Erweiterte Funktionen

Trumps Zollkrieg: US-Staatsanleihen verlieren Sicherheitsfunktion


14.04.25 11:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Investoren kaufen US-Staatsanleihen, weil sie als risikoarm und stabil gelten. Doch mit dem Angriff von US-Präsident Donald Trump auf den Welthandel stellen Anleger weltweit diese Sicherheit in Frage, so die Experten von "FONDS professionell".

Innert einer Woche seien die Renditen, die sich Anleger für zehnjährige US-Bonds erwarten würden, auf ein vieljähriges Hoch von mehr als 4,5 Prozent gestiegen, während umgekehrt die Anleihekurse nach unten gerasselt seien. Es handle sich laut "Bloomberg" um den größten Anstieg seit 2001. "Das ist nicht normal", so Ajay Rajadhyaksha von Barclays.

Dass dies zeitgleich mit dem Absacken der Aktienmärkte passiere, mache den Investoren Sorgen: Staatsanleihen würden - zumindest in der Lehrbuchmeinung - auch deshalb gekauft, weil sie sich für gewöhnlich gegenläufig zum Aktienmarkt entwickeln würden. Würden die einen steigen, würden die anderen fallen, woraus sich ein Absicherungseffekt ergebe. Momentan aber würden sich US-Treasuries eher verhalten wie risikoreiche Assets, zitiere "Bloomberg" besorgte Analysten.

Besonders bei längerfristigen Schuldtiteln seien in den vergangenen Tagen die Renditen stark gestiegen (und umgekehrt die Preise gefallen), während der Wert des US-Dollar ebenfalls nachgelassen habe. Vor allem langlaufende Titel von zehn oder 30 Jahren seien in Panik verkauft worden.

"Staatsanleihen verhalten sich nicht als sicherer Hafen", habe ING-Zinsstratege Padhraic Garvey gesagt. Momentan seien Treasuries ein "verdorbenes Produkt", und "das ist kein angenehmes Terrain. Auch Staatsanleihen haben sich als schmerzhaftes Geschäft erwiesen."

"Das Kapital verlässt die USA in zunehmendem Tempo, da die Stellung des Dollar als Reservewährung geschwächt wird und das Risiko einer Rezession die Wahrscheinlichkeit eines inflationstreibenden zweistelligen Haushaltsdefizits erhöht", werde ein anderer Analyst zitiert.

Auch Top-Banker würden die Turbulenzen auf dem Anleihemarkt mit Sorge beobachten, wie das "Handelsblatt" berichte. Jamie Dimon, CEO von Amerikas größter Bank, JP Morgan Chase, erwarte einen "Aufruhr". Am Ende werde die US-Notenbank Fed einschreiten müssen, um die Märkte zu beruhigen.

Die Geldpolitiker hätten am Freitag zu beschwichtigen versucht. Die Fed sei "auf jeden Fall darauf vorbereitet", im Ernstfall einzuspringen und Liquidität bereitzustellen, habe Susan Collins, Chefin der regionalen Fed in Boston betont. Auch während der Pandemie sei die Fed mit billionenschweren Anleihekäufen eingesprungen, um in Zeiten großer Verunsicherung Liquidität zu gewährleisten. So ein Schritt würde jedoch die Inflation zusätzlich anheizen, wie ein Portfoliomanager in New York zu bedenken gebe, so das "Handelsblatt".

Selbst wenn der Zollkrieg abklingen sollte, könnte die Situation schwierig bleiben, heiße es bei "Bloomberg". Der Markt habe den politischen Entscheidungsträgern in Washington eine Botschaft übermittelt: Das Vertrauen der Anleger in US-Anleihen könne nicht länger als selbstverständlich angesehen werden - nicht nach einer jahrelangen Kreditaufnahme, die die Schuldenlast habe anschwellen lassen, und nicht mit einem Präsidenten im Weißen Haus, der wild entschlossen sei, die Regeln im In- und Ausland neu zu schreiben, würden "Bloomberg"-Analysten schreiben. Dabei würden viele der größten Gläubiger des Landes ins Spiel kommen.

"Staatsanleihen und der Dollar beziehen ihre Stärke aus der weltweiten Wahrnehmung der Kompetenz des amerikanischen Finanz- und Geldmanagements und der Solidität der amerikanischen politischen und finanziellen Institutionen", habe Jim Grant, Gründer von Grant's Interest Rate Observer, einem viel beachteten Finanznewsletter gesagt. "Möglicherweise überlegt es sich die Welt noch einmal." (Bloomberg/eml) (14.04.2025/alc/a/a)