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Staatsanleihen: Nicht verschwinden wollende Event-Risiken
08.03.19 11:30
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Wie Tag und Nacht verliefen das Jahr 2018 und der Jahresbeginn 2019, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.
Seien im letzten Jahr noch sehr viele Märkte negativ gewesen, so komme es seit dem Jahreswechsel zu einer breit angelegten Erholung. Aktien hätten schon jetzt eine Wertsteigerung erfahren, die für ein ganzes Jahr reiche. Aber auch die Anleihenmärkte würden tolle Erträge abwerfen, allen voran High Yield und Emerging Markets. Unternehmens- und Staatsanleihen lägen ebenfalls im Plus, wenn auch nicht so spektakulär. Schließlich seien darüber hinaus noch die Rohstoffe zu erwähnen: Gold, Rohöl und Kupfer seien allesamt angestiegen, zum Teil signifikant. Was sei passiert? Was stehe hinter dieser Entwicklung?
Die Antwort sei klar: Ein Sinneswandel der Notenbanken habe zu einem ebensolchen bei den Anlegern geführt. Man könnte meinen, dass die Investoren im Jahr 2018 geldpolitisch auf Entzug gesetzt worden seien und dementsprechend schlecht gelaunt gewesen seien. In den ersten Wochen des neuen Jahres hätten die Notenbanken dann doch ein Einsehen gehabt und der Anlegergemeinde eine neue Dosis des lockeren Geldes gegönnt.
Und siehe da: Alles gut! Jetzt werde der Handelskrieg nicht mehr als Bedrohung gesehen, sondern dessen baldige Lösung vorgefeiert. Der Brexit sei - zumindest vermeintlich - auch kein Risiko mehr, weil er verschoben oder vielleicht sogar abgesagt werde. Auch das werde abgefeiert, siehe Pfund. Und über das Absacken diverser Konjunkturindikatoren müsse man sich auch keine Sorgen mehr machen. Immerhin sei die Schwäche nur temporär, die Erholung eine Frage der Zeit. Somit hätten sich in einigen Bereichen nicht die Fakten verändert, sondern bloß die Wahrnehmung derselben. Dies betreffe vor allem die Fundamentaldaten, deren Schwäche für eine Beibehaltung des vorsichtigen Aktienausblicks spreche. Tatsächlich verbessert habe sich allerdings die technische Situation des Marktes, was die vorsichtige Einschätzung von Aktien geringfügig relativiere.
Bei bonitätsstarken Staatsanleihen sei es in den vergangenen Wochen auf breiter Front zu moderaten Renditerückgängen gekommen. Orchestriert worden seien diese durch nicht verschwinden wollende Event-Risiken (Hard-Brexit, Handelskrieg) sowie durch schwächere Wirtschaftsdaten. Vor allem das Produzierende Gewerbe sei zuletzt zunehmend unter die Räder gekommen.
Entgegen der konjunkturellen Entwicklung seien die Risikoprämien von Unternehmensanleihen im Januar und Februar gesunken, insbesondere in den USA. Vor allem die Ankündigung der FED, aber auch anderer Notenbanken, die geldpolitischen Zügel vorerst nicht weiter anzuziehen, habe die Unternehmensanleihe- aber auch die Aktienmärkte stärker positiv beeinflusst, als dies schwache Konjunkturindikatoren im negativen Sinne getan hätten.
Die Spreads der Hartwährungs-Anleihen der Schwellenländer seien im Zuge der globalen Stimmungsaufhellung deutlich gesunken. Neben einem geldpolitisch freundlicheren Ton der US-Notenbank habe dieses Anleihesegment von stabilen und zum Teil steigenden Rohstoffpreisen profitiert, was den Rohstoffe exportierenden Schwellenländern entgegengekommen sei. Ein geldpolitisch freundlicher Ton alleine dürfte für die Emerging Markets nicht reichen, sofern es zu einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und China käme.
Der Jahresauftakt an den entwickelten Aktienmärkten könne wohl nur als spektakulär bezeichnet werden. Trotz schwächerer Konjunktur- und Gewinndaten habe der markante Richtungsschwenk der US-Notenbank zu starken Kursanstiegen geführt. Wir sehen diesen Widerspruch zwischen Fundamentalfaktoren und Liquiditätseuphorie weiterhin kritisch und daher das weitere Aufwärtspotenzial begrenzt, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. Die Stimmungsindikatoren befänden sich nach der Rally der letzten Wochen wieder im optimistischen Bereich. Die Experten würden daher vorsichtig investiert bleiben.
Auch Schwellenländer-Aktien hätten sich dem globalen Trend, der seit Jahresanfang herrsche, nicht entzogen und seien sehr freundlich ins neue Jahr gestartet. Dies sei auf den ersten Blick verwunderlich, wenn man sich die fundamentalen Faktoren, wie etwa die Konjunkturentwicklung und Gewinnentwicklung, die weiter enttäuschen würden, ansehe. Auf den zweiten Blick erkenne man aber das allüberstrahlende Thema: Die Liquiditätsversorgung. Hier setze insbesondere die Chinesische Zentralbank deutliche Impulse und flute die Märkte mit dem heißersehnten Stoff, der Aktienmärkte wieder steigen lasse: Liquidität.
