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Staatsanleihen: Negative Überraschungen bei US-Ausblick möglich


05.12.19 12:00
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Mit Kursanstiegen bei globalen Aktien von - derzeit (Stand: 04.12.) - über 22% wird es das Jahr 2019 in die Top 10 der letzten fünfzig Jahre schaffen, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Wenn Aktienfonds stark angestiegen seien, würden viele Anleger aber nicht mit Zuversicht und neuen Einmalerlägen, sondern mit Zurückhaltung reagieren. Hätten die Märkte denn noch Potenzial? Steige man so nicht zu einem schlechten Zeitpunkt ein? Müsse jetzt nicht irgendwann der große Abschwung kommen? Diese und ähnliche Fragen würden besorgte Anlegerinnen und Anleger plagen. Historisch gesehen seien solche Befürchtungen allerdings unbegründet. Nach besonders guten Jahren seien in drei Viertel der Fälle weitere gute Jahre gekommen. Nur ein einziges Mal in den letzten 50 Jahren sei auf ein besonders gutes Aktienjahr ein großer Absturz gefolgt - nämlich im Jahr 2000.

Historische Vergleiche sprächen also für ein positives Aktienjahr 2020. Und die Analyse der Einflussfaktoren komme zum gleichen Ergebnis. Hier sei zunächst die Politik zu nennen. Der Brexit sei bereits zuletzt nicht mehr marktbewegend gewesen und werde es auch 2020 nicht sein. Viel wichtiger sei der Blick in die USA, wo im November die Präsidentschaftswahl geschlagen werde. Um seine Chancen zu erhöhen, werde der amtierende Präsident alles für eine starke Wirtschaft und einen steigenden Aktienmarkt tun. Vor allem werde er den Handelskrieg nicht weiter eskalieren lassen. Im Gegenteil, es seien in den nächsten Monaten diesbezüglich konziliante Töne zu erwarten, wie z.B. die Verschiebung geplanter Zölle, was sich positiv auf das Geschäftsvertrauen auswirken werde. Rezessionsängste würden dadurch weiter sinken. Die Inflation und die Zinsen würden unterdessen niedrig bleiben und die Unternehmen weiterhin gut verdienen. Somit sei das Umfeld für Aktien gut, was durch die angespannte Bewertungssituation bei manchen Alternativveranlagungen noch verstärkt werde. Allerdings könnte das Jahr von einer spürbaren Korrektur eingeleitet werden, die dann gute Kaufgelegenheiten eröffnen würde.

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank FED, habe Ende November angekündigt, das Glas der US-Wirtschaft sei mehr als nur halb voll und der Leitzins auf genau dem richtigen Niveau. Am US-Geldmarkt werde seit wenigen Wochen ebenfalls keine unmittelbare Zinssenkung mehr eingepreist. Die Experten der Raiffeisen KAG seien bezüglich des Ausblicks der USA vorsichtiger und würden negative Überraschungen für möglich halten. Vor allem Vorlaufindikatoren, die auf Umfragen basieren würden, würden auf ein unter Potenzial liegendes Wirtschaftswachstum hindeuten und damit wäre auch eine weitere Zinssenkung aus unserer Sicht durchaus realistisch.

Mit einem Brutto-Emissionsvolumen von bislang EUR 330 Mrd. werden wir das emissionsstärkste Jahr der Geschichte des EUR Investmentgrade-Corporate-Bond-Marktes hinter uns bringen, so die Experten der Raiffeisen KAG. Technische Unterstützung liefere mittlerweile auch wieder die EZB, die zuletzt pro Woche knapp 1 Milliarde Euro an EUR Investmentgrade-Unternehmensanleihen erworben habe. Im EUR High-Yield-Segment erwarte man in den kommenden Monaten ein leichtes Ansteigen der Ausfallsrate und ein dadurch bedingtes negativeres Sentiment.

Die Spreadanstiege am Markt für Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen seien im November im Wesentlichen "nur" auf eine Schwäche bei problembehafteten argentinischen und ecuadorianischen Anleihen zurückzuführen gewesen. Der Rest des Marktes habe sich vergleichsweise gut entwickelt. Unabhängig von länderspezifischen Themen habe sich nach Meinung der Experten der Raiffeisen KAG die allgemeine Datenlage in den Schwellenländern zuletzt stabilisiert und die Einkaufsmanager-Indices würden keinen weiteren Verfall anzeigen.

Die entwickelten Aktienmärkte hätten in den letzten Wochen deutlich zulegen können. Hoffnung auf eine Entspannung beim Thema Handelskonflikt in Kombination mit vereinzelten vorsichtig optimistischeren Konjunkturdaten hätten für Unterstützung gesorgt. Demgegenüber stehe das negative Bild bei den Gewinndaten. Die Gewinnwachstumsraten für das Jahr 2019 seien mittlerweile nur mehr leicht positiv (zum Teil sogar negativ) und die Gewinnrevisionen seien unverändert negativ.

Mittlerweile sei bei der Gewinnentwicklung von Emerging-Marktets-Aktien ein Aufwärtstrend zu erkennen, der vor allem vom asiatischen Raum getragen werde. Damit scheine der Gewinnrückgang, der seit Anfang 2018 angehalten habe, beendet zu sein. Dennoch hätten sich Schwellenländer-Aktien im Vergleich zum entwickelten Aktienraum weiter verschlechtert. Einmal mehr gelte: The trend is your friend. Und der gehe eindeutig neuerlich Richtung US-Aktien. Der zyklische Rebound müsse sich daher verbreitern um Schwellenländer-Aktien wirklich befeuern zu können. Damit heiße es vorerst weiter warten.

Die internationalen Rohstoffmärkte würden sich in den letzten Monaten ohne klaren Preistrend seitwärts bewegen. Politischen Risikofaktoren stünden schwächere Nachfrageaussichten (schwächere Konjunkturdaten in den letzten Monaten) gegenüber. Im Bereich der Edelmetalle hätten sich die Zuflüsse fortgesetzt. Der Richtungsschwenk der internationalen Notenbanken unterstütze hier maßgeblich. (05.12.2019/alc/a/a)