Staatsanleihen Australien: gute Bonität im Spannungsbogen der Währung


05.04.12 16:05
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Für den Analysten von Anleihencheck Research, Dieter Dziendziol, ist die Staatsanleihe (ISIN AU3TB0000044 / WKN A1AT2P) von Australien nur eine Spekulation gegen den EUR.

Die Staatsanleihe, in Australischen Doller (AUD) ausgegeben vom Commonwealth of Australia, trage einen festen Kupon von 4,75% und werde am 15.11.2012 zur Rückzahlung fällig. Das zu 1.000 AUD (Gegenwert ca. 788 EUR) gestückelte Papier notiere aktuell bei 100,52% und biete damit eine Rendite von 3,88%. Die Zinszahlungen würden halbjährlich erfolgen, nächster Kupontermin sei der 15.05.2012. Die Bonitätseinstufung für Australien werde von den Ratingagenturen Standard & Poor's sowie Fitch jeweils mit "AAA" angegeben.

An den fundamentalen Einschätzungen zur wirtschaftlichen Situation und Entwicklung Australiens habe sich in den letzten Monaten nichts Wesentliches geändert. Das Rating Australiens liege immer noch bei der Bestnote und die Wachstumsprognose für 2012 zwischen 2,5% bis 3,5%. Dominierender Bereich in Australiens Wirtschaft sei mit knapp 80% des BIP der Dienstleistungssektor. Während Landwirtschaft und Bergbau auf einen 10%igen Anteil am BIP kämen, seien diese beiden Segmente allerdings für rund 70% der Exporte verantwortlich.

Dabei habe Australien hier in besonderer Weise vom asiatischen Wirtschaftsboom profitieren können. Zu den wichtigsten Exportgütern Australiens würden Kohle, Eisenerz, Gold, Erdöl und Erdölprodukte zählen. So gelte Australien seit Mitte der 80er Jahre als weltweit größter Exporteur von Steinkohle. In diesem Wirtschaftssegment habe die Australische Regierung nun neue Steuergesetze erlassen. Nach monatelangen, zähen Verhandlungen habe sich die Labour Party mit ihrem Konzept der Bergbausteuer im Senat durchgesetzt. Bei der nun gefundenen Kompromisslösung solle der gesamte fünfte Kontinent von dem sich vollziehenden Bergbauboom profitieren.

Die "Minerals Resource Rent Tax (MRRT)", die am 1.7.2012 in Kraft treten solle, fokussiere sich auf eine Besteuerung der sog. "Super Profits" des Bergbausektors von maximal 30%. Ab einem bestimmten Renditesatz sollten die Gewinne der betroffenen Unternehmen besteuert werden. Als Grenzwert für den Renditesatz würden langfristige öffentliche Anleihen herangezogen. Das anvisierte neue Besteuerungssystem komme lediglich für Kohle und Eisenerz zum Tragen, die zusammen etwa zwei Drittel des australischen Ausfuhrvolumens stellen würden. Die Einigung habe lange auf sich warten lassen. Ursprünglich sei ab dem Jahr 2012 eine 40%ige Besteuerung der Gewinne des Sektors vorgesehen gewesen. In zähen Verhandlungen zwischen den Ministern Wayne Swan (Finanzen), Martin Ferguson (Ressourcen) sowie den drei großen Branchenunternehmen BHP Billiton, Rio Tinto und Xstrata habe man zu einer Kompromisslösung gefunden.

Die neue Steuer könnte nach Einschätzung der Regierung innerhalb der ersten drei Jahre bis 2015 für zusätzliche Einnahmen von knapp 11 Mrd. AUD (rund 8,7 Mrd. EUR) sorgen, die dann u.a. für Infrastrukturprojekte, Steuersenkungen für kleine Unternehmen und für die Altersvorsorge investiert werden sollten.

Nachdem der EUR gegenüber dem AUD in den letzten Wochen Boden gutgemacht habe, sei er in den letzten Tagen wieder schwächer geworden. Das lasse Spekulationen hinsichtlich einer weitergehend länger anhaltenden Schwäche der Gemeinschaftswährung zu. Denn die Probleme der Schuldenländer Italien und Spanien bestünden weiter und hätten gerade in den letzten Tagen wieder für Unruhe an den Märkten gesorgt. So seien denn auch gute Bonitäten wieder mehr gefragt gewesen.

Nach Einschätzung der Analysten von Anleihencheck Research ist die o.a. 4,75%ige Staatsanleihe Australiens aufgrund ihrer kurzen Restlaufzeit von gut sieben Monaten nur als gut verzinste Währungsspekulation für mutige Anleger anzusehen. Aufgrund der Marktenge seien limitierte Orders Pflicht. (Analyse vom 05.04.2012) (05.04.2012/alc/a/a)


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