USA: Inflation wird sich 2023 voraussichtlich weniger stark als erwartet zurückbilden


06.12.22 10:58
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die US-Wirtschaft wird 2023 um 0,9% wachsen, nach 2,0% in 2022, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Da sich das Wachstum in den USA insbesondere in H2 2023 in Reaktion auf die straffere Geldpolitik bzw. die teureren Finanzierungsbedingungen abschwächen dürfte, sollte das Jahreswachstum auch 2024 schwach ausfallen (+0,7%).

Bislang habe sich die US-Wirtschaft als sehr resilient gegenüber dem schwierigen Umfeld erwiesen, das unter anderem durch relativ aggressive Zinserhöhungen, einen deutlichen Anstieg der Energiepreise, kräftige Lohnzuwächse und eine hohe Inflation gekennzeichnet sei. Insbesondere der Arbeitsmarkt habe bis zuletzt solide Beschäftigungszuwächse gezeigt, was den privaten Konsum gestützt habe.

Auch die Unternehmensgewinne hätten sich gut entwickelt, da viele Firmen nicht nur die höheren Kosten an die Konsumenten weiterreichen würden, sondern teilweise die Gelegenheit genutzt hätten, ihre Gewinnmargen auszuweiten. Der private Konsum sei auch deswegen so robust geblieben, weil viele Menschen in den vergangenen beiden Jahren in Zuge der massiven staatlichen Hilfspakete Ersparnisse hätten aufbauen können, die nunmehr als wichtiger Puffer dienen würden.

Die Inflation habe offensichtlich ihren Höhepunkt überschritten. Dies gelte insbesondere für die CPI-Gesamtinflationsrate, die im Oktober auf 7,7% gefallen sei (PCE Sep: 6,2%). Allerdings bilde sich die Kernrate (ohne Energie und Lebensmittel) nicht ganz so eindeutig zurück.

Angesichts des Inflationsrückgangs werde allgemein davon ausgegangen, dass die FED ihren Leitzins auf den kommenden Sitzungen nicht mehr wie zuletzt geschehen um 75 Basispunkte (BP), sondern nur noch um 50 BP oder weniger anheben werde, sodass per März 2023 der Leitzins bei 4,75% bis 5,00% liegen sollte. Allerdings würden die Analysten es für gut möglich halten, dass die Löhne angesichts fortbestehender Arbeitskräfteknappheit weiter kräftig steigen würden und daher die Inflation in H2 2023 mit rund 4% etwa doppelt so hoch bleibe, wie das von der FED angestrebt werde.

Die von den Analysten erwartete Schwäche der Wirtschaft könnte die FED dennoch veranlassen, den Leitzins leicht zu senken (um 0,5 Prozentpunkte), aber dann dürfte der Leitzins auf diesem relativ hohen Niveau verbleiben, da die Inflation weiterhin zu hoch sein werde. Die FED werde den vorsichtigen Bilanzabbau fortführen und einen abnehmenden Teil der fällig werdenden Anleihen reinvestieren, was zu dem von den Analysten erwarteten Anstieg der langfristigen Renditen beitragen sollte. (Ausgabe Finanzmarkttrends Dezember 2022) (06.12.2022/alc/a/a)