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Straffung der Geldpolitik nähert sich dem Höhepunkt


23.03.23 11:53
Creditreform Rating AG

Neuss (www.anleihencheck.de) - Creditreform Rating hat im neuesten "Economic Briefs" erneut die globalen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen untersucht und dabei einen Fokus auf Deutschland, den Euroraum, UK und die USA gelegt.

Creditreform Rating prognostiziere für den Euroraum im laufenden Jahr 2023 einen Anstieg des realen BIP um 0,8%. Dies stelle aufgrund der konjunkturellen Schwäche um die Jahreswende eine deutliche Wachstumsverlangsamung gegenüber 2022 dar. Das entschlossene Gegensteuern der Europäischen Zentralbank (EZB) gegenüber den hohen Inflationsraten in Europa - welches aggressiver ausgefallen sei als zunächst erwartet - dürfte das Wirtschaftswachstum vor allem 2024 bremsen. Für das kommende Jahr erwarte Creditreform Rating letztlich einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung um 1,4%, wobei sowohl von der Binnennachfrage als auch vom Außenhandel moderate Wachstumsimpulse ausgehen würden.

Obwohl die Gesamtinflationsraten voraussichtlich weiter zurückgehen würden, dürften die Kerninflationsraten in Deutschland und dem Euroraum in den kommenden Monaten weiter hoch bleiben. Trotz der derzeitigen Spannungen an den Finanzmärkten aufgrund der Schwierigkeiten einiger Finanzinstitute in den USA und in Europa gehe Creditreform Rating weiterhin davon aus, dass die EZB ihre Leitzinsen bis Ende des Jahres um insgesamt 50 Basispunkte anheben werde. Zinssenkungen seien dagegen nicht vor 2024 zu erwarten.

Trotz des anhaltenden Kostendrucks sowie der weiterhin hohen und teils steigenden Hypothekenzinsen habe sich die Preisdynamik am Immobilienmarkt noch wenig abgeschwächt, doch würden aktuellere Daten auf einen zunehmenden Bremseffekt hinweisen. Bankensektoren mit großen Hypothekenportfolios und einem hohen Anteil an variabel verzinsten Hypotheken würden in diesem Umfeld sicherlich genauer beobachtet werden müssen. In verschiedenen europäischen Volkswirtschaften würden entsprechend die makroprudenziellen, d.h. auf die Stabilität des Finanzsystems im Gesamten ausgerichteten, Instrumente angepasst. Zudem würden, wie in den vergangenen Wochen erfahren, ausgemachte Schwächen bei Finanzinstituten diesseits wie jenseits des Atlantiks im neuen Zinsumfeld zunehmend weniger von den Finanzmärkten toleriert.

"Das deutsche Wirtschaftswachstum wird in diesem Jahr voraussichtlich schwächer ausfallen als das Gesamtwachstum des Euroraums, wenngleich eine technische Rezession womöglich knapp vermieden werden kann", so Dr. Benjamin Mohr, Head of Public Finance and Economic Research bei der Creditreform Rating AG. Der private Verbrauch dürfte auch weiterhin durch hohe Preise für eine ganze Reihe von Produkten gedämpft werden. Die Energiepreise hingegen könnten den bereits den in den letzten Monaten beobachteten Rückgang fortsetzen.

Auch die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt dürfte die Ausgaben privater Haushalte weiterhin stützen. Angesichts des zu erwartenden beschleunigten chinesischen Wirtschaftswachstums sowie der moderaten konjunkturellen Expansion in europäischen Raum und den USA hätten sich die Aussichten für das deutsche Exportwachstum etwas verbessert. Creditreform Rating erwarte insgesamt einen Anstieg des realen BIPs in Deutschland um 0,2% für das Gesamtjahr 2023 sowie um 1,4% im Jahr 2024.

Für das Vereinigte Königreich erwarte die Ratingagentur einen Rückgang des realen BIP im Jahr 2023 um 0,4%. Gründe hierfür seien unter anderem die Bremseffekte für die Binnenwirtschaft und das außenwirtschaftliche Umfeld. Die straffere Geldpolitik sollte die Wirtschaftstätigkeit zunehmend dämpfen und insgesamt die Wachstumsdynamik im Folgejahr 2024 begrenzen. Creditreform Rating rechne mit einer vorläufig letzten Leitzinserhöhung der Bank of England um 25 Basispunkte auf 4,25% im März 2023 und prognostiziere für 2024 ein BIP-Wachstum von 0,9%. Das sogenannte "Windsor Framework", ein Rahmenabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Kommission, könnte dem Streit um das Nordirland-Protokoll ein Ende setzen.

Während sich das Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt habe, bleibe die Arbeitsmarktsituation angespannt, und habe in Kombination mit dem breiter basierten Aufwärtsdruck der Verbraucherpreise die US-Notenbank dazu veranlasst, ihren Leitzins weiter anzuheben. Creditreform Rating gehe jedoch davon aus, dass der Höhepunkt der Zinserhöhungen näher rücke. Für das Jahr 2023 rechne die Ratingagentur noch mit einer Anhebung des Leitzinses auf 5,25 bis 5,50%. Die erste Zinssenkung werde frühestens im ersten Quartal 2024 erwartet. (23.03.2023/alc/a/a)