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Tanzt die US-Geldpolitik wieder aus der Reihe?
19.04.21 13:15
AB
München (www.anleihencheck.de) - Die Weltwirtschaft steht 2021 im Zeichen der Erholung - die Geschwindigkeit und das Ausmaß werden sich je nach Region jedoch stark unterscheiden, so die Experten von AB.
"Während die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts der USA die höchsten seit vielen Jahrzehnten werden könnten, wird die Eurozone anderen entwickelten Volkswirtschaften hinterherhinken", sage Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).
Das globale Wirtschaftswachstum werde sich in den nächsten Monaten beschleunigen - vorausgesetzt, dass die Impfungen gegen Covid-19 erfolgreich verlaufen würden und es nicht zu weiteren Ausbrüchen, neuen Mutationen und weiteren Lockdown-Maßnahmen komme. Die Erholung könnte jedoch dazu führen, dass der Konsens der großen entwickelten Volkswirtschaften im Hinblick auf niedrige Anleiherenditen bröckele. Vor allem die Federal Reserve (FED) könnte sich veranlasst sehen, der Wirtschaft ihre geldpolitische Unterstützung allmählich wieder zu entziehen. Als möglicherweise problematisch sähen die Experten von AB steigende Anleiherenditen, falls die Zentralbanken es nicht schaffen würden, ihre Reflationsnarrative zu kontrollieren. Und auch eine vorübergehend anziehende Inflation in den USA, verursacht durch einen starken Anstieg der Nachfrage bei knappem Angebot und dem größten Geldmengenwachstum seit den 1980er Jahren, könnte für Anleger zu einer bösen Überraschung werden.
Unser Ausblick für das Konjunkturwachstum der USA war nie robuster: Die Wiedereröffnung der Volkswirtschaft bei gleichzeitigem massivem Ausmaß an fiskalischer und geldpolitischer Unterstützung schafft eine Grundlage für Wachstumsraten, die wir seit vielen Jahrzehnten nicht mehr beobachtet haben, so die Experten von AB. Daher würden die Experten von AB mit einer Steigerung des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,5 Prozent in 2021 und 4,6 Prozent in 2022 rechnen. Lang ersehnte Infrastrukturprojekte könnten dabei das Wachstum in den kommenden Jahren weiter stützen.
Mit der Wiederaufnahme der Wirtschaftstätigkeit und durch die Stützmaßnahmen könnten Preise steigen - eine mittelfristig anziehende Inflation erwarte man jedoch nicht, denn die Wirtschaftsleistung bleibe weiterhin unter dem Vorkrisenniveau. Auch die FED dürfte das ähnlich sehen - und es sollte, zumindest im Frühjahr und Sommer 2021, nicht zu einer Reaktion kommen.
Zwar dürfte sich auch in Europa eine wirtschaftliche Erholung einstellen - diese werde jedoch wahrscheinlich sowohl zeitlich als auch im Hinblick auf ihr Ausmaß hinter anderen Industrieländern zurückbleiben, unter anderem aufgrund des Auftauchens neuer Virusmutationen, eines schleppenden Fortschritts bei den Impfungen sowie neuer Virusausbrüche, die die Regierungen zu neuen Einschränkungsmaßnahmen zwingen würden. Dennoch habe das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten angenehm überrascht, getrieben durch ein starkes Verarbeitendes Gewerbe sowie die Tatsache, dass die Regierungen ihre Dienstleistungssektoren stärker schützen würden als noch vor einem Jahr. Unterdessen bleibe der Inflationsdruck trotz kurzfristiger Ausschläge schwach - und in einer Zeit, in der US-Renditen steigen könnten, werde die Europäische Zentralbank alles tun, um die Anleiherenditen auf dem aktuellen Niveau zu verankern.
Chinas Situation sei einzigartig: Das Land habe seinen Wachstumstrend von vor der Pandemie wiederaufnehmen können und dabei alle anderen großen Volkswirtschaften weit hinter sich gelassen. Die Experten von AB würden für 2021 mit einem realen BIP-Wachstum von 9,5 Prozent rechnen. Nun könne sich die Regierung anderen "Stabilitätszielen" zuwenden, beispielsweise der Gesamtverschuldung oder den spekulativen Exzessen an den Immobilien- und Aktienmärkten.
