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Staatsanleihemarkt: Renditeerwartungen anpassen
22.11.16 14:55
Nordea
Stockholm (www.anleihencheck.de) - Hand aufs Herz: Ist eine jährliche Rendite von zwei Prozent für ein Rentenportfolio attraktiv? Viele Anleger dürften mit dem Kopf schütteln, mögen sie doch an die durchschnittlichen 7,4 Prozent denken, die sie mit US-Staatsanleihen zwischen 1990 und 2008 erzielen konnten, so Witold Bahrke, Macro Strategist bei Nordea Asset Management.
Aber man sollte sich selbst einmal fragen, wie viele Investoren vor ein paar Jahren erwartet hätten, mit Staatsanleihen negative Renditen einzufahren. Wer hätte gedacht, dass Staaten auch noch Geld dafür bekommen würden, sich zu verschulden? Was damals unverschämt erschienen sei, sei heute Realität. Angesichts der aktuellen Nullzinsen erscheine eine Rendite von zwei Prozent doch gar nicht so schlecht, oder?
Die grundsätzliche Frage sei, ob zwei Prozent in Verbindung mit geringer Volatilität nicht nur kurzfristig, sondern auch über einen ganzen Investitionszyklus eine ordentliche Rendite seien. Die Experten würden schon glauben. Die Gründe für die Meinung der Experten seien tief im aktuellen Makro-Umfeld verwurzelt.
Man solle daran denken: Das Wirtschaftswachstum gehöre beim Investment langfristig zu den wichtigsten Renditetreibern. Wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben würden, würden schwache Wachstumserwartungen zugleich schwache erwartete Renditen und allgemein niedrige Zinssätze bedeuten. Das globale Wachstum habe sich von 4,8 Prozent im Jahr 2005 auf (erwartete) 2,9 Prozent für 2016 verringert. Bei 2,5 Prozent wäre die Rezessionsschwelle erreicht - dies entspräche einem niedrigen Wachstum, was aber soweit noch stabil wäre. Im gleichen Zeitraum seien die Zinssätze für zehnjährige US-Staatsanleihen von 4,4 auf derzeit 1,8 Prozent kurz vor der US-Wahl gesunken.
All dies scheine nicht zu überraschen, wenn man die übliche Beziehung zwischen Wachstum, Renditen und Wertentwicklung der Investments berücksichtige. Mit anderen Worten: Die Frage, ob eine erwartete Rendite von zwei Prozent aus Ihrem Rentenportfolio attraktiv sei, sei eine Frage des Wirtschaftswachstums. Um dies zu beantworten, müsse man zunächst verstehen, wie es zur aktuellen Wachstumsmalaise gekommen sei.
Demografie und geringe Produktivität seien zwei Hauptfaktoren für den globalen Trend in Richtung niedrigeren Wachstums. Zum einen falle die Anzahl derer, die Jahr für Jahr in den Arbeitsmarkt eintreten würden. Zum anderen seien diese potenziellen Arbeitskräfte nicht mehr im Stande, die Produktion im gleichen Maße zu steigern wie noch vor wenigen Jahren - der Produktivitätszuwachs zeige somit nach unten. Die Gründe dafür seien zum Teil bekannt, teilweise aber auch eine Blackbox.
Der demografische Faktor sei einfach zu erklären: Die Babyboomer würden sich Schritt für Schritt vom Arbeitsmarkt verabschieden. Das schwache Produktionswachstum habe jedoch verschiedene Gründe. Einer sei, dass die Dynamik der IT-getriebenen Produktivitätszuwächse von 1995 bis 2005 heute größtenteils nachgelassen habe. Bisher gebe es noch keine Nachfolger für ähnliche Wachstumstreiber. Ungenügende Investitionen in Infrastruktur und Bildung könnten ein weiterer Grund für den Produktionsengpass sein.
Es sei wichtig zu verstehen, dass die Hauptfaktoren für das geringe Wachstum - sowohl Demografie als auch Produktivität - sich mittelfristig nicht verbessern würden. Dies bedeute einen Rückgang des gesamten BIP-Wachstums. Die demografische Entwicklung sei für die kommenden Jahre relativ klar vorauszusehen und die schwache Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre lasse für die Produktivität der kommenden Jahre nichts Gutes ahnen. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sei die aktuelle Generation, die in die US-amerikanische Erwerbsbevölkerung eintrete, schlechter ausgebildet als die vorherige - eine wirklich beunruhigende Entwicklung.
