei im Mai 2024 unerwartet auf 48,7 von 49,2 im April gesunken und habe damit unter den Prognosen von 49,6 gelegen. Auch die Arbeitsmarktzahlen hätten enttäuschten: Die Zahl der offenen Stellen sei im April 2024 um 296.000 auf 8,059 Millionen gesunken, den niedrigsten Stand seit Februar 2021, und habe den Marktkonsens von 8,34 Millionen verfehlt. Ebenfalls unerfreulich seien die Zahlen der Kündigungen in den USA gewesen, die von 3,4 Millionen im März auf 3,5 Millionen im April 2024 gestiegen seien. Die Kündigungsquote, die den Anteil freiwilliger Jobausgänger an der Gesamtbeschäftigung messe, habe den sechsten Monat in Folge bei 2,2% verharrt.
Auch die ADP-Zahlen, die häufig nicht direkt mit den Non-Farm Payrolls korrelieren würden, hätten die Anleger enttäuscht: Private Unternehmen in den USA hätten im Mai 2024 nur 152.000 Mitarbeiter auf ihre Gehaltsliste gesetzt, so wenige wie seit vier Monaten nicht mehr. Einziger Lichtblick sei der US-Dienstleistungssektor gewesen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen sei im Mai 2024 auf 53,8 gestiegen, den höchsten Stand seit neun Monaten, und habe deutlich über den Prognosen von 50,8 gelegen. Diese positive Zahl habe den Abwärtstrend jedoch nicht umkehren können.
In der Eurozone habe es in den vergangenen Tagen relativ wenige Konjunkturdaten gegeben, die jedoch die ohnehin negative Stimmung durch die schwachen US-Zahlen verstärkt hätten. Die Einzelhandelsumsätze in Deutschland seien im April 2024 um 1,2% gegenüber dem Vormonat geschrumpft und hätten damit deutlich unter den Prognosen eines Rückgangs von 0,2% gelegen. Dies folge auf einen starken Anstieg von 2,6% im März. Ein Dämpfer für den EZB-Rat sei durch die wieder ansteigende Inflation gekommen. Die jährliche Inflationsrate im Euroraum sei im Mai 2024 erstmals seit fünf Monaten von 2,4% auf 2,6% gestiegen und habe damit die Prognosen von 2,5% übertroffen. In den großen Volkswirtschaften habe sich die harmonisierte Inflationsrate in Deutschland (2,8%), Frankreich (2,7%), Spanien (3,8%) und Italien (0,8%) stärker als erwartet beschleunigt.
Trotz der ungünstigen Preisentwicklung sei die Zinsentscheidung für den Juni nicht gefährdet. Allerdings wachse die Verunsicherung an den Finanzmärkten, denn wenn die Inflation nicht unter Kontrolle gebracht werde, könnten weitere Zinssenkungen in Gefahr geraten. Der Chefökonom der EZB, Philip Lane, habe kürzlich betont, dass das Tempo künftiger Zinssenkungen langsamer sein werde, wenn es positive Überraschungen bei der zugrunde liegenden Inflation gebe. Heute (06.06.) werde weniger die Zinsentscheidung selbst die Märkte bewegen, sondern vielmehr die Inflationsprojektionen der EZB. Sollten diese stärker steigen, könnte dies die Verunsicherung auf den Märkten verstärken. HCOB Economics gehe weiterhin von drei Zinssenkungen, einschließlich Juli, bis zum Jahresende aus.
Die FED zeige sich geldpolitisch gemächlicher als die EZB. John Williams, der Währungshüter des FED-Bezirks New York, sehe derzeit keine unmittelbare Notwendigkeit, die Zinssätze zu senken. Angesichts der Stärke der Wirtschaft auf dem aktuellen Niveau der Geldpolitik habe die FED Zeit, weitere Daten zu sammeln, bevor sie ihre Politik ändere. "Ich sehe keine Dringlichkeit für eine Zinssenkung in naher Zukunft", habe Williams ergänzt. HCOB Economics prognostiziere für die FED bis zum Jahresende zwei Zinssenkungen, beginnend ab September.
Datenseitig stünden in Deutschland zwei wichtige Termine an, beide am 7. Juni. Zum einen würden die Außenhandelsdaten (April) erwartet, die Hinweise auf den konjunkturellen Zustand Deutschlands geben würden. Zum anderen stünden die Industrieproduktionszahlen an, und es sehe danach aus, als ob die deutsche Industrieproduktion im April zugelegt haben könnte - zumindest wenn man den LKW-Mautindex betrachte, der historisch gut mit der Industrieproduktion korreliere. Allerdings werde allgemein erwartet, dass das Baugewerbe im zweiten Quartal schrumpfen werde, nachdem es im ersten Quartal unnatürlich stark zugenommen habe.