Ein möglicher Gegenwind könnte dadurch entstehen, dass die globale Exportnachfrage in der zweiten Jahreshälfte abflaue, da die Einführung von Impfstoffen eine Wiederaufnahme des Konsums von Dienstleistungen und eine Abkehr von Konsumgütern ermögliche. Dies betreffe sowohl China als auch andere asiatische Länder (ohne Japan). Bis auf wenige Ausnahmen bei Ländern, wo der Tourismus einen wichtigen Wirtschaftstreiber darstelle, sähen die Experten von AB aber auch hier eine positive Entwicklung: Die meisten Staaten hätten die Verbreitung von Covid-19 effektiv unter Kontrolle gebracht und von der Erholung des globalen Handels profitiert. Vor allem Taiwan und Südkorea würden hier zu den Gewinnern zählen.
In den Schwellenländern hätten steigende Realzinsen in den Industrieländern und die Zurückhaltung der FED bei der Absenkung der Renditen den Optimismus zu Beginn des Zyklus gedämpft und es habe keine Verengung der Spreads von hochverzinslichen und Investment-Grade-Staatsanleihen stattgefunden. Die Währungen der Schwellenländer hätten zudem gegenüber dem US-Dollar an Boden verloren, während die lokalen Schuldenmärkte durch höhere Kernrenditen und eine steigende lokale Inflation unter Druck geraten seien. Die Experten von AB würden nicht davon ausgehen, dass sich ein Anstieg der Kernrenditen dramatisch auf die heute widerstandsfähigeren Schwellenländer auswirken werde. Dennoch dürfte die Inflationsrisikoprämie ansteigen und Schwellenländer-Assets benachteiligen.
Die Geschwindigkeit der Haushaltskonsolidierung bleibe zwar ein wichtiger Faktor, aber der Fokus habe sich nun auf die Geschwindigkeit der geldpolitischen Normalisierung verlagert. Die Leitzinsen in den Schwellenländern seien jedoch nach wie vor auf eine wirtschaftliche Rezession kalibriert und die Risikobilanz habe sich in Richtung höherer Leitzinsen verschoben. Und obwohl die Bewertungen lokaler Schuldtitel in den Schwellenländern allmählich interessant erscheinen, halten wir es für sinnvoll, in den Anfangsphasen der Inflation und der geldpolitischen Normalisierung geduldig zu bleiben, so die Experten von AB. (19.04.2021/alc/a/a)
"Während die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts der USA die höchsten seit vielen Jahrzehnten werden könnten, wird die Eurozone anderen entwickelten Volkswirtschaften hinterherhinken", sage Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).
Das globale Wirtschaftswachstum werde sich in den nächsten Monaten beschleunigen - vorausgesetzt, dass die Impfungen gegen Covid-19 erfolgreich verlaufen würden und es nicht zu weiteren Ausbrüchen, neuen Mutationen und weiteren Lockdown-Maßnahmen komme. Die Erholung könnte jedoch dazu führen, dass der Konsens der großen entwickelten Volkswirtschaften im Hinblick auf niedrige Anleiherenditen bröckele. Vor allem die Federal Reserve (FED) könnte sich veranlasst sehen, der Wirtschaft ihre geldpolitische Unterstützung allmählich wieder zu entziehen. Als möglicherweise problematisch sähen die Experten von AB steigende Anleiherenditen, falls die Zentralbanken es nicht schaffen würden, ihre Reflationsnarrative zu kontrollieren. Und auch eine vorübergehend anziehende Inflation in den USA, verursacht durch einen starken Anstieg der Nachfrage bei knappem Angebot und dem größten Geldmengenwachstum seit den 1980er Jahren, könnte für Anleger zu einer bösen Überraschung werden.
Unser Ausblick für das Konjunkturwachstum der USA war nie robuster: Die Wiedereröffnung der Volkswirtschaft bei gleichzeitigem massivem Ausmaß an fiskalischer und geldpolitischer Unterstützung schafft eine Grundlage für Wachstumsraten, die wir seit vielen Jahrzehnten nicht mehr beobachtet haben, so die Experten von AB. Daher würden die Experten von AB mit einer Steigerung des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,5 Prozent in 2021 und 4,6 Prozent in 2022 rechnen. Lang ersehnte Infrastrukturprojekte könnten dabei das Wachstum in den kommenden Jahren weiter stützen.
