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Staatsanleihen: USA und europäische Peripherie bieten derzeit die größten Chancen


29.01.21 08:45
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - In den letzten Wochen gab es aus der Perspektive der Finanzmärkte überwiegend positive Entwicklungen, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Angesichts der vielen Kranken und Toten als Folge der Pandemie möge das zynisch klingen. Die Märkte würden aber nicht das aktuelle Geschehen, sondern die Erwartungen für die Zukunft preisen. Diese seien durch die Zulassungen der ersten Impfstoffe sowie den Beginn der Impfungen positiv beeinflusst worden.

Auch wenn es dieser Tage angesichts immer längerer Lockdowns schwer vorstellbar sei, werde im Verlauf des zweiten Halbjahres eine Normalisierung des Lebens eintreten. Damit im Einklang werde es eine starke Erholung von Wirtschaft und Unternehmen geben. Und darauf fuße im Wesentlichen die aktuell sehr gute Stimmung, insbesondere an den Aktienmärkten. Dass es in dem einen oder anderen Segment bereits eine Übertreibung gebe, sei zwar richtig, für den breiten Markt würden die Experten der Raiffeisen KAG aber die Zuversicht für das Jahr 2021 in Hinblick auf Aktien teilen.

Oft werde als negatives Argument die teure Bewertung der Aktienmärkte genannt. Dieser Einwand sei zum Teil berechtigt, nämlich bei einigen defensiven Titeln, die am stärksten von den niedrigen Zinsen profitiert hätten. Gerade in der aktuellen Phase des Zyklus sei das hohe KGV (Kurs/Gewinn-Verhältnis) für den breiten Markt aber nicht überraschend. Der Quotient Kurs durch Gewinn sei hoch, weil die Kurse schon gestiegen seien, die Gewinne aber noch nicht. In einer späteren Phase des Kapitalmarktzyklus würden die Gewinne stärker steigen als die Kurse, was das KGV wieder senken werde. Später würden die Kurse dann beginnen den nächsten Abschwung vorwegzunehmen, normalerweise bevor die Unternehmensgewinne tatsächlich nach unten gehen würden. In dieser Phase sehe der Markt gemessen am KGV billig aus, was aber nicht bedeute, dass dies ein guter Kaufzeitpunkt für Aktien sei. Daher: Bewertung sei kein guter Indikator, wenn es um taktische Timing-Entscheidungen für die Aktienmärkte gehe.

Die Einschätzung der Experten der Raiffeisen KAG in Bezug auf das Segment der Staatsanleihen bleibe unverändert. So seien sie bei kerneuropäischen Staatsanleihen, insbesondere deutschen und französischen Papieren, am vorsichtigsten gewesen - und würden es auch bleiben. Staatsanleihen der europäischen Peripherie (Italien und Spanien) sähen die Experten positiver, ebenso US-Staatsanleihen.

Die Risikoprämien von Investmentgrade-Unternehmensanleihen in Euro befänden sich mittlerweile ziemlich genau auf den niedrigen Vor-Covid-19-Niveaus vom Februar 2020 und hätten dort vorerst eine Talsohle gefunden. Die Experten der Raiffeisen KAG seien für diese Anleiheklasse - im Vergleich zu kerneuropäischen Staatsanleihen - positiv gestimmt. Auch weil sie eine Seitwärtsentwicklung der Spreads und moderat höhere risikolose Renditen (Deutschland; Kerneuropa) erwarten würden. Zudem sei der Corporate Bond Primärmarkt zu Jahresbeginn in der Regel weit geöffnet und Refinanzierungsrisiken seien gering.

Die Experten der Raiffeisen KAG würden die risikoreiche Anleiheklasse Emerging-Markets-Anleihen in der aktuell angespannten globalen Covid-19-Krise vor allem aus sentimenttechnischen Gründen anfällig für eine etwaige Korrektur halten, weshalb sie hier vorerst auch etwas defensiver positioniert seien.

Die internationalen Aktienmärkte hätten in den letzten Wochen weiter zulegen können, wobei die Gewinnerliste von zyklischeren Marktsegmenten angeführt werde. Trotz negativer kurzfristiger Nachrichten zum Thema Covid-19 - beispielsweise über weitere Mutationen - würden die positiven Gewinnrevisionen sowie Aussichten auf die Covid-19-Impfungen stützen. Kurzfristig würden verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zur Vorsicht mahnen (überkaufte Marktsituation), die Experten der Raiffeisen KAG würden aber auf Sicht der nächsten Monate ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld erwarten.

Die Aktien der globalen Schwellenländer seien - neben anderen einzelnen Branchen - aus dem turbulenten Jahr 2020 als klare Gewinner hervorgegangen. Dies sei zu einem großen Teil dem asiatischen Raum zu verdanken, der zwar zu Beginn im Zentrum des Corona-Sturms gelegen, diesen aber global am besten zu managen verstanden habe. Daher sei das zweite Halbjahr 2020 von einer erstaunlichen Erholung geprägt gewesen. Das sei auch an der Gewinnentwicklung der Unternehmen dieser Region abzulesen. Mit deutlicher Verzögerung würden nun auch die anderen Emerging-Markets-Regionen folgen. Der erwartete globale Konjunkturaufschwung sollte Schwellenländer-Aktien weiterhin unterstützen.

Auch die Rohstoffmärkte hätten einen sehr freundlichen Jahresauftakt verzeichnet, nicht jedoch die Edelmetalle. Die unverändert sehr expansiven globalen Notenbanken in Kombination mit deutlich negativen Renditen bei sicheren Staatsanleihen würden den Sektor Edelmetalle unterstützen. (Ausgabe vom 28.01.2021) (29.01.2021/alc/a/a)