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Staatsanleihen: Zinsanhebungspfade der Notenbanken werden steiler


08.04.22 11:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Das abgelaufene erste Vierteljahr war für Anlegerinnen und Anleger kein Honiglecken, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG.

Sowohl Aktien als auch Anleihen hätten spürbar Federn lassen müssen. Wer international investiere, habe wenigstens von einem etwas festeren US-Dollar profitiert. Dass die Assetklasse der Rohstoffe im ersten Quartal der positive Ausreißer gewesen sei, sei für viele ein schwacher Trost. Einerseits seien Rohstoffe in vielen Portfolien nach wie vor eine Randerscheinung und andererseits würden höhere Energiepreise im Alltag für die Masse der Menschen wesentlich schwerer wiegen als Veranlagungsgewinne. Nicht zuletzt hätten die Rohstoffpreise auch einen starken Einfluss auf die Inflationsrate. Diese habe in der Eurozone zuletzt bei 7,5 Prozent gelegen und sei damit mehr als dreimal so hoch wie der Zielwert der Notenbank. Das gelte auch für die USA und andere Länder. Daher würden sich diverse Notenbanker regelrecht mit Ankündigungen einer restriktiveren Geldpolitik überschlagen. Die Aktienmärkte würden diese Ankündigungen bis zuletzt recht gut verkraften. Das werde auch einer der Gründe sein, weshalb die Währungshüter so forsch auftreten würden. Dass dabei die Staatsanleihen unter die Räder kämen, liege in der Natur der Sache. Schon jetzt sei der Kursverfall am Anleihemarkt nach einigen Kriterien in der Geschichte beispiellos. Es sei allerdings nur eine Frage der Zeit, bis auch die Aktienmärkte einknicken würden. Sei es über eine eingeschränkte Liquidität oder über eine Eintrübung des Wachstumsausblicks, ein Anziehen der Geldpolitik sei im Marktzyklus in aller Regel ein Vorläufer für Rücksetzer am Aktienmarkt. Aktuell seien die Zinsen noch sehr niedrig, was durchaus dazu führen könnte, dass sich die Aktienmärkte bis auf Weiteres noch halten könnten. Die Zeit arbeite in dieser Phase des Zyklus aber gegen die Märkte.

Staatsanleihen: Zinsanhebungspfade der Notenbanken würden steiler

Staatsanleiherenditen seien seit Anfang März abermals deutlich angestiegen. Dafür seien u.a. die (aufgrund hoher Inflationserwartungen) immer steiler werdenden Zinsanhebungspfade der Notenbanken verantwortlich. Auch in der Eurozone seien in den nächsten 12 Monaten mehrere Zinsanhebungen eingepreist. Deutlich aggressiver werde aber die US-Notenbank den Leitzins anheben.

Unternehmensanleihen: Risikoprämien würden nach starken Anstiegen wieder kräftig sinken

Die Risikoprämien von Unternehmensanleihen seien nach starken Anstiegen zuletzt wieder kräftig gesunken. Vor allem langfristige Investoren dürften hier als Käufer aufgetreten sein. So seien die Risikoprämien von Euro-Investmentgrade-Unternehmensanleihen im historischen Vergleich hoch, während deren (Ausfalls-)Risiken weiterhin als niedrig einzustufen seien. Gleichzeitig sei die risikoärmere Alternative - Staatsanleihen - zunehmend unattraktiver geworden.

Emerging-Markets: Schwellenländer-Hartwährungsanleihen im Vergleich attraktiv

Schwellenländer-Hartwährungsanleihen hätten sich zuletzt wieder recht gut entwickelt. Wenn es zu keiner weiteren signifikanten Eskalation komme, würden die Analysten von Raiffeisen Capital Management Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen als weiterhin attraktive Wahl im Vergleich zu anderen Anleihen, beispielsweise US-Staatsanleihen, erachten.

Entwickelte Aktienmärkte in Anbetracht der Nachrichtenlage überraschend fest

Angesichts der Nachrichtenlage (Ukraine-Krieg, Covid-Beschränkungen in China und jüngste Notenbankmeldungen) hätten sich die internationalen Aktienmärkte in den letzten Wochen überraschend fest präsentiert. Für die mittelfristige Aktienmarktentwicklung würden die Analysten von Raiffeisen Capital Management aktuell besonders den zunehmend aggressiver werdenden Zinspfad der Notenbanken als Gefahrenbereich sehen. Die (geplante) Rücknahme der sehr expansiven Maßnahmen der letzten Jahre scheine an Tempo zu gewinnen.

Schwellenländer-Aktienmärkte mit teilweise deutlicher Erholung

Schwellenländer-Aktien hätten sich im März erholen können. Insbesondere rohstofflastige Länder der Emerging Markets, wie etwa der brasilianische Markt, seien seit Jahresbeginn sogar deutlich im Plus. Dies sei auch durch das Gewinnwachstum unterstützt, das in Lateinamerika merkbar nach oben zeige. Die relative Entwicklung der gesamten Schwellenländer versus entwickelte Märkte schaue aber immer noch wenig erbaulich aus. Hier setze sich der Negativtrend ungebrochen fort. Der russische Aktienmarkt habe mittlerweile keine Relevanz mehr für die Emerging Markets.

Rohstoffmärkte: Angespanntes Angebot treibt Preise

Die Rohstoffmärkte - und das betreffe nicht nur Gold - würden aktuell ihrem Ruf als Versicherung gegen geopolitische Krisen mehr als gerecht. Die deutlichen Preisanstiege würden sich mit der wichtigen Rolle Russlands bei vielen Rohstoffen erklären. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Angebotsbild bereits vor dieser dramatischen Eskalation angespannt gewesen sei. Auf Sektorebene sei der Energiesektor am stärksten betroffen. (08.04.2022/alc/a/a)