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Staatsanleihen: Notenbanken bleiben im Fokus
12.10.18 08:00
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Derzeit mehren sich die Analysen zur berechtigten Frage, wie lange der aktuelle Markt- und Konjunkturzyklus noch anhalten kann, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.
Dabei liege der Fokus ganz klar auf der Entwicklung in den USA, die sich zuletzt immer deutlicher bei den Wirtschaftsdaten, aber auch in der relativen Performance des Aktienmarktes, von jener im Rest der Welt positiv abgekoppelt habe. Nur durch die Outperformance und das dominante Gewicht der USA am Kapitalmarkt weise der Weltaktienindex, insbesondere auf Eurobasis, seit Jahresbeginn eine klar positive Wertentwicklung auf. Das, obwohl sich zahlreiche globale Aktienindices - vor allem jene aus den Emerging Markets - seit dem Hoch im Januar in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Abwärtstrend befänden.
Für die USA selbst gebe es derzeit noch keine erkennbaren Anzeichen für eine Rezession in absehbarer Zeit. Eine der längsten Aufschwungsphasen der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte dürfte somit noch eine Zeit lang andauern. Die Divergenz bei Frühindikatoren und Makrodaten zwischen den USA und dem Rest der Welt, die unter anderem von den bereits erkennbar negativen Effekten aus dem Handelskonflikt herrühre, werde jedoch schlussendlich auch auf die US-Wirtschaft durchschlagen. Sondereffekte wie Steuerreform und Konjunkturmaßnahmen würden ab dem nächsten Jahr an Wirkungsgrad verlieren.
Die Inflation melde sich nach langer Absenz über steigende Energiepreise und Löhne zurück: Preissteigerungen für Konsumenten infolge der eingeführten Importzölle aber auch bei Lebensmitteln durch die negativen Auswirkungen des Klimawandels im Agrarbereich seien absehbar. Die Zinswende schreite in den USA stetig voran und die unterstützende Liquidität durch die Notenbank werde laufend geringer. Wenngleich eine temporäre taktische Schwerpunktlegung auf Aktien auch in dieser Spätphase nicht ausgeschlossen ist, etwa nach einer Marktkorrektur infolge von Polit-News bei unveränderten Fundamentaldaten, so sehen wir doch die beste Marktphase schon hinter uns und positionieren uns dementsprechend, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.
An den Anleihemärkten würden die Notenbanken im Fokus bleiben. Neben der Erhöhung des Leitzins-Zielbandes um 25 Basispunkte durch die US Federal Reserve (FED) Ende September werde die Europäische Zentralbank (EZB) ihr monatliches Anleihekaufvolumen im Oktober auf EUR 15 Mrd. reduzieren und Ende Dezember auslaufen lassen (die EZB halte 39% des ausstehenden Euro Staatsanleihe-Volumens). Nachdem die Renditen deutscher Staatsanleihen seit Anfang September stark angestiegen seien, habe eine Äußerung von EZB-Chef Draghi für weitere Renditeanstiege gesorgt. Demnach erwarte er einen "relativ energischen" Anstieg der zugrunde liegenden Inflation. Die Experten von Raiffeisen Capital Management würden hinsichtlich Euro Staatsanleihen vorsichtig bleiben.
Die Risikoprämien bei EUR-Unternehmensanleihen seien im Vormonat im Rahmen der allgemeinen Verbesserung des Sentiments moderat gesunken. In Europa dürfte die Entwicklung aber weiterhin von dem "kuriosen Schauspiel" der italienischen Regierung geprägt bleiben. Nach wie vor sprächen die makroökonomischen Aussichten für eine Outperformance von Investmentgrade-Unternehmensanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen. Die Raiffeisen KAG sehe auch bei High Yield-Unternehmensanleihen weiter Potenzial.
