Tschechien: Strukturell hohe Inflation bremst Zinssenkungszyklus aus


03.12.24 10:40
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Im September stieg die Industrieproduktion in Tschechien gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent, so die Analysten von Postbank Research.

Allerdings zeige sich ein Rückgang im Vergleich zu den starken Produktionsdaten aus dem Vormonat. Die Zahl der Beschäftigten sei auf 12-Monats-Sicht um 2 Prozent gesunken, jedoch sei der jährliche Durchschnittslohn im September um 5,4 Prozent weiter angestiegen. Seit Jahresanfang belaufe sich das Einkommensplus somit auf rund 7 Prozent. Dies dürfte sich positiv auf die Konsumnachfrage auswirken. Allerdings bleibe eines der größten Fragezeichen für eine nachhaltige Erholung der Industrie die schwache Lage in Deutschland.

Der private Konsum habe seine robuste Entwicklung aus dem Vormonat fortgesetzt. Die Einzelhandelsumsätze hätten im September um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr angezogen. Ausgaben ex Nahrungsmitteln seien auf Monatssicht um 0,4 Prozent angestiegen. Für die Konjunkturerholung sei der starke Konsum eine wichtige Stütze. Dank der weiterhin soliden Realeinkommenszuwächse könnte dieser positive Impuls noch eine Zeit anhalten und somit die potenzielle Industrieabschwächung etwas kompensieren.

Die Inflation habe erneut angezogen. Im Oktober sei sie auf 2,8 Prozent zum Vorjahr gestiegen und habe somit um 0,2 Prozentpunkte über dem Vormonat gelegen. Die Notenbank habe in diesem Umfeld kürzlich den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent gesenkt. Aufgrund der schwachen Konjunktur bestehe noch Spielraum für Zinssenkungen, jedoch limitiere die strukturell hohe Dienstleistungsinflation das Tempo.

Die Krone dürfte sich in den kommenden sechs Monaten zum Euro leicht auf EUR/CZK (Tschechische Krone) 25,8 abschwächen. (Ausgabe Währungsbulletin Dezember 2024) (03.12.2024/alc/a/a)