Erweiterte Funktionen
Staatsanleihen: Renditen dürften global weiter sinken
14.03.25 10:39
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Die ersten zwei Monate des Jahres und insbesondere die Wochen seit der Machtübernahme von US-Präsident Trump hatten es wahrlich in sich. Und es kam so, wie es kommen musste, wenn man den diversen Ankündigungen im Wahlkampf und im Zuge der Siegesfeiern Glauben schenkte, so Karin Kunrath, Chief Investment Officer von Raiffeisen Capital Management.
Für die Finanzmärkte seien besonders die angekündigten Importzölle inklusive der Ad-hoc-Reaktionen betroffener Länder und der damit verbundenen Gefahr eines globalen Handelskrieges relevant. Die neuerliche Präsidentschaft von Donald Trump sei von vielen gefürchtet worden und mit einer Reihe von Sorgen verbunden gewesen. Doch einmal mehr könne man die Börsenweisheit "Sell the rumors, buy the facts" bemühen, denn seit Jahresbeginn wiesen mit Europa und den Emerging Markets gerade jene Regionen eine Outperformance auf, die vermeintlich besonders negativ von "Trump 2.0" betroffen seien.
Am Kapitalmarkt werde schon seit Wochen auf eine Verbesserung der Situation in der Ukraine spekuliert, was sich in der Outperformance europäischer und vor allem osteuropäischer Aktien seit Jahresbeginn niederschlage. Gleichzeitig werde auf die offensichtliche Notwendigkeit der militärischen Aufrüstung Europas gesetzt, was sich wiederum an der Outperformance von Rüstungsaktien zeige. Insgesamt hätten globale Aktien bis vor Kurzem noch nahe der Allzeithochs bei bislang unterdurchschnittlicher Volatilität notiert. Ein Erklärungsversuch hierfür sei, dass für den Markt das hohe Ausmaß an Unberechenbarkeit längst zur Normalität geworden sei und das fundamentale Umfeld weiterhin eine moderat wachsende Weltwirtschaft bei begrenzter Inflationsdynamik, verbunden mit soliden, tendenziell sogar besser werdenden Unternehmensgewinnen, aufweise.
Dieses positive Szenario werde voraussichtlich immer wieder einem Stresstest unterzogen. Anzumerken sei auch, dass nach der langen Dominanz der hoch bewerteten Magnificent-7-Aktien nun eine durchaus begrüßenswerte Tendenz der Verbreiterung des Aufschwungs hinsichtlich Regionen, Sektoren und auch Einzeltitel eingesetzt habe. Solange die geopolitischen Krisenherde nicht weiter eskalierten oder konkrete Anzeichen für eine Rezession gegeben seien, dürften Staatsanleihen durch die aktuell zunehmenden Risiken bei Inflation und Staatsverschuldung mehr belastet sein als Aktien.
"Mit dem erhöhten Maß an Unberechenbarkeit wird man am Kapitalmarkt auf absehbare Zeit wohl leben müssen - basierend auf unseren Indikatoren ist nach den jüngsten Marktkorrekturen wieder ein Fokus auf Aktien angezeigt", so Kunrath.
Karin Kunrath rechne weiterhin mit einem Sinken der Renditen bei globalen Staatsanleihen. Daher bevorzuge sie in erster Linie US-Papiere, gefolgt von Staatsanleihen von Großbritannien. Im EUR-Bereich bevorzuge sie italienische und französische Staatsanleihen, während sie bei deutschen Staatsanleihen vorsichtig sei. Diese Vorsicht gelte auch bei kanadischen Papieren.
Auch bei den Unternehmensanleihen sehe Kunrath eine asynchrone Entwicklung. In den USA seien die Credit-Spreads zuletzt moderat angestiegen, in der Euro-Zone hätten sie weitestgehend nahe der historischen Tiefstände verharrt. Kunrath bleibe bei USD-High-Yield-Unternehmensanleihen weiterhin zurückhaltend. Diese Vorsicht referenziere stark auf die extrem teure Bewertung, die vor dem Hintergrund einer derzeit extrem erratischen US-Politik selbst kurz- bis mittelfristig nicht zu rechtfertigen sei.