Man sollte im Hinblick auf die Wachstumserwartungen und Renditen der US-Wirtschaft als größte Volkswirtschaft der Welt konkreter werden. Das Bevölkerungswachstum an sich werde in den kommenden Jahren nur ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent erzeugen. Wenn man die Auswirkungen der IT-Revolution einmal auslasse und davon ausgehe, dass der Zeitraum vor 1995 für die Erwartungen für die Zukunft repräsentativer sei, sollte die Produktivität etwa 1,25 Prozent zum US-BIP-Wachstum beitragen. Weiterhin müsse man die geringere Arbeitsqualität und das gesunkene Bildungsniveau der Erwerbsbevölkerung berücksichtigen. Das Ergebnis sei ein mittelfristiges BIP-Wachstumspotenzial in den USA von rund 1,5 Prozent - das sei deutlich geringer als die 3 bis 3,5 Prozent, die man bis 2005 genossen habe.
Bei diesen Renditen im Rentenbereich bedeute dieser makroökonomische Hintergrund für US-Staatsanleihen eine Erwartung von jährlichen Renditen von 0,2 Prozent. Wenn die Experten das Risiko vergrößern würden, würden sie bei US-Investmentgrade-Unternehmensanleihen mittelfristig eine Rendite von 0,8 Prozent und im Hochzinsanleihen-Segment von 2,2 Prozent erwarten. Für europäische fest verzinsliche Anlagen seien die Renditeerwartungen sogar noch ernüchternder. Mit anderen Worten: Die Fondsindustrie werde kämpfen müssen, um historische Renditen in ihren Portfolios zu erzielen. Es sei denn die Fondsmanager würden ihre risikoarmen Strategien aufgeben.
Wir stecken in einem schwachen Wachstumsumfeld fest, so die Experten von Nordea Asset Management. Die Trends der oben beschriebenen Wachstumstreiber seien ein globales Phänomen. Dieses Dilemma beschränke sich nicht auf die USA und werde sich auch nicht so schnell verbessern. Angesichts der schlechten Wachstums- und Renditeerwartungen, die aus dieser Analyse hervorgehen würden, sei es nicht selbstverständlich, positive Renditen in einem volatilitätsschwachen Umfeld zu generieren.
Auch sei daran erinnert, dass ein schwaches Wachstum immer ein permanent höheres Risiko darstelle, in eine Rezession - und damit eine höhere Ungewissheit - zu geraten. Dies mache es noch schwieriger, die Renditeziele gepaart mit einer geringen Risikobereitschaft zu erreichen.
Übrigens: Da die oben beschriebenen Wachstumstreiber die meisten Investmentrenditen beeinflussen würden, gebe es kaum eine Möglichkeit, dem Trend zu entkommen. Das Makro-Umfeld habe sich den zugrunde liegenden strukturellen Problemen angepasst. Anleger sollten das Gleiche tun, indem sie ihre Renditeerwartungen den wirtschaftlichen Verhältnissen anpassen würden. Alles in allem erscheine eine jährliche Rendite von zwei Prozent mit begrenztem Risiko für die Experten also sehr attraktiv. (22.11.2016/alc/a/a)
Aber man sollte sich selbst einmal fragen, wie viele Investoren vor ein paar Jahren erwartet hätten, mit Staatsanleihen negative Renditen einzufahren. Wer hätte gedacht, dass Staaten auch noch Geld dafür bekommen würden, sich zu verschulden? Was damals unverschämt erschienen sei, sei heute Realität. Angesichts der aktuellen Nullzinsen erscheine eine Rendite von zwei Prozent doch gar nicht so schlecht, oder?
Die grundsätzliche Frage sei, ob zwei Prozent in Verbindung mit geringer Volatilität nicht nur kurzfristig, sondern auch über einen ganzen Investitionszyklus eine ordentliche Rendite seien. Die Experten würden schon glauben. Die Gründe für die Meinung der Experten seien tief im aktuellen Makro-Umfeld verwurzelt.
Man solle daran denken: Das Wirtschaftswachstum gehöre beim Investment langfristig zu den wichtigsten Renditetreibern. Wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben würden, würden schwache Wachstumserwartungen zugleich schwache erwartete Renditen und allgemein niedrige Zinssätze bedeuten. Das globale Wachstum habe sich von 4,8 Prozent im Jahr 2005 auf (erwartete) 2,9 Prozent für 2016 verringert. Bei 2,5 Prozent wäre die Rezessionsschwelle erreicht - dies entspräche einem niedrigen Wachstum, was aber soweit noch stabil wäre. Im gleichen Zeitraum seien die Zinssätze für zehnjährige US-Staatsanleihen von 4,4 auf derzeit 1,8 Prozent kurz vor der US-Wahl gesunken.
