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Die Türkei: Ein geldpolitischer Sonderfall?


12.08.20 11:00
State Street Global Markets

Boston (www.anleihencheck.de) - Während wir in den vergangenen Wochen ein Wiederaufflammen der Turbulenzen in der Türkei gesehen haben, ist für die meisten Anleger nicht ihr direktes Engagement in türkische Vermögenswerte von Bedeutung, sondern die Frage, ob dies ein Risiko für den Rest der Schwellenländer darstellt, so Ben Luk, Senior Multi-Asset Stratege bei State Street Global Markets.

Aufgrund der Veränderung der impliziten Volatilität hätten die Anleger dies bisher als idiosynkratisches Risiko mit einem Anstieg der Türkischen Lira, aber nicht der übrigen Schwellenländer-Währungen mit hohem Beta bewertet. Wir glauben, dass ein Teil davon auf das unterstützende makroökonomische Umfeld zurückzuführen ist, d.h. auf die reichlich vorhandene Liquidität und die anhaltende Dollarschwäche, so Ben Luk, Senior Multi-Asset Stratege bei State Street Global Markets. Aber sei diese Abkopplung zwischen der Türkei und den Schwellenländern mittelfristig nachhaltig?

Die Türkei stelle allem Anschein nach einen Sonderfall dar, der keine größeren Auswirkungen auf andere Schwellenländer haben sollte, da die unkonventionellen politischen Entscheidungen, die zu dieser Marktvolatilität geführt hätten, anderswo nicht zu beobachten seien. Zwar würden andere Schwellenländer negative Raten aufweisen, doch liege dies nicht an der gleichen Kombination von geldpolitischen Lockerungen inmitten eines hohen (und steigenden) Inflationsdrucks. Darüber hinaus hebe sich die Türkei von den übrigen Schwellenländern ab, da ihre Devisenreserven seit Anfang des Jahres erschöpft seien. Der perfekte Sturm multipler Faktoren und Anfälligkeiten scheine in vielen anderen Schwellenländern nicht zu existieren. Dies führt uns zu der Annahme, dass die Turbulenzen in der Türkei ein auf diesen Markt begrenztes Sonderthema darstellen, so Ben Luk, Senior Multi-Asset Stratege bei State Street Global Markets. Wenn es Spillover-Effekte auf weitere Schwellenländer gäbe, dann wahrscheinlich durch Auswirkungen auf die breitere Risikostimmung, die zugegebenermaßen zerbrechlich sei. (12.08.2020/alc/a/a)