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UK-Haushalt: Steuern steigend, Risiken bleiben hoch


27.11.25 09:00
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Neil Mehta, Macro Portfolio Manager bei RBC BlueBay Asset Management, kommentiert den frisch verabschiedeten Staatshaushalt des Vereinigten Königreichs.

Finanzministerin Rachel Reeves versuche, den Markt mit 22 Milliarden Pfund Zusatzspielraum und optimistischen Wachstumsprognosen auf ihre Seite zu bringen. Die harte Realität zeige sich allerdings in den Details - und die seien nach wie vor alles andere als überzeugend.

Ein Großteil der Maßnahmen zur Steigerung der Steuereinnahmen sei auf später verschoben worden (Einkommenssteuerfreibeträge), unterschätze die Auswirkungen auf das Verhalten der Steuerpflichtigen (Lohnverzicht zugunsten der Altersvorsorge) oder sei einfach schlecht konzipiert (hohe Grundsteuer). Gleichzeitig unternehme Reeves wenig, um die kontinuierlich steigenden Kosten für Sozialleistungen, Renten und steigende Verteidigungsausgaben in den Griff zu bekommen.

Die Steuereinnahmen sollten den jüngsten Rekordwert von 38,3% des BIP wieder erreichen - aus Wählersicht sei das wenig attraktiv. Zusammen mit den bestehenden Wachstumssorgen und sinkenden Beliebtheitswerten in der Bevölkerung dürfte damit der politische Druck auf die Regierung aus den Reihen ihrer eigenen Partei kaum nachlassen.

Der Abschnitt "Risiken" im Bericht des Office for Budget Responsibility (OBR) werfe ein Schlaglicht auf diese Gefahr: Wenn das nominale BIP im Prognosezeitraum jedes Jahr um nur 0,3 Prozentpunkte hinter den Erwartungen zurückbleibe, sei der geplante Spielraum bereits aufgebraucht. Dasselbe gelte, wenn die Steuereinnahmen im Prognosezeitraum jedes Jahr um einen Prozentpunkt sinken würden. Und falls die Renditen britischer Staatsanleihen im Prognosezeitraum jedes Jahr um einen Prozentpunkt steigen würden, sei der Spielraum ebenfalls fast aufgebraucht.

Das Risiko, dass die Regierung in einem Jahr erneut Steuererhöhungen fordere, bleibe hoch. Das werde die Märkte auf absehbare Zeit weiterhin verunsichern. Die vorgestellten Änderungen seien kaum geeignet, um die in Staatsanleihen und dem Pfund enthaltene Risikoprämie zu reduzieren. (Ausgabe vom 26.11.2025) (27.11.2025/alc/a/a)