Der Handelsdisput zwischen den USA und China habe im September eine neue Ausbaustufe erreicht, nachdem beide Länder weitere Zölle auf Produkte des jeweils anderen Landes verhängt hätten. Das könnte indirekt das Schwellenländer-Exportwachstum weiter schrumpfen lassen. Zudem habe man in den letzten Wochen zumeist unter den Erwartungen liegende Wirtschaftsindikatoren der Schwellenländer gesehen. In Summe dürfte das Bild an den Emerging Markets (EM) aber diffus und von länderspezifischen Themen beherrscht bleiben. Risiko habe aber einen Preis, und der dürfte im September attraktiv genug gewesen sein. Denn EM-Währungen und Spread-Produkte seien gefragt gewesen.
Bei den entwickelten Aktienmärkten hätten sich in den letzten Monaten starke regionale Unterschiede gezeigt, wobei sich der US-Aktienmarkt einmal mehr positiv habe abheben können. Getragen worden sei diese Entwicklung vor allem von einer sehr guten Berichtssaison (inklusive Effekten der US-Steuerreform). Die Experten von Raiffeisen Capital Management sähen weiterhin in der anstehenden Liquiditätsrückführung der Notenbanken den bestimmenden Faktor, der in den kommenden Monaten für anhaltend mehr Volatilität an den Märkten sorgen werde. Im Bereich der Stimmungsindikatoren seien aktuell keine Extremwerte (positive oder negative) zu beobachten.
Zuletzt habe sich die Situation in den Emerging Markets etwas beruhigt, wenngleich die Erholung recht zaghaft verlaufe. Die weit verbreitete Meinung gegenüber Emerging Markets Veranlagungen könne wohl so zusammengefasst werden: Langfristig handle es sich aufgrund der Bewertungen um eine sehr interessante Assetklasse, kurzfristig seien die Risiken nach wie vor erheblich (politische Unsicherheiten, Sentiment, usw.). Die Analysten würden sich dieser Meinung anschließen und vorerst taktisch zurückhaltend positioniert bleiben.
Während sich Energierohstoffe weiter sehr fest präsentieren würden, hätten Industriemetalle und Edelmetalle zuletzt Kursrückgänge verbuchen müssen. Ängste vor einer stärkeren Konjunkturabschwächung (vor allem in den Emerging Markets) und ein deutlich stärkerer US-Dollar hätten sich als Belastungsfaktoren erwiesen. Die Positionierung der Investoren sei aktuell bereits sehr negativ, was die Entwicklung in den nächsten Monaten unterstützen sollte. Aufgrund einer angespannteren Angebots-/Nachfragesituation und einer attraktiveren Kurvenstruktur (backwardation) sehen wir für die Assetklasse mittelfristig weiterhin eine positive Kursentwicklung, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. (Ausgabe vom 11.10.2018) (12.10.2018/alc/a/a)
Dabei liege der Fokus ganz klar auf der Entwicklung in den USA, die sich zuletzt immer deutlicher bei den Wirtschaftsdaten, aber auch in der relativen Performance des Aktienmarktes, von jener im Rest der Welt positiv abgekoppelt habe. Nur durch die Outperformance und das dominante Gewicht der USA am Kapitalmarkt weise der Weltaktienindex, insbesondere auf Eurobasis, seit Jahresbeginn eine klar positive Wertentwicklung auf. Das, obwohl sich zahlreiche globale Aktienindices - vor allem jene aus den Emerging Markets - seit dem Hoch im Januar in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Abwärtstrend befänden.
Für die USA selbst gebe es derzeit noch keine erkennbaren Anzeichen für eine Rezession in absehbarer Zeit. Eine der längsten Aufschwungsphasen der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte dürfte somit noch eine Zeit lang andauern. Die Divergenz bei Frühindikatoren und Makrodaten zwischen den USA und dem Rest der Welt, die unter anderem von den bereits erkennbar negativen Effekten aus dem Handelskonflikt herrühre, werde jedoch schlussendlich auch auf die US-Wirtschaft durchschlagen. Sondereffekte wie Steuerreform und Konjunkturmaßnahmen würden ab dem nächsten Jahr an Wirkungsgrad verlieren.
