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UK-Anleihen bieten gute Investmentchancen - selbst bei einem Brexit


30.05.16 10:50
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - In weniger als einem Monat, am 23. Juni, entscheiden die Briten über die Mitgliedschaft in der Europäischen Union, so die Experten von GAM.

Fondsmanager Gregoire Mivelaz sei der Meinung, dass sich die Anlageperspektiven in bestimmten Bereichen selbst bei einem Austritt nicht wesentlich verschlechtern würden.

"Wir gehen davon aus, dass die Bank of England im Falle eines Brexit die Zinsen umgehend - also noch am 24. Juni - senken wird und zudem eine umfassende geldpolitische Lockerung ankündigt. Teilweise berücksichtigt der britische Rentenmarkt das Risiko eines Brexit bereits zum jetzigen Zeitpunkt, am kurzen Ende der Zinskurve könnten die Kurse allerdings noch steigen. Am langen Ende der Zinskurve investieren vor allem institutionelle Investoren aus dem Vereinigten Königreich. Auch hier könnten die Renditen noch sinken, wenn diese UK-Investoren nach einem Brexit Kapital ins Inland rückführen möchten. Die Unsicherheit bezüglich Staatsanleihen mit einer fünf- bis zehnjährigen Laufzeit würde bestehen bleiben", erkläre Mivelaz.

Für britische Unternehmensanleihen sei der Fondsmanager trotz der Unsicherheit optimistischer. "Die Perspektive für Anleihen von britischen Unternehmen mit internationaler Ausrichtung schätzen wir als sehr gut ein, darunter zum Beispiel HSBC, Prudential und Aberdeen. Wir favorisieren nachrangige Darlehen, sogenannte Junior Debt, von nationalen Champions. Denn die nachrangigen Anleihen von Unternehmen mit Investment-Grade-Rating profitieren von der hohen Kreditqualität der Emittenten und Investoren erhalten signifikant höhere Erträge als bei erstrangigen Anleihen", so Mivelaz. Die Erträge dieser Anleihen könnten drei- bis siebenmal über denen von erstrangigen Papieren liegen, obwohl das Ausfallrisiko bei beiden gleich sei.

Attraktive Investmentchancen identifiziere Mivelaz insbesondere im Bankensektor. Der anhaltende Druck durch regulatorische Anforderungen würde das gesamte System sicherer und belastbarer machen - das gelte unabhängig vom Ausgang des EU-Referendums. Höhere Kapitalanforderungen, Schuldenabbau und eine Stärkung der Bilanzen über den gesamten Bankensektor hinweg seien auch von Vorteil für Anleiheinvestoren.

"Gerade in der Bankenbranche findet ein mehrjähriger Prozess statt, der darauf abzielt, die regulatorischen Eigenkapitalvorschriften umzusetzen. Außerdem bemühen sich die Vorstände der Banken redlich, Risikoaktiva abzubauen", sage Mivelaz. Darüber hinaus hätten Banken zunehmend ihre Geschäftsmodelle vereinfacht, wodurch sie sich von unvorhersehbaren Trading-Aktivitäten entfernt und an besser planbaren Modellen der Ertragsgenerierung orientiert hätten.

"Wir sehen immer noch Kosten auf die Banken zukommen, darunter Restrukturierungs- und Gerichtskosten, aber das Gros der Kosten fiel für die meisten Institute vergangenes oder dieses Jahr an. Banken haben wieder das Potenzial, ihre Investoren künftig positiv zu überraschen. Egal, wie das Referendum über die EU-Mitgliedschaft ausfällt", prognostiziere Mivelaz. (30.05.2016/alc/a/a)