Erweiterte Funktionen

Staatsanleihen: Renditen dürften weiter sinken


12.12.24 09:26
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Ein weiteres spannendes und für risikoreichere Veranlagungen sehr positives Kapitalmarktjahr neigt sich dem Ende zu, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

Zeit also, um in die Zukunft und damit ins kommende Jahr 2025 zu blicken. Die Konsensschätzung für das globale Wirtschaftswachstum falle mit einem Plus von knapp über drei Prozent zunächst unverändert (gut) aus. Regional werde für die USA zwar weiter die höchste Dynamik innerhalb der entwickelten Welt erwartet, jedoch sei die Prognose aktuell etwas geringer angesetzt als für 2024 - in Europa hingegen solle das Wachstum, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau, ein wenig besser ausfallen als zuletzt. Ebenfalls etwas höher werde für 2025 das reale Wachstumsplus in den globalen Emerging Markets gesehen, wenngleich das Wachstum für China etwas niedriger erwartet werde als in diesem Jahr.

Was die Inflation betreffe, werde in nahezu allen Weltregionen von einem weiteren Rückgang ausgegangen, ebenso wie von weiteren Zinssenkungen durch die Notenbanken. Durch den Wahlausgang in den USA und die angekündigten wirtschaftspolitischen Maßnahmen könnten sich inflationär wirkende Effekte einstellen, die sich insbesondere auf den Zinspfad der Fed im Jahresverlauf auswirken würden. Auf der Mikroebene hätten die optimistischen Erwartungen für die Unternehmensgewinne, insbesondere jene in den USA, weiter Bestand, wobei die sektorale Verteilung der Gewinnbeiträge deutlich ausgeglichener ausfallen solle als in den letzten beiden Jahren, in denen eine sehr hohe Abhängigkeit von den größten US-Wachstumsunternehmen bestanden habe.

In Europa werde für 2025 ein höherer Gewinnzuwachs erwartet, während die positive Gewinndynamik in den Schwellenländern im Vergleich zum Vorjahr etwas geringer ausfallen dürfte. Hinsichtlich der geopolitischen Risikofaktoren gelte weiter das Prinzip Hoffnung, dass die bestehenden kriegerischen Konflikte beendet werden könnten oder sich zumindest nicht mehr ausweiten würden. Allerdings würden wohl die globalen wirtschaftspolitischen Spannungen deutlich zunehmen angesichts der schon angekündigten Handelsrestriktionen seitens der neu gewählten US-Administration. Trotz aller Unabwägbarkeiten erscheinen aus aktueller Sicht die Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt für das Jahr 2025 durchaus konstruktiv, sowohl für Aktien als auch für Anleihen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Die Experten würden daher mit einer neutralen Ausrichtung ins neue Jahr gehen.

Die Experten würden weiter mit einem Sinken der Renditen von EUR-Staatsanleihen rechnen und für diese Anleiheklasse optimistisch bleiben. Sie würden sich nicht nur in Richtung sinkender deutscher Staatsanleiherenditen, sondern auch in Erwartung sinkender Risikoprämien italienischer und französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen positionieren. US-Anleihen und kanadische Anleihen sähen die Experten weniger positiv, das liege daran, dass sie am EUR-Markt stärkere Renditerückgänge erwarteten als in Übersee, wo die wirtschaftliche Lage spürbar besser sei.

Die Credit Spreads von EUR-High-Yield- und Investmentgrade-Unternehmensanleihen notierten weiterhin nahe der Tiefststände und seien somit leichter korrekturanfällig. Während EUR-High-Yield-Risikoprämien zuletzt (allerdings innerhalb der normalen Schwankungsbreite) moderat angestiegen seien, notierten Investmentgrade-Risikoprämien weiterhin extrem niedrig. Die Kennzahlen des Schuldendienstes des Unternehmenssektors präsentierten sich allerdings nach wie vor sehr solide. Die Experten blieben leicht zuversichtlich bei EUR-Investmentgrade-Unternehmensanleihen. Bei EUR-High-Yield-Unternehmensanleihen hielten sie an ihrer vorsichtigeren Positionierung fest.

Die Risikoprämien von Schwellenländer-Hartwährungsanleihen präsentierten sich ähnlich resilient wie jene am Markt für Unternehmensanleihen. Die Experten erachteten diese Anleiheklasse relativ zu anderen Spread-Assetklassen nach wie vor als attraktiv. Die wirtschaftliche Aktivität in den Emerging Markets habe sich zuletzt besser entwickelt und leicht positiv überrascht.

Die internationalen Aktienmärkte hätten sich in den letzten Wochen, angeführt von den USA, unverändert sehr fest präsentiert. Für Unterstützung habe die sehr solide Gewinnentwicklung in den letzten Monaten gesorgt. Die Erwartungen für die nächsten Quartale seien aus Sicht der Experten durchaus als optimistisch anzusehen. Außerdem zeigten die Indikatoren der Experten aktuell ein sehr uneinheitliches Bild, die Experten blieben daher vorerst bei ihrer neutralen Ausrichtung.

Die Sorge, wie es den Emerging Markets unter einer Präsidentschaft Trump gehen werde, finde gerade sehr starken Niederschlag in der relativen Performance gegenüber entwickelten Aktien. Diese habe einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Insbesondere Unternehmen, die im verarbeitenden Gewerbe beheimatet seien, könnten von einer erneuten protektionistischen Handelspolitik schwer betroffen sein. Daher werde es umso wichtiger, in den nächsten Wochen zu sehen, wie sich Aussagen konkretisierten und wer die handelnden Personen sein würden.

Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich in den letzten Wochen uneinheitlich präsentiert. Die zyklischen Industriemetalle hätten erneut Kursverluste verbucht und auch die Energierohstoffe hätten sich schwächer präsentiert. Der Edelmetallbereich habe trotz gestiegener Renditen erneut zulegen können. Die Experten hielten im Rahmen der Taktischen Asset Allocation aktuell keine Position in der Anlageklasse Rohstoffe. (Ausgabe vom 11.12.2024) (12.12.2024/alc/a/a)