Im Rohstoffbereich habe sich die im letzten Jahr begonnene Erholung fortgesetzt, wobei seit Jahresbeginn vor allem die zyklischeren Rohstoffe (Industriemetalle und Energierohstoffe) besonders stark hätten zulegen können. Im Bereich Edelmetalle seien die letzten Monate von Zuflüssen in Gold ETFs geprägt gewesen. Vor allem der geänderte US-Zinsausblick scheine hier als Unterstützungsfaktor zu dienen. Wir sehen den Rohstoffbereich aufgrund einer angespannteren Angebots- bzw. Nachfragesituation für die nächsten Monate weiter gut unterstützt, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. weiter. (Ausgabe vom 07.03.2019) (08.03.2019/alc/a/a)
Seien im letzten Jahr noch sehr viele Märkte negativ gewesen, so komme es seit dem Jahreswechsel zu einer breit angelegten Erholung. Aktien hätten schon jetzt eine Wertsteigerung erfahren, die für ein ganzes Jahr reiche. Aber auch die Anleihenmärkte würden tolle Erträge abwerfen, allen voran High Yield und Emerging Markets. Unternehmens- und Staatsanleihen lägen ebenfalls im Plus, wenn auch nicht so spektakulär. Schließlich seien darüber hinaus noch die Rohstoffe zu erwähnen: Gold, Rohöl und Kupfer seien allesamt angestiegen, zum Teil signifikant. Was sei passiert? Was stehe hinter dieser Entwicklung?
Die Antwort sei klar: Ein Sinneswandel der Notenbanken habe zu einem ebensolchen bei den Anlegern geführt. Man könnte meinen, dass die Investoren im Jahr 2018 geldpolitisch auf Entzug gesetzt worden seien und dementsprechend schlecht gelaunt gewesen seien. In den ersten Wochen des neuen Jahres hätten die Notenbanken dann doch ein Einsehen gehabt und der Anlegergemeinde eine neue Dosis des lockeren Geldes gegönnt.
Und siehe da: Alles gut! Jetzt werde der Handelskrieg nicht mehr als Bedrohung gesehen, sondern dessen baldige Lösung vorgefeiert. Der Brexit sei - zumindest vermeintlich - auch kein Risiko mehr, weil er verschoben oder vielleicht sogar abgesagt werde. Auch das werde abgefeiert, siehe Pfund. Und über das Absacken diverser Konjunkturindikatoren müsse man sich auch keine Sorgen mehr machen. Immerhin sei die Schwäche nur temporär, die Erholung eine Frage der Zeit. Somit hätten sich in einigen Bereichen nicht die Fakten verändert, sondern bloß die Wahrnehmung derselben. Dies betreffe vor allem die Fundamentaldaten, deren Schwäche für eine Beibehaltung des vorsichtigen Aktienausblicks spreche. Tatsächlich verbessert habe sich allerdings die technische Situation des Marktes, was die vorsichtige Einschätzung von Aktien geringfügig relativiere.
Entgegen der konjunkturellen Entwicklung seien die Risikoprämien von Unternehmensanleihen im Januar und Februar gesunken, insbesondere in den USA. Vor allem die Ankündigung der FED, aber auch anderer Notenbanken, die geldpolitischen Zügel vorerst nicht weiter anzuziehen, habe die Unternehmensanleihe- aber auch die Aktienmärkte stärker positiv beeinflusst, als dies schwache Konjunkturindikatoren im negativen Sinne getan hätten.
Die Spreads der Hartwährungs-Anleihen der Schwellenländer seien im Zuge der globalen Stimmungsaufhellung deutlich gesunken. Neben einem geldpolitisch freundlicheren Ton der US-Notenbank habe dieses Anleihesegment von stabilen und zum Teil steigenden Rohstoffpreisen profitiert, was den Rohstoffe exportierenden Schwellenländern entgegengekommen sei. Ein geldpolitisch freundlicher Ton alleine dürfte für die Emerging Markets nicht reichen, sofern es zu einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und China käme.
Der Jahresauftakt an den entwickelten Aktienmärkten könne wohl nur als spektakulär bezeichnet werden. Trotz schwächerer Konjunktur- und Gewinndaten habe der markante Richtungsschwenk der US-Notenbank zu starken Kursanstiegen geführt. Wir sehen diesen Widerspruch zwischen Fundamentalfaktoren und Liquiditätseuphorie weiterhin kritisch und daher das weitere Aufwärtspotenzial begrenzt, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. Die Stimmungsindikatoren befänden sich nach der Rally der letzten Wochen wieder im optimistischen Bereich. Die Experten würden daher vorsichtig investiert bleiben.
Auch Schwellenländer-Aktien hätten sich dem globalen Trend, der seit Jahresanfang herrsche, nicht entzogen und seien sehr freundlich ins neue Jahr gestartet. Dies sei auf den ersten Blick verwunderlich, wenn man sich die fundamentalen Faktoren, wie etwa die Konjunkturentwicklung und Gewinnentwicklung, die weiter enttäuschen würden, ansehe. Auf den zweiten Blick erkenne man aber das allüberstrahlende Thema: Die Liquiditätsversorgung. Hier setze insbesondere die Chinesische Zentralbank deutliche Impulse und flute die Märkte mit dem heißersehnten Stoff, der Aktienmärkte wieder steigen lasse: Liquidität.
Im Rohstoffbereich habe sich die im letzten Jahr begonnene Erholung fortgesetzt, wobei seit Jahresbeginn vor allem die zyklischeren Rohstoffe (Industriemetalle und Energierohstoffe) besonders stark hätten zulegen können. Im Bereich Edelmetalle seien die letzten Monate von Zuflüssen in Gold ETFs geprägt gewesen. Vor allem der geänderte US-Zinsausblick scheine hier als Unterstützungsfaktor zu dienen. Wir sehen den Rohstoffbereich aufgrund einer angespannteren Angebots- bzw. Nachfragesituation für die nächsten Monate weiter gut unterstützt, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. weiter. (Ausgabe vom 07.03.2019) (08.03.2019/alc/a/a)