All dies scheine nicht zu überraschen, wenn man die übliche Beziehung zwischen Wachstum, Renditen und Wertentwicklung der Investments berücksichtige. Mit anderen Worten: Die Frage, ob eine erwartete Rendite von zwei Prozent aus Ihrem Rentenportfolio attraktiv sei, sei eine Frage des Wirtschaftswachstums. Um dies zu beantworten, müsse man zunächst verstehen, wie es zur aktuellen Wachstumsmalaise gekommen sei.
Demografie und geringe Produktivität seien zwei Hauptfaktoren für den globalen Trend in Richtung niedrigeren Wachstums. Zum einen falle die Anzahl derer, die Jahr für Jahr in den Arbeitsmarkt eintreten würden. Zum anderen seien diese potenziellen Arbeitskräfte nicht mehr im Stande, die Produktion im gleichen Maße zu steigern wie noch vor wenigen Jahren - der Produktivitätszuwachs zeige somit nach unten. Die Gründe dafür seien zum Teil bekannt, teilweise aber auch eine Blackbox.
Es sei wichtig zu verstehen, dass die Hauptfaktoren für das geringe Wachstum - sowohl Demografie als auch Produktivität - sich mittelfristig nicht verbessern würden. Dies bedeute einen Rückgang des gesamten BIP-Wachstums. Die demografische Entwicklung sei für die kommenden Jahre relativ klar vorauszusehen und die schwache Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre lasse für die Produktivität der kommenden Jahre nichts Gutes ahnen. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sei die aktuelle Generation, die in die US-amerikanische Erwerbsbevölkerung eintrete, schlechter ausgebildet als die vorherige - eine wirklich beunruhigende Entwicklung.
Man sollte im Hinblick auf die Wachstumserwartungen und Renditen der US-Wirtschaft als größte Volkswirtschaft der Welt konkreter werden. Das Bevölkerungswachstum an sich werde in den kommenden Jahren nur ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent erzeugen. Wenn man die Auswirkungen der IT-Revolution einmal auslasse und davon ausgehe, dass der Zeitraum vor 1995 für die Erwartungen für die Zukunft repräsentativer sei, sollte die Produktivität etwa 1,25 Prozent zum US-BIP-Wachstum beitragen. Weiterhin müsse man die geringere Arbeitsqualität und das gesunkene Bildungsniveau der Erwerbsbevölkerung berücksichtigen. Das Ergebnis sei ein mittelfristiges BIP-Wachstumspotenzial in den USA von rund 1,5 Prozent - das sei deutlich geringer als die 3 bis 3,5 Prozent, die man bis 2005 genossen habe.
Bei diesen Renditen im Rentenbereich bedeute dieser makroökonomische Hintergrund für US-Staatsanleihen eine Erwartung von jährlichen Renditen von 0,2 Prozent. Wenn die Experten das Risiko vergrößern würden, würden sie bei US-Investmentgrade-Unternehmensanleihen mittelfristig eine Rendite von 0,8 Prozent und im Hochzinsanleihen-Segment von 2,2 Prozent erwarten. Für europäische fest verzinsliche Anlagen seien die Renditeerwartungen sogar noch ernüchternder. Mit anderen Worten: Die Fondsindustrie werde kämpfen müssen, um historische Renditen in ihren Portfolios zu erzielen. Es sei denn die Fondsmanager würden ihre risikoarmen Strategien aufgeben.
Wir stecken in einem schwachen Wachstumsumfeld fest, so die Experten von Nordea Asset Management. Die Trends der oben beschriebenen Wachstumstreiber seien ein globales Phänomen. Dieses Dilemma beschränke sich nicht auf die USA und werde sich auch nicht so schnell verbessern. Angesichts der schlechten Wachstums- und Renditeerwartungen, die aus dieser Analyse hervorgehen würden, sei es nicht selbstverständlich, positive Renditen in einem volatilitätsschwachen Umfeld zu generieren.
Auch sei daran erinnert, dass ein schwaches Wachstum immer ein permanent höheres Risiko darstelle, in eine Rezession - und damit eine höhere Ungewissheit - zu geraten. Dies mache es noch schwieriger, die Renditeziele gepaart mit einer geringen Risikobereitschaft zu erreichen.
Übrigens: Da die oben beschriebenen Wachstumstreiber die meisten Investmentrenditen beeinflussen würden, gebe es kaum eine Möglichkeit, dem Trend zu entkommen. Das Makro-Umfeld habe sich den zugrunde liegenden strukturellen Problemen angepasst. Anleger sollten das Gleiche tun, indem sie ihre Renditeerwartungen den wirtschaftlichen Verhältnissen anpassen würden. Alles in allem erscheine eine jährliche Rendite von zwei Prozent mit begrenztem Risiko für die Experten also sehr attraktiv. (22.11.2016/alc/a/a)