Die Inflation melde sich nach langer Absenz über steigende Energiepreise und Löhne zurück: Preissteigerungen für Konsumenten infolge der eingeführten Importzölle aber auch bei Lebensmitteln durch die negativen Auswirkungen des Klimawandels im Agrarbereich seien absehbar. Die Zinswende schreite in den USA stetig voran und die unterstützende Liquidität durch die Notenbank werde laufend geringer. Wenngleich eine temporäre taktische Schwerpunktlegung auf Aktien auch in dieser Spätphase nicht ausgeschlossen ist, etwa nach einer Marktkorrektur infolge von Polit-News bei unveränderten Fundamentaldaten, so sehen wir doch die beste Marktphase schon hinter uns und positionieren uns dementsprechend, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.
Die Risikoprämien bei EUR-Unternehmensanleihen seien im Vormonat im Rahmen der allgemeinen Verbesserung des Sentiments moderat gesunken. In Europa dürfte die Entwicklung aber weiterhin von dem "kuriosen Schauspiel" der italienischen Regierung geprägt bleiben. Nach wie vor sprächen die makroökonomischen Aussichten für eine Outperformance von Investmentgrade-Unternehmensanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen. Die Raiffeisen KAG sehe auch bei High Yield-Unternehmensanleihen weiter Potenzial.
Der Handelsdisput zwischen den USA und China habe im September eine neue Ausbaustufe erreicht, nachdem beide Länder weitere Zölle auf Produkte des jeweils anderen Landes verhängt hätten. Das könnte indirekt das Schwellenländer-Exportwachstum weiter schrumpfen lassen. Zudem habe man in den letzten Wochen zumeist unter den Erwartungen liegende Wirtschaftsindikatoren der Schwellenländer gesehen. In Summe dürfte das Bild an den Emerging Markets (EM) aber diffus und von länderspezifischen Themen beherrscht bleiben. Risiko habe aber einen Preis, und der dürfte im September attraktiv genug gewesen sein. Denn EM-Währungen und Spread-Produkte seien gefragt gewesen.
Bei den entwickelten Aktienmärkten hätten sich in den letzten Monaten starke regionale Unterschiede gezeigt, wobei sich der US-Aktienmarkt einmal mehr positiv habe abheben können. Getragen worden sei diese Entwicklung vor allem von einer sehr guten Berichtssaison (inklusive Effekten der US-Steuerreform). Die Experten von Raiffeisen Capital Management sähen weiterhin in der anstehenden Liquiditätsrückführung der Notenbanken den bestimmenden Faktor, der in den kommenden Monaten für anhaltend mehr Volatilität an den Märkten sorgen werde. Im Bereich der Stimmungsindikatoren seien aktuell keine Extremwerte (positive oder negative) zu beobachten.
Zuletzt habe sich die Situation in den Emerging Markets etwas beruhigt, wenngleich die Erholung recht zaghaft verlaufe. Die weit verbreitete Meinung gegenüber Emerging Markets Veranlagungen könne wohl so zusammengefasst werden: Langfristig handle es sich aufgrund der Bewertungen um eine sehr interessante Assetklasse, kurzfristig seien die Risiken nach wie vor erheblich (politische Unsicherheiten, Sentiment, usw.). Die Analysten würden sich dieser Meinung anschließen und vorerst taktisch zurückhaltend positioniert bleiben.
Während sich Energierohstoffe weiter sehr fest präsentieren würden, hätten Industriemetalle und Edelmetalle zuletzt Kursrückgänge verbuchen müssen. Ängste vor einer stärkeren Konjunkturabschwächung (vor allem in den Emerging Markets) und ein deutlich stärkerer US-Dollar hätten sich als Belastungsfaktoren erwiesen. Die Positionierung der Investoren sei aktuell bereits sehr negativ, was die Entwicklung in den nächsten Monaten unterstützen sollte. Aufgrund einer angespannteren Angebots-/Nachfragesituation und einer attraktiveren Kurvenstruktur (backwardation) sehen wir für die Assetklasse mittelfristig weiterhin eine positive Kursentwicklung, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. (Ausgabe vom 11.10.2018) (12.10.2018/alc/a/a)


