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Staatsanleihen: Angst vor trumpschem Handelskrieg


12.04.18 12:30
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Das erste Quartal 2018 brachte Rückgänge an den meisten Aktienmärkten, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

Für das Vierteljahr sei die Korrektur zwar moderat ausgefallen (S&P 500: -1,2%, EURO STOXX -3,0%), zwischenzeitlich habe es aber massive Schwankungen gegeben. Auch der US-Dollar, Unternehmensanleihen und Rohstoffe hätten an Wert verloren. Lediglich Euro-Staatsanleihen hätten in den ersten drei Monaten des Jahres eine positive Wertentwicklung abliefern können.

Als Auslöser für die Korrektur im Februar, von der global viele Börsen betroffen gewesen seien, würden Inflationsängste und steigende Zinsen genannt. Diese Begründungen würden einer näheren Analyse jedoch nicht Stand halten. Viel wahrscheinlicher liege die Ursache für den Rückschlag in einer zuvor übermäßig optimistischen Stimmung mit entsprechendem Anlegerverhalten. Schön abzulesen sei dies etwa an einigen Internetaktien, die allein in den ersten Tagen des Jahres um bis zu 50% gestiegen seien. Der Markt sei also heiß gelaufen und habe eine Abkühlung gebraucht. Mit einem Rückgang der Aktienkurse von durchschnittlich rund 10%, einer Normalisierung des VIX-Index sowie diverser Stimmungsindikatoren sei diese Abkühlung zweifellos eingetreten.

Einen völlig anderen Hintergrund habe der jüngste Kurssturz an der Moskauer Börse gehabt: Hier sei nicht (mehr) Abkühlung das Thema gewesen, sondern die vom Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums verhängten Sanktionen, gegen einzelne Unternehmen, denen enge Verbindungen zum Kreml nachgesagt würden. Der Aktienindex RTS sei Anfang der Woche zwischenzeitlich um rund 12% eingebrochen. Als Grund für die bislang einzigartigen Maßnahmen (Handelsverbot von Aktien zweier russischer Firmen in den USA) sei das "wachsende Muster bösartiger Aktivitäten Russlands in der Welt" genannt worden.

In diesem Sog nach unten seien auch russische Titel mitgerissen worden, die von den Sanktionen selbst gar nicht betroffen gewesen seien, ebenso wie die Aktien von russischen Unternehmen, die an ausländischen Börsen notiert seien, oder deren Hauptaktionäre einen starken Russlandbezug aufweisen würden. Auch andere internationale Firmen, die ihren Hauptsitz nicht in Russland hätten, dort aber wirtschaftlich aktiv seien, seien von dem starken Einbruch betroffen gewesen. Darunter auch die Raiffeisen Bank International, die aktuell davon ausgehe, dass die Sanktionen nur minimale Auswirkungen auf die RBI-Gruppe haben würden.

Der mittelfristige Ausblick bleibe dennoch unverändert positiv, was vor allem durch die weiterhin guten Fundamentaldaten begründet werde. Folgerichtig seien die nunmehr tieferen Kurse an vielen Börsen eine gute Gelegenheit, um Aktien zuzukaufen. Die Raiffeisen KAG habe daher die Übergewichtung von Aktien weiter erhöht. Die Spätphase des Zyklus, in der sich die Märkte befänden, werde zweifellos noch Ertragschancen bringen. Die Schwankungen würden jedoch hoch bleiben, weil es immer wieder auch Enttäuschungen hinsichtlich der Daten geben werde und bald auch der wahrscheinliche Zeitpunkt des nächsten Konjunkturabschwungs diskutiert werde.

Die guten Wirtschaftsdaten würden bei den Marktteilnehmern auch den Inflationsausblick steigen lassen. Entsprechend würden restriktivere Zentralbankenentscheidungen befürchtet. Das führe - insbesondere in den USA - zu einem Ansteigen der kurzfristigen Zinsen. Zusammen mit der Angst vor einem trumpschen Handelskrieg habe das allerdings zu einem Drehen des Risiko-Sentiments und zum Absinken der Renditen länger laufender Staatsanleihen geführt. Der US-Dollar habe davon bislang nicht nachthaltig profitieren können. Schwellenländer-Anleihen würden sich - abgesehen von der Türkei und Russland, das auf die US-Sanktionen negativ reagiert habe - robust zeigen, obwohl gerade sie teilweise im Fokus der Handelserschwernisse lägen.

Seit Februar seien die absoluten Renditen von Unternehmensanleihen unterschiedlicher Bonitäten und Märkte trotz Turbulenzen stabil geblieben. Da allerdings jene der "sicheren" Staatsanleihen deutlich eingelaufen seien, sei es zu einer signifikanten Ausweitung der Risikoaufschläge gekommen. In Europa bringe das deutlich kommunizierte Ende des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank viele Marktteilnehmer zum Nachdenken. Die starken Zuflüsse der letzten Jahre würden angesichts dieser Entwicklung insbesondere für High Yield-Anleihen die Gefahr einer Umkehr in sich bergen.

Die entwickelten Aktienmärkte hätten sich im März leicht schwächer präsentiert. Für Belastung habe dabei ein breiter Mix an Themen gesorgt (z.B. aufkeimende Ängste vor einem globalen Handelskrieg, Liquiditätsrückführung durch die Notenbanken bis hin zum Thema Datensicherheit im Technologiebereich). Diese Unsicherheitsfaktoren würden sich in einer höheren Marktvolatilität widerspiegeln. Das fundamentale Umfeld (Konjunkturumfeld und Ausblick für Unternehmensgewinne) präsentiere sich aber nach wie vor positiv. Die Experten von Raiffeisen Capital Management sehen den mittelfristigen Aufwärtstrend der Aktienmärkte daher weiterhin intakt und erwarten steigende Kurse in den nächsten Monaten.

Absolut betrachtet, seien Emerging Markets Aktien im ersten Quartal deutlich unter Druck gewesen. Interessant sei dabei gewesen, dass nicht - wie sonst üblich in derartigen Phasen - eine Underperformance feststellbar gewesen sei, sondern ganz im Gegenteil bleibe die starke relative Entwicklung weiter intakt. Die Bewertung in den verschiedenen Regionen sei zwar angestiegen, bleibe aber im Vergleich etwa zum US-Aktienmarkt weiterhin verhalten. Mit größtem Abstand die niedrigste Bewertung sei dabei in der Region Osteuropa zu finden, was wohl mit der politischen Unsicherheit - Stichwort: Russland - zusammenhänge.

Auch wenn Russland innerhalb der Region Osteuropa natürlich von sehr großer Bedeutung sei, so spiele das Land in globalen Schwellenländer-Portfolios, wo u.a. auch China, Indien und lateinamerikanische Länder vertreten seien, keine zentrale Rolle. Ein kurzfristiger Einbruch könne daher im Normalfall auch wieder weggesteckt werden. Die Unsicherheit bestehe allerdings darin, dass nicht absehbar sei, ob seitens der USA weitere ähnlich geartete Maßnahmen folgen würden. Die jüngsten Ereignisse würden jedenfalls wieder einmal sehr deutlich zeigen, wie wichtig das Thema Diversifikation beim Veranlagen sei. Die noch vor wenigen Monaten aufgrund geringer Profitabilität eher gering geschätzten Euro-Staatsanleihen hätten zuletzt in vielen Portfolios zu einer positiven Wertentwicklung beigetragen. (12.04.2018/alc/a/a)