Kunrath habe Emerging Markets-Hartwährungsanleihen im Vormonat von ihrem Einkaufszettel gestrichen und stattdessen Duration-äquivalente US-Staatsanleihen gewichtet. Dadurch sei sie in Richtung höherer Risikoprämien bei Schwellenländer-Hartwährungsanleihen positioniert, wobei für sie die erwartete höhere Risikoaversion von USD-Anleihen-Investoren die Hauptrolle spiele. Zwar profitiere Kunrath von den zuletzt gestiegenen Risikoprämien, allerdings rechne sie mit noch stärkeren Anstiegen und bleibe bei Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen daher vorerst weiterhin zurückhaltend.
Die internationalen Aktienmärkte hätten sich auch zu Jahresbeginn 2025 angesichts der Nachrichtenlage relativ freundlich präsentiert, wobei vor allem europäische Aktien deutlich hätten zulegen können. Kunrath erwarte, dass die Unternehmensgewinne auch 2025 für Unterstützung sorgen würden. Ihre Indikatoren hätten sich im letzten Monat trotz der hohen Volatilität in Summe verbessert. Kunrath habe sich bei Aktien daher zuletzt deutlich stärker positioniert.
Nach der durchwachsenen Entwicklung von US-Aktien seit Jahresbeginn hätten Emerging Markets-Aktien etwas aufholen können, wenngleich von sehr niedrigem Niveau. Die Maßnahmen der US-Regierung würden zunehmend erratisch wirken, sodass Unsicherheit eher in den USA selbst gepreist werde und nicht so sehr außerhalb. Dabei sei die fundamentale Bewertung von Aktien aus den Emerging Markets weiter recht günstig. Zudem zeige sich eine Erholung bei der Gewinnentwicklung im für den Index sehr wichtigen asiatischen Bereich. Seit Jahresbeginn hätten insbesondere Telekom und zyklischer Konsum profitieren können.
Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich in den letzten Wochen sehr freundlich präsentiert. Während im Energiesektor die Nachrichten zu US-Zöllen für Belastung gesorgt hätten, hätten Edelmetalle und Industriemetalle in diesem Umfeld zulegen können. (Ausgabe März 2025) (14.03.2025/alc/a/a)
Für die Finanzmärkte seien besonders die angekündigten Importzölle inklusive der Ad-hoc-Reaktionen betroffener Länder und der damit verbundenen Gefahr eines globalen Handelskrieges relevant. Die neuerliche Präsidentschaft von Donald Trump sei von vielen gefürchtet worden und mit einer Reihe von Sorgen verbunden gewesen. Doch einmal mehr könne man die Börsenweisheit "Sell the rumors, buy the facts" bemühen, denn seit Jahresbeginn wiesen mit Europa und den Emerging Markets gerade jene Regionen eine Outperformance auf, die vermeintlich besonders negativ von "Trump 2.0" betroffen seien.
Am Kapitalmarkt werde schon seit Wochen auf eine Verbesserung der Situation in der Ukraine spekuliert, was sich in der Outperformance europäischer und vor allem osteuropäischer Aktien seit Jahresbeginn niederschlage. Gleichzeitig werde auf die offensichtliche Notwendigkeit der militärischen Aufrüstung Europas gesetzt, was sich wiederum an der Outperformance von Rüstungsaktien zeige. Insgesamt hätten globale Aktien bis vor Kurzem noch nahe der Allzeithochs bei bislang unterdurchschnittlicher Volatilität notiert. Ein Erklärungsversuch hierfür sei, dass für den Markt das hohe Ausmaß an Unberechenbarkeit längst zur Normalität geworden sei und das fundamentale Umfeld weiterhin eine moderat wachsende Weltwirtschaft bei begrenzter Inflationsdynamik, verbunden mit soliden, tendenziell sogar besser werdenden Unternehmensgewinnen, aufweise.