Zwar dürfte sich auch in Europa eine wirtschaftliche Erholung einstellen - diese werde jedoch wahrscheinlich sowohl zeitlich als auch im Hinblick auf ihr Ausmaß hinter anderen Industrieländern zurückbleiben, unter anderem aufgrund des Auftauchens neuer Virusmutationen, eines schleppenden Fortschritts bei den Impfungen sowie neuer Virusausbrüche, die die Regierungen zu neuen Einschränkungsmaßnahmen zwingen würden. Dennoch habe das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten angenehm überrascht, getrieben durch ein starkes Verarbeitendes Gewerbe sowie die Tatsache, dass die Regierungen ihre Dienstleistungssektoren stärker schützen würden als noch vor einem Jahr. Unterdessen bleibe der Inflationsdruck trotz kurzfristiger Ausschläge schwach - und in einer Zeit, in der US-Renditen steigen könnten, werde die Europäische Zentralbank alles tun, um die Anleiherenditen auf dem aktuellen Niveau zu verankern.
Chinas Situation sei einzigartig: Das Land habe seinen Wachstumstrend von vor der Pandemie wiederaufnehmen können und dabei alle anderen großen Volkswirtschaften weit hinter sich gelassen. Die Experten von AB würden für 2021 mit einem realen BIP-Wachstum von 9,5 Prozent rechnen. Nun könne sich die Regierung anderen "Stabilitätszielen" zuwenden, beispielsweise der Gesamtverschuldung oder den spekulativen Exzessen an den Immobilien- und Aktienmärkten.
Ein möglicher Gegenwind könnte dadurch entstehen, dass die globale Exportnachfrage in der zweiten Jahreshälfte abflaue, da die Einführung von Impfstoffen eine Wiederaufnahme des Konsums von Dienstleistungen und eine Abkehr von Konsumgütern ermögliche. Dies betreffe sowohl China als auch andere asiatische Länder (ohne Japan). Bis auf wenige Ausnahmen bei Ländern, wo der Tourismus einen wichtigen Wirtschaftstreiber darstelle, sähen die Experten von AB aber auch hier eine positive Entwicklung: Die meisten Staaten hätten die Verbreitung von Covid-19 effektiv unter Kontrolle gebracht und von der Erholung des globalen Handels profitiert. Vor allem Taiwan und Südkorea würden hier zu den Gewinnern zählen.
In den Schwellenländern hätten steigende Realzinsen in den Industrieländern und die Zurückhaltung der FED bei der Absenkung der Renditen den Optimismus zu Beginn des Zyklus gedämpft und es habe keine Verengung der Spreads von hochverzinslichen und Investment-Grade-Staatsanleihen stattgefunden. Die Währungen der Schwellenländer hätten zudem gegenüber dem US-Dollar an Boden verloren, während die lokalen Schuldenmärkte durch höhere Kernrenditen und eine steigende lokale Inflation unter Druck geraten seien. Die Experten von AB würden nicht davon ausgehen, dass sich ein Anstieg der Kernrenditen dramatisch auf die heute widerstandsfähigeren Schwellenländer auswirken werde. Dennoch dürfte die Inflationsrisikoprämie ansteigen und Schwellenländer-Assets benachteiligen.
Die Geschwindigkeit der Haushaltskonsolidierung bleibe zwar ein wichtiger Faktor, aber der Fokus habe sich nun auf die Geschwindigkeit der geldpolitischen Normalisierung verlagert. Die Leitzinsen in den Schwellenländern seien jedoch nach wie vor auf eine wirtschaftliche Rezession kalibriert und die Risikobilanz habe sich in Richtung höherer Leitzinsen verschoben. Und obwohl die Bewertungen lokaler Schuldtitel in den Schwellenländern allmählich interessant erscheinen, halten wir es für sinnvoll, in den Anfangsphasen der Inflation und der geldpolitischen Normalisierung geduldig zu bleiben, so die Experten von AB. (19.04.2021/alc/a/a)