In den USA werde es ebenfalls spannend, da das Juni-Meeting der FED (12.06.) anstehe. Daher dürften die FED-Mitglieder besonders auf den Arbeitsmarktbericht (07.06.) achten. Laut Konsensprognosen seien im Mai etwa 185.000 neue Stellen geschaffen worden, was leicht über dem Aprilwert liege. Die Arbeitslosenrate dürfte unverändert bei 3,9% geblieben sein. Noch vor der Zinsentscheidung würden die CPI-Daten der USA erwartet. Der HCOB Nowcast gehe von einem Anstieg um 0,3% im Vergleich zum Vormonat aus. Die Kernrate dürfte ebenfalls um 0,3% gestiegen sein, während die Energie- und Lebensmittelinflation etwas weniger stark zulegen dürften. (06.06.2024/alc/a/a)
T Notes stünden aktuell bei 4,33%, einem Zweimonatstief, und Bunds bei 2,52%, dem niedrigsten Stand seit zwei Wochen. Haupttreiber seien die enttäuschenden US-Konjunkturdaten, insbesondere der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie und Arbeitsmarktzahlen (JOLTS und ADP). Lediglich die Zahlen zum Dienstleistungssektor ISM-Einkaufsmanagerindex seien positiv gewesen. In Europa hätten neue Daten gefehlt, abgesehen von enttäuschenden Einzelhandelsumsätzen in Deutschland. Die Inflationszahlen der Eurozone hätten leicht über den Erwartungen gelegen und könnten den EZB-Rat verunsichern, der heute wahrscheinlich die Zinswende einleiten werde. Bei der FED sei eine Zinswende kommunikativ nicht konkret in Sicht, doch die Märkte würden nach den jüngsten Konjunkturzahlen sicherer als zuvor die erste Zinssenkung im September erwarten, im Einklang mit der Einschätzung von HCOB Economics.
Die US-Wirtschaft habe in den vergangenen Tagen mehrere Schwächesignale gesendet, die die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen auf Talfahrt geschickt hätten. Der ISM Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei im Mai 2024 unerwartet auf 48,7 von 49,2 im April gesunken und habe damit unter den Prognosen von 49,6 gelegen. Auch die Arbeitsmarktzahlen hätten enttäuschten: Die Zahl der offenen Stellen sei im April 2024 um 296.000 auf 8,059 Millionen gesunken, den niedrigsten Stand seit Februar 2021, und habe den Marktkonsens von 8,34 Millionen verfehlt. Ebenfalls unerfreulich seien die Zahlen der Kündigungen in den USA gewesen, die von 3,4 Millionen im März auf 3,5 Millionen im April 2024 gestiegen seien. Die Kündigungsquote, die den Anteil freiwilliger Jobausgänger an der Gesamtbeschäftigung messe, habe den sechsten Monat in Folge bei 2,2% verharrt.
Auch die ADP-Zahlen, die häufig nicht direkt mit den Non-Farm Payrolls korrelieren würden, hätten die Anleger enttäuscht: Private Unternehmen in den USA hätten im Mai 2024 nur 152.000 Mitarbeiter auf ihre Gehaltsliste gesetzt, so wenige wie seit vier Monaten nicht mehr. Einziger Lichtblick sei der US-Dienstleistungssektor gewesen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen sei im Mai 2024 auf 53,8 gestiegen, den höchsten Stand seit neun Monaten, und habe deutlich über den Prognosen von 50,8 gelegen. Diese positive Zahl habe den Abwärtstrend jedoch nicht umkehren können.
Trotz der ungünstigen Preisentwicklung sei die Zinsentscheidung für den Juni nicht gefährdet. Allerdings wachse die Verunsicherung an den Finanzmärkten, denn wenn die Inflation nicht unter Kontrolle gebracht werde, könnten weitere Zinssenkungen in Gefahr geraten. Der Chefökonom der EZB, Philip Lane, habe kürzlich betont, dass das Tempo künftiger Zinssenkungen langsamer sein werde, wenn es positive Überraschungen bei der zugrunde liegenden Inflation gebe. Heute (06.06.) werde weniger die Zinsentscheidung selbst die Märkte bewegen, sondern vielmehr die Inflationsprojektionen der EZB. Sollten diese stärker steigen, könnte dies die Verunsicherung auf den Märkten verstärken. HCOB Economics gehe weiterhin von drei Zinssenkungen, einschließlich Juli, bis zum Jahresende aus.
Die FED zeige sich geldpolitisch gemächlicher als die EZB. John Williams, der Währungshüter des FED-Bezirks New York, sehe derzeit keine unmittelbare Notwendigkeit, die Zinssätze zu senken. Angesichts der Stärke der Wirtschaft auf dem aktuellen Niveau der Geldpolitik habe die FED Zeit, weitere Daten zu sammeln, bevor sie ihre Politik ändere. "Ich sehe keine Dringlichkeit für eine Zinssenkung in naher Zukunft", habe Williams ergänzt. HCOB Economics prognostiziere für die FED bis zum Jahresende zwei Zinssenkungen, beginnend ab September.
Datenseitig stünden in Deutschland zwei wichtige Termine an, beide am 7. Juni. Zum einen würden die Außenhandelsdaten (April) erwartet, die Hinweise auf den konjunkturellen Zustand Deutschlands geben würden. Zum anderen stünden die Industrieproduktionszahlen an, und es sehe danach aus, als ob die deutsche Industrieproduktion im April zugelegt haben könnte - zumindest wenn man den LKW-Mautindex betrachte, der historisch gut mit der Industrieproduktion korreliere. Allerdings werde allgemein erwartet, dass das Baugewerbe im zweiten Quartal schrumpfen werde, nachdem es im ersten Quartal unnatürlich stark zugenommen habe.
In den USA werde es ebenfalls spannend, da das Juni-Meeting der FED (12.06.) anstehe. Daher dürften die FED-Mitglieder besonders auf den Arbeitsmarktbericht (07.06.) achten. Laut Konsensprognosen seien im Mai etwa 185.000 neue Stellen geschaffen worden, was leicht über dem Aprilwert liege. Die Arbeitslosenrate dürfte unverändert bei 3,9% geblieben sein. Noch vor der Zinsentscheidung würden die CPI-Daten der USA erwartet. Der HCOB Nowcast gehe von einem Anstieg um 0,3% im Vergleich zum Vormonat aus. Die Kernrate dürfte ebenfalls um 0,3% gestiegen sein, während die Energie- und Lebensmittelinflation etwas weniger stark zulegen dürften. (06.06.2024/alc/a/a)