Dieses positive Szenario werde voraussichtlich immer wieder einem Stresstest unterzogen. Anzumerken sei auch, dass nach der langen Dominanz der hoch bewerteten Magnificent-7-Aktien nun eine durchaus begrüßenswerte Tendenz der Verbreiterung des Aufschwungs hinsichtlich Regionen, Sektoren und auch Einzeltitel eingesetzt habe. Solange die geopolitischen Krisenherde nicht weiter eskalierten oder konkrete Anzeichen für eine Rezession gegeben seien, dürften Staatsanleihen durch die aktuell zunehmenden Risiken bei Inflation und Staatsverschuldung mehr belastet sein als Aktien.
"Mit dem erhöhten Maß an Unberechenbarkeit wird man am Kapitalmarkt auf absehbare Zeit wohl leben müssen - basierend auf unseren Indikatoren ist nach den jüngsten Marktkorrekturen wieder ein Fokus auf Aktien angezeigt", so Kunrath.
Auch bei den Unternehmensanleihen sehe Kunrath eine asynchrone Entwicklung. In den USA seien die Credit-Spreads zuletzt moderat angestiegen, in der Euro-Zone hätten sie weitestgehend nahe der historischen Tiefstände verharrt. Kunrath bleibe bei USD-High-Yield-Unternehmensanleihen weiterhin zurückhaltend. Diese Vorsicht referenziere stark auf die extrem teure Bewertung, die vor dem Hintergrund einer derzeit extrem erratischen US-Politik selbst kurz- bis mittelfristig nicht zu rechtfertigen sei.
Kunrath habe Emerging Markets-Hartwährungsanleihen im Vormonat von ihrem Einkaufszettel gestrichen und stattdessen Duration-äquivalente US-Staatsanleihen gewichtet. Dadurch sei sie in Richtung höherer Risikoprämien bei Schwellenländer-Hartwährungsanleihen positioniert, wobei für sie die erwartete höhere Risikoaversion von USD-Anleihen-Investoren die Hauptrolle spiele. Zwar profitiere Kunrath von den zuletzt gestiegenen Risikoprämien, allerdings rechne sie mit noch stärkeren Anstiegen und bleibe bei Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen daher vorerst weiterhin zurückhaltend.
Die internationalen Aktienmärkte hätten sich auch zu Jahresbeginn 2025 angesichts der Nachrichtenlage relativ freundlich präsentiert, wobei vor allem europäische Aktien deutlich hätten zulegen können. Kunrath erwarte, dass die Unternehmensgewinne auch 2025 für Unterstützung sorgen würden. Ihre Indikatoren hätten sich im letzten Monat trotz der hohen Volatilität in Summe verbessert. Kunrath habe sich bei Aktien daher zuletzt deutlich stärker positioniert.
Nach der durchwachsenen Entwicklung von US-Aktien seit Jahresbeginn hätten Emerging Markets-Aktien etwas aufholen können, wenngleich von sehr niedrigem Niveau. Die Maßnahmen der US-Regierung würden zunehmend erratisch wirken, sodass Unsicherheit eher in den USA selbst gepreist werde und nicht so sehr außerhalb. Dabei sei die fundamentale Bewertung von Aktien aus den Emerging Markets weiter recht günstig. Zudem zeige sich eine Erholung bei der Gewinnentwicklung im für den Index sehr wichtigen asiatischen Bereich. Seit Jahresbeginn hätten insbesondere Telekom und zyklischer Konsum profitieren können.
Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich in den letzten Wochen sehr freundlich präsentiert. Während im Energiesektor die Nachrichten zu US-Zöllen für Belastung gesorgt hätten, hätten Edelmetalle und Industriemetalle in diesem Umfeld zulegen können. (Ausgabe März 2025) (14.03.2025/alc/a/